Arabische Reaktionen Wachsende Furcht vor der Hypermacht Amerika

Politiker und Medien im arabischen Raum plagt die Sorge, dass die USA bald auch mit anderen Staaten im arabischen Raum eine Kraftprobe suchen könnten. Zudem wächst die Furcht vor Terror-Anschlägen.


Irakisch-Jordanische Grenze: Angst vor den Weiterungen des Kriegs
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Irakisch-Jordanische Grenze: Angst vor den Weiterungen des Kriegs

Amman/Teheran - Die ersten Reaktionen auf die US-Angriffe auf Ziele im Irak kamen aus dem Nachbarland Iran, das von der US-Regierung ebenfalls zur "Achse des Bösen" gezählt wird. Der iranische Außenminister Kamal Kharazzi verurteilte die US-Angriffe als "nicht zu rechtfertigen und unrechtmäßig". Die Amerikaner würden Kopflosigkeit gegen Weisheit setzen und die langjährigen Friedensbemühungen der Vereinten Nationen für den arabischen Raum "vollkommen zerstören".

Iran werde sich aus dem Konflikt heraushalten, aber darauf drängen, dass die internationale Staatengemeinschaft eine "neue Kraftanstrengung" unternehme, die grausamen Folgen dieses Krieges zu begrenzen. Bereits am Vortag hatte der iranische Parlamentssprecher Abdullah Ramezanzadeh nachdrücklich eine neue regionale Friedenskoalition gefordert. Gewalt könne nichts bewirken, außer neuer Gewalt in der Zukunft.

"Ein opportunistischer Krieg"

Ähnlich enttäuschte Stimmen überwiegen auch in Jordanien, wo das erste Opfer des US-Bombardements gemeldet wurde. Auf der Schnellstraße von Bagdad Richtung Grenze sei ein Jordanier ums Leben gekommen, als etwa 170 Kilometer von der Grenze entfernt eine irakische Tankstelle aus der Luft beschossen worden sei, bestätigte am Mittag der amerikanische Nachrichtensender CNN Berichte aus Jordanien. Solche Meldungen nähren den Zorn auf die USA. Aus Amman wurden am Morgen bereits Demonstrationen von Rechtsanwälten und Studenten an der Universität gemeldet. Die "Jordan Times" veröffentlichte am Donnerstag einen ausführlichen Kommentar mit der Überschrift "Ein opportunistischer Krieg, der sehr leicht zu weiteren Kriegen führen kann".

Die amerikanische Regierung habe einen Krieg gestartet, in dem es ihr um die Besetzung eines Landes gehe und nicht nur um einen Regimewechsel, heißt es darin. Dieses Vorgehen erfolge außerhalb jeder Gesetzlichkeit und unter Missachtung internationaler Normen. Es entspringe der Vorstellung, eine "Hypermacht" zu sein. Der Angriff auf ein anderes Land, so sei zu befürchten, sei jetzt nur noch eine Frage der Zeit.

Ähnlich äußerte sich am Donnerstag die Arabische Liga in einer ersten Stellungnahme. Die sei "ein trauriger Tag für alle Araber", zitiert die "Jordan Times".

In ihrem Leitartikel erinnert die Zeitung an die vergeblichen Vermittlungsbemühungen Jordaniens, statt Krieg Stabilität und neue Hoffnung im Nahen Osten zu fördern. Die Irak-Politik George W. Bushs sei abgelehnt worden, "seit er seinen Fuß in das Weiße Haus gesetzt hat". Nun sei Jordanien in einem Dilemma, denn die Anlehnung an die USA auf anderen Ebenen sei groß.

Ein Drittel der Bevölkerung Jordaniens seien Schüler, die sich jetzt ihr Weltbild formten und für die es wichtig sei, den Fahrplan zum Frieden für die Region mit Leben zu erfüllen. Krieg sei dafür aber kein vorbildlicher Weg. Jordanien habe aus den vielen Wunden des Kriegszustands mit Israel gelernt, dass Krieg zur Konfliktlösung keine Antwort sei.

Waffenfund in Saudi-Arabien

In diesem Sinne würdigen heute viele arabische Zeitungen die Ankündigung des saudi-arabischen Kronprinzen Abullah vom Vortag, sein Land werde sich "unter keinen Umständen" am Feldzug gegen den Irak beteiligen. Die Erwartung Saudi-Arabiens werde weitgehend geteilt, dass der Irak-Krieg spätestens dann beendet sein werde, wenn die Uno-Resolution 1441 erfüllt sei, Iraks Massenvernichtungswaffen zu beseitigen. "Aber wir lehnen es kategorisch ab, dass der Irak unter amerikanische Militärbesetzung kommt", wird Prinz Abdullah vielfach zitiert.

In Saudi-Arabien ist unterdessen die Angst vor Anschlägen islamistischer Extremisten auf westliche Einrichtungen gewachsen. Innenminister Prinz Naif hatte bereits am Dienstag erhöhte Sicherheitsmaßnahmen angekündigt. Der Minister räumte auch ein, "dass einige Freiwillige aus Saudi-Arabien" über Jordanien in den Irak gereist seien könnten, um dort gegen die Amerikaner zu kämpfen. Dies lasse sich "nicht vollkommen ausschließen". Laut "Jordan Times" war zuvor ein umfangreiches Waffenversteck in einem Haus in Riad entdeckt worden, in dem ein bislang unbekannter Mann bei einer Explosion ums Leben gekommen war. Die Sorge vor Panik und inneren Unruhen prägt mehrere Kommentare in arabischen Ländern.

Erste irakische Überläufer

So berichtet die "Bahrain Times" über einen Appell von König Hamad, "Ruhe und Routine zu bewahren", damit Stabilität gewährleistet bleibe. Das Volk solle keiner Hysterie erliegen, die Wichtigtuer in der Gesellschaft schüren würden. Auch Bahrain habe sein möglichstes zur Kriegsvermeidung getan, dazu wird auch das Angebot gezählt, Saddam Hussein in letzter Minute Asyl zu gewähren. Bahrain stehe allerdings im Notfall zur Verteidigung seines Bruderlandes Kuweit bereit.

Dort, so berichtet die "Bahrain Tribune", seien gestern bereits die ersten irakischen Kriegsgefangenen festgenommen worden. 17 junge irakische Soldaten hätten die Grenze nach Kuweit überschritten und sich in der nordkuweitischen Wüste, zehn Stunden vor Ablauf des US-Ultimatums an Saddam Hussein, amerikanischen Truppen gestellt. Die irakischen Wehrpflichtigen seien daraufhin der kuweitischen Polizei übergeben worden, bestätigte ein Kommandeur der dritten amerikanischen Infanteriedivision.

Auf die Unterstützung der kuweitischen Behörden und Bevölkerung scheint sich die US-Armee besonders verlassen zu können. Laut der Meinungsumfrage eines universitätsnahen Forschungsinstituts in Kuweit, das die Tageszeitung "al-Qabas Daily" veröffentlicht hat, würden 89,6 Prozent der Bevölkerung einen Krieg unterstützen, der zur Absetzung der irakischen Regierung führt. Fast ebenso viele lehnten Anschläge auf Amerikaner und Ausländer in Kuweit ab, allerdings bekannten sich 8,1 Prozent offen dazu, die Ideen von Osama Bin Laden zu unterstützen.

Holger Kulick



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