Arafat über Barak "Möge er zur Hölle fahren"

Keine Friedensgespräche mehr! Das verkündete Ministerpräsident Ehud Barak, nachdem die Arabische Liga Israel allein für den Ausbruch der Gewalt verantwortlich gemacht hat. In der Nacht flammten die Kämpfe mit brutalster Härte wieder auf.


Palästinenser-Präsident Arafat: Scharfe Worte gegen Israels Ministerpräsident Barak
REUTERS

Palästinenser-Präsident Arafat: Scharfe Worte gegen Israels Ministerpräsident Barak

Jerusalem/Kairo/Washington - Nach der Verurteilung Israels durch die Arabische Liga hat Ministerpräsident Ehud Barak den Friedensprozess mit den Palästinensern auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. In einer Erklärung Baraks hieß es, nach dem arabischen Gipfel in Kairo müsse Israel eine "Auszeit" im Friedensprozess erklären. Mit ungewöhnlich scharfen Worten reagierte Palästinenser-Präsident Jassir Arafat darauf. Der palästinensische Staat werde kommen, ob mit oder ohne Baraks Zustimmung, erklärte Arafat und ergänzte: "Möge er zur Hölle fahren."

In Kairo hatten die arabischen Staats- und Regierungschefs Israel die alleinige Schuld am Ausbruch der Unruhen zugewiesen. Zum Abschluss ihres Gipfeltreffens in Kairo forderten sie die Vereinten Nationen auf, die Palästinenser mit internationalen Truppen zu schützen. Außerdem solle ein internationales Kriegsverbrechertribunal die Vorfälle untersuchen.

Die arabischen Länder beschlossen ferner, am Friedensprozess festzuhalten. Zugleich soll die Normalisierung im Verhältnis zu Israel von greifbaren Fortschritten im Friedensprozess abhängig gemacht werden. Als Soforthilfe werden die arabischen Länder eine Milliarde US-Dollar an die Palästinenser zahlen.

Kuss für den Bruder: Ein 14-jähriger Palästinenser wurde am Grenzübergang Eres erschossen
AFP

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Die brutalen Kämpfe im Nahen Osten gingen unvermindert weiter. In der Nacht zum Montag gab es in der Umgebung von Jerusalem die schlimmsten Gefechte seit dem Ausbruch der Gewalt vor vier Wochen. Israelische Panzer und Kampfhubschrauber beschossen rund drei Stunden lang die Außenbezirke von Bethlehem und Beit-Jalla im Westjordanland. Israel reagierte damit auf den Beschuss der jüdischen Siedlung Gilo südlich von Jerusalem durch Palästinenser. Über mögliche Opfer war zunächst nichts bekannt.

Am Sonntag waren bei heftigen Auseinandersetzungen in den Palästinensergebieten mindestens drei Palästinenser getötet und mehrere Dutzend verletzt worden. Im Norden des Gaza-Streifens starb ein 14-jähriger Junge. Zwei Palästinenser starben bei Zusammenstößen in der Nähe der Autonomiestadt Hebron.

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