Reaktion auf Konflikte Arabische Staaten wollen gemeinsame Armee aufstellen

"Schnell eingreifen, um Terrorismus zu bekämpfen": Die Staaten der Arabischen Liga wollen eine eigene Eingreiftruppe aufbauen, um auf bewaffnete Konflikte und den Vormarsch von Extremisten zu reagieren - wie aktuell im Jemen.

Der Präsident der Arabischen Liga (l.) und Ägyptens Außenminister
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Der Präsident der Arabischen Liga (l.) und Ägyptens Außenminister


Scharm El-Scheich - Die arabischen Staaten wollen eine gemeinsame Eingreiftruppe aufbauen, die schnell auf Krisen in der Region reagieren soll. Das teilte der Chef der Arabische Liga, Nabil al-Arabi, im ägyptischen Scharm El-Scheich mit.

Die Außenminister des Staatenbündnisses hätten einen entsprechenden Vertragsentwurf für den Gipfel der Arabischen Liga am Wochenende in dem Badeort am Roten Meer einstimmig beschlossen, erklärte der ägyptische Außenminister Sameh Schukri.

Liga-Chef Arabi hatte kürzlich erklärt, der Truppe solle es möglich sein, "schnell einzugreifen, um Terrorismus und die Aktivitäten terroristischer Gruppen zu bekämpfen". Die arabischen Staaten reagieren damit auf die zahlreichen bewaffneten Konflikte und den Vormarsch von Extremisten in der Region.

Der Beschluss der Außenminister kommt nur einen Tag, nachdem Saudi-Arabien und mehrere weitere arabische Staaten mit Luftangriffen auf schiitische Huthi-Rebellen im Jemen begonnen haben.

Jemens Staatschef nach Riad geflüchtet

Die Militärkoalition hat am Donnerstag weitere Ziele im Jemen aus der Luft bombardiert. Staatschef Abed Rabbo Mansur Hadi war vor den Huthis geflüchtet, am Donnerstag wurde bekannt, dass er sich in der saudischen Hauptstadt Riad aufhält. Am Samstag will er am Gipfeltreffen der Arabischen Liga teilnehmen.

Zerstörte Autos und Gebäude: Luftangriff der Allianz nahe des Flughafens der jemenitischen Hauptstadt
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Zerstörte Autos und Gebäude: Luftangriff der Allianz nahe des Flughafens der jemenitischen Hauptstadt

Hadi hatte am Dienstag um Hilfe gegen die Rebellen gebeten. Die Huthis hatten in den vergangenen Monaten große Teile des Jemen unter ihre Kontrolle gebracht, darunter die Hauptstadt Sanaa.

An der Operation "Sturm der Entschlossenheit" beteiligen sich nach Angaben des Senders al-Arabija neben Saudi-Arabien die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Bahrain und Katar. Weiterhin würden Jordanien, Marokko und der Sudan Kampfjets entsenden. Auch Ägypten sagte eine Beteiligung mit Luftwaffe und Marine zu, Pakistan denkt nach eigenen Angaben noch über einen Einsatz nach.

Saud-Arabien und Iran kämpfen um Vormachtstellung

Die USA, Großbritannien und die Türkei begrüßten die Offensive der arabischen Staaten. Doch die Entwicklung im Jemen löste international Besorgnis aus. Die Vereinten Nationen und die Europäische Union riefen die Konfliktparteien zu Verhandlungen auf. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier nannte die Lage gefährlich.

Der Bürgerkrieg im Jemen droht die ganze Region zu erfassen, die Offensive richtet sich auch gegen Iran: Saudi-Arabien wirft dem schiitischen Land vor, die Rebellen im Kampf gegen die rechtmäßige jemenitische Führung zu unterstützen.

Karte des Jemen: Das Land zerfällt
SPIEGEL ONLINE

Karte des Jemen: Das Land zerfällt

Der Iran verurteilte die Angriffe der Riad-Allianz. "Diese Angriffe sind nicht nur eine Verletzung der territorialen Integrität des Jemen, sondern auch eine sehr gefährliche Entwicklung", erklärte Außenamtssprecherin Marsieh Afcham.

