Arabische Liga in Syrien Mission der Amateure

Den Beobachtern der Arabischen Liga in Syrien droht schon zu Beginn ihres Auftrags der Verlust der Glaubwürdigkeit - ihre Kommentare zur Lage in Homs müssen für die Opposition wie Verharmlosung klingen. Und das ist nicht der erste und einzige Fehler bei dieser wichtigen Mission.  

AFP Photo / Youtube

Ein Kommentar von Yassin Musharbash


Die ersten Informationen über den Besuch von Beobachtern der Arabischen Liga in Syrien sind alarmierend - aber nicht etwa, weil die Beobachter den Vorwürfen gegen das Assad-Regime so gezielt nachgehen würden. Sondern weil die ersten Äußerungen des Chef-Emissärs Mustafa al-Dabi, sollten sie tatsächlich so gefallen sein, einem Skandal gleichkommen.

Einige Gegenden sähen "ein bisschen verwüstet" aus, sagte der sudanesische Ex-General laut Agenturbericht; ansonsten aber hätten die Beobachter bisher "nichts Beängstigendes" in der Revoltehochburg Homs entdeckt.

Zwar sagte Dabi auch, die Mission in Syrien brauche mehr Zeit. Aber das Fatale an seiner Äußerung ist, dass sie verharmlosend klingt - selbst wenn sie nicht so gemeint war, selbst wenn die Beobachter an dem Tag und zu der Stunde tatsächlich nicht Zeugen eines Massakers waren, selbst wenn er damit ausdrücken wollte, dass er Anzeichen für den Abzug des Militärs erkennt, den das Regime versprochenen hat.

Die lapidar klingenden Sätze lassen bei Teilen der syrischen Opposition bereits alle Alarmglocken klingen: Sie befürchten, dass Assad reingewaschen werden soll. Oder dass es dem Regime in Damaskus gelingen könnte, die Beobachter nur an Orte zu lenken, wo es keine Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu sehen gibt. Kaum vorstellbar, dass die Liga an Dabi ausgerechnet seine diplomatische Erfahrung lobte. In so einer Situation gilt es, schon den Anschein von Verharmlosung zu vermeiden.

Aufgabe der eigenen Bedingungen am ersten Tag

Es gibt weitere Hinweise darauf, dass sich die Liga-Emissäre zumindest unprofessionell verhalten. So zitiert Reuters einen Bewohner von Homs mit der Aussage, dass die Beobachter sich geweigert hätten, ohne Begleitung eines syrischen Leutnants ein schwer getroffenes Viertel aufzusuchen. Sollte das stimmen, führt die Liga ihre wochenlang vor sich her getragene, zentrale Bedingung - freier, unkontrollierter Aufenthalt im ganzen Land - schon am ersten Tag der Mission ad absurdum.

Wenn die Emissäre Angst vor der Bevölkerung haben, sind sie fehl am Platz. Und wenn sie es sich mit Syriens Armee nicht verderben wollen, dann erst recht.

Offiziell hat die Arabische Liga eine harte Linie gegenüber Präsident Baschar al-Assad eingeschlagen und ihm sogar Sanktionen angedroht - nach wochenlangen Winkelzügen hat er die Beobachter schließlich ins Land gelassen. In ein Land wohlgemerkt, in dem seriösen Schätzungen zufolge mindestens 5000 Zivilisten getötet wurden und Tausende Oppositionelle in Gefängnissen weggesperrt sind. Die Liga, seit jeher eher ein Papiertiger als ein machtvolles Gremium, schien auf einmal handlungsfähig.

Fehlbesetzung an der Spitze der Mission

Doch den ersten Fehler erlaubte sie sich bereits, als sie einen umstrittenen sudanesischen Ex-General zum Chef der Mission erkor. Er steht im Verdacht, in der Krisenregion in Darfur bei Massenmorden und Vertreibungen weggeschaut zu haben.

Die Liga droht nun, ihr neugewonnenes Kapital sofort wieder zu verspielen - und als überforderte Amateurtruppe dazustehen.

Baschar al-Assad und seine Clique sind mit allen Wassern gewaschen. Während die Truppen des Präsidenten Zivilisten massakrierten, trat er mehr als einmal im Staatsfernsehen auf und versprach lächelnd Dialog und Reformen. Wenn die Liga-Entsandten nicht schnell und glaubhaft den Eindruck vermitteln, dass ihnen wirklich an Aufklärung gelegen ist, dass sie diesem Regime nicht trauen, dass sie sich unabhängig von ihm bewegen, dass sie den Betroffenen zuhören und dass sie unvoreingenommen sind, dann ist diese Mission nutzlos.

Dann wird nur Zeit verschwendet, die man besser investiert hätte, um international noch mehr Druck aufzubauen und harte Sanktionen zu beschließen und umzusetzen.