Dasselbe Argument führt auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan an, der allerdings steht in dem Konflikt auf der Seite der Arabischen Liga: Auch er forderte den Iran auf, die territoriale Integrität des Jemen zu respektieren und mit dem Versuch aufzuhören, im Mittleren Osten eine Vormachtstellung zu bekommen.

sun/AFP/dpa

insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
hugahuga 26.03.2015
1. Ich kann mich da nur den Ausführungen des Nahost-
Experten Dr. Michael Lüders von heute Mittag im DLF anschließen. Er sagte sinngemäß, dass KSA durch die schiitischen Arbeiter im Süden Befürchtungen hegt, dass das Land destabilisiert werden könnte. Weiter, dass die sunnitischen Staaten mit Gewalt eine Vormachstellung halten wollen. Beispiel hierzu war, dass das sunnitische Herrscherhaus von Bahrain vor kurzer Zeit die Saudis (mit deutschen Panzern) zu Hilfe holte, um die eigene schiitische Mehrheit im Lande weiterhin unter der Knute halten zu können. Dass sich Katar und die Golfstaaten anschließen, so meine Einschätzung, verwundert nicht, das die dort Herrschenden ebenfalls um ihre Pfründe fürchten müssen. Dr. Lüders sagte noch, dass der Jemen nicht mehr über das Öl verfügt, mit dem der 30 Jahre lang herrschende Machthaber Saleh die Stämme bei der Stange hielt. Dass die Hitis leicht zu besiegen seien, bezweifelt er, zum einen wegen der Topographie zum anderen, da sich Nasser von Ägypten bereits in den 60er Jahren daran überhoben hatte. KSA verfügt zwar über mehr Geld, ist in der Struktur aber durchaus nicht unverwundbar.
andreu66 26.03.2015
2. Ägypten, die Söldner Saudi-Arabiens?
Zwischen dem schiitischen Iran und der sunnitischen, aber nicht arabischen, Türkei (als Nachfolgerin des verhassten osmanischen Kolonialreiches) hatten die sunnitischen arabischen Herrscher immer ein Problem, entweder sie hatten Geld oder Bevölkerung. Wenn saudisches Geld nun El-Sisi und sein Ägypten mit Armee kauft, hat man plötzlich beides.
Kamikaze.SpOn 26.03.2015
3. Jaja..
wenn es um sunnitische Terroristen wie den IS geht, zögern die islamischen Staaten nicht nur, sondern unternehmen nichts - außer vielleicht zu jammern, dass die Barbarei ihrer Brüder nichts mit dem Islam zu tun habe. Aber gegen schiitische Rebellen ziehen zu schnell zu Felde.
arrache-coeur 26.03.2015
4.
"Schnell eingreifen, um Terrorismus zu bekämpfen" - Es gäbe kaum Terrorismus in der Region, wenn Saudi-Arabien mit der Unterstützung der Terroristen aufhören würde.
Atheist_Crusader 27.03.2015
5.
Extremisten... mhmm... ja, ist klar. Natürlich vor allem schiitische. Die sunnitischen tun ja keinem was. Außerdem muss Assad weg und eine Demokratie her. Aber bitte nur in Syrien, nicht in Saudi-Arabien oder so. Hey, nur mal so 'ne Idee, wie man islamischen Terror viel effektiver bekämpfen kann: Unterstützt ihn einfach nicht mehr. Ja, das ging an Riad. Wenn die vielbeschworene islamische Solidarität auch nur einen Fliegendreck wäre, würde man statt Waffenlieferungen lieber helfen, die Länder zu entwickeln. Ich halte Saudi-Arabien für politisch nicht minder gefährlich als den Iran. Vielleicht sogar noch gefährlicher, denn die Saudis haben etwas geschafft, was den Iranern bis heute nicht gelungen ist: nicht nur haben sie uns eingeredet, dass es in dem Konflikt eine gute und eine böse Seite gibt - nein, sie haben uns auch weisgemacht, dass sie die Guten seien. Wenn unsere ach so bösen vorausplanenden, imperialistischen Poltiker auch nur halb so viel drauf hätten, wie uns sämtliche Verschwörungstheoretiker glauben machen wollen, würden sie den Iran stützen damit er sich gegen die Saudis behaupten kann. Dann wäre die islamische Welt auf ewig im Konflikt gefangen und stets geschwächt. Was wir dagegen praktizieren ist, den Saudis den Weg zur Dominanz in der Region zu ebnen. Wir werden sehen was wir davon haben, wenn sie tatsächlich alles kontrollieren. Ob es dann noch Kooperation gibt? Wage ich zu bezweifeln. Allein dass Erdogan dabei schon aufseiten der Araber steht, lässt nichts Gutes vermuten.
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