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adal_ 28.12.2011
1. Pech für die Verschwörungstheoretiker
Pech für die Verschwörungstheoretiker: Die syrische Opposition lehnt eine ausländische Intervention ausdrücklich ab, eine entsprechende Resolution des Sicherheitsrats hat auch noch niemand gefordert. Gleichwohl sieht der antiamerikanische Pseudopazifismus wieder mal das "Reich des Bösen" am Werke.
widder58 28.12.2011
2. Nicht genehm
Zitat von sysopDen Beobachtern der Arabischen Liga in Syrien droht schon zu Beginn der Verlust der Glaubwürdigkeit - ihre Kommentare zur Lage in Homs müssen*für die Opposition wie Verharmlosung klingen.*Und das ist nicht der erste und einzige Fehler dieser wichtigen Mission. * http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806110,00.html
Man lacht sich tot. Paßt das erste Ergebnis der Beobachter nicht ins Propagandabild der oppositionellen Kriegshetzer und von Qatar bezahlten Söldner. Skandal, Skandal. Und der Spiegel hat nichts besseres zu tun als die oppositionellen Märchengeschichten breitzutreten. "Fehlbesetzung"- "Verharmlosung" - "Amateure"... das propagandistische Kartenhaus bricht in sich zusammen, die 5000 toten Zivilisten, die nie jemand gezählt hat außer "Oppositionelle" in London. Die "Menschenrechtsverteidiger" aus Libyen und dem Irak eingeflogen und von den Saudis bezahlt als Opfer dargestellt. Besteht nun die "Gefahr" das die Kommission die dreckigen Lügen aufdeckt? Erstaunlicherweise scheint es sich ja tatsächlich um eine neutrale Beobachterkommission zu handeln, ganz zum Leidwesen der westlichen Propaganda. Man sollte sie sofort abziehen. Und die Proteste in Homs? 70000 sollen es gewesen sein. Dirchaus möglich. Aber warum tragen die Bilder mit Assad herum. Schon seltsam. http://a5.sphotos.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-ash4/377029_275973062452248_177828522266703_706578_869380764_n.jpg
puter73 28.12.2011
3. So nicht!
Die Arabische Liga macht sich lächerlich. Einen sudanesichen Ex-General, der selbst Dreck am Stecken, als Chef einer solch schwierigen Mission zu benennen, die Delegation dann mit Hilfe der syrischen Armee, die für die widerlichen Massacker verantwortlich war/ist, loszuschicken und dann einen fairen, der Wahrheit entsprechenden Bericht über die dramatische Lage in Syrien zu erwarten, ist einfach absurd. Da gehören sachkundige, kompetente, integere, mutige Leute aus demokratischen Ländern hin, die willens und in der Lage sind, die Verbrechen des Assad-Regimes sauber aufzuklären.
SyrienTourist 28.12.2011
4. Vorsicht liebe zwanghaften Demokraten
Zitat von sysopDen Beobachtern der Arabischen Liga in Syrien droht schon zu Beginn der Verlust der Glaubwürdigkeit - ihre Kommentare zur Lage in Homs müssen*für die Opposition wie Verharmlosung klingen.*Und das ist nicht der erste und einzige Fehler dieser wichtigen Mission. * http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806110,00.html
Lieber Redakteur, Es ist vollkommen unklar weshalb Sie den Ergebnissen der Untersuchungen misstrauen. Ich bin schon seit Beginn der Berichte davon ausgegangen, dass die im Westen als "schrecklich" bezeichneten Bilder, doch ein sehr verzerrtes Bild zeigen. Demos mit einigen Tausend Leuten. Niemand weiß wofür sie stehen usw. Ja mein Gott. Ich war schon mehrmalig in Syrien (zuletzt 2005) als Tourist und war beeindruckt vom friedlichen Nebeneinander der vielen Religionen und Völker Leider versteigen sich die weisen Westler hier wieder in was ganz Wildes. Sollte Assad gestürtzt werden wird es schlimmer enden als der Irak. (Ich hatte schon zu Beginn des Irakkriegs die jetzige Situation vor Augen, wie auch Peter-Scholl-Latour der damals in Politdiskussionen die offensichtlichen Folgen eines Sturzes Saddam Husseins vorhergesagt hat). Hier werden Christen und andere Mitglieder von Minderheiten verfolgt und es sind "um Größenordnungen!"mehr Personen gestorben als unter Saddam. In Syrien wird der Gegensatz noch krasser werden, durch die vielen Völker und Religionen und dem jetzigen alawitischen! und damit in keinster Weise radikalen Herrscher. Herr Yassin Musharbash erinnert mich an Bekannte (Exil-Iraner). Diese wünschen sich auch dass der Iran angegriffen wird. Das Leid der Bevölkerung bedenkt ihr nie. Realistisch betrachtet führt der Sturz Assads zu 100 000en Toten, Flüchtlichen und einem noch destabiliserteren Nahen Osten.
pamiri 28.12.2011
5. neutral bleiben
In einer so unuebersichtlichen lage ist es fuer journalisten, gerade wenn sie eben nicht! vor ort sind angebracht, vorsichtiger - also weniger polemisch zu schreiben. welche information gibt es denn ueber syrien? die vom diktatorischen regime - nicht sehr vertrauenserweckend. und die von irgendwelchen dubiosen "oppositionellen" aus london. auch nicht viel besser. ah, und noch ein paar twitter meldungen und blogg eintragungen (vielleicht wirklich von syrern vor ort, vielleicht aber auch aus wieder aus schweden oder von wo auch immer). ich kann mich noch an die irakischen exilgruppen erinnern, die "beweise" fuer irakische abc waffen geliefert haben - und?! eigentlich ein skandal, auf welche quellen sich der spiegel immer wieder (nicht immer) stuetzt. twitter, bloggs, im ausland sitzende oppositionelle - wenn man glueck hat, wird das noch in einem nebensatz erwaehnt, manchmal auch nicht... und die forderung nach "richtigen" beobachtern, ist ja so ein riesen unsinn! wie will man in der region "demokratien aufbauen" wenn man so arrogant und herablassend agiert? die koennen nichts, nur wir machen alles richtig...eine sehr bloede einstellung!
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