Appell aus Usbekistan Rettet den Aralsee!

Der Aralsee trocknet extrem schnell aus. Die Folgen für die anliegenden Regionen sind erheblich, Gegenmaßnahmen sehr teuer: Nun fordert Usbekistan eine internationale Rettungskonferenz.
Schiff und Kamele in ausgetrocknetem Gebiet: Drastischer Rückgang des Aralsees

Schiff und Kamele in ausgetrocknetem Gebiet: Drastischer Rückgang des Aralsees

Foto: VYACHESLAV OSELEDKO/ AFP

Taschkent - Satellitenbilder der Nasa aus dem September belegen die dramatische Entwicklung: Erstmals in der jüngeren Geschichte ist der Südteil des Aralsees vollkommen ausgetrocknet. Mittelfristig, so die Befürchtungen der Anrainer, könnte das Gewässer ganz verschwinden. Usbekistan bittet deshalb um internationale Unterstützung zur Rettung des Aralsees.

"Die Länder der Region haben keine ausreichenden finanziellen und logistischen Mittel, um die ökologischen, sozioökonomischen und humanitären Konsequenzen dieser Katastrophe in den Griff zu kriegen", schrieb Präsident Islam Karimow am Mittwoch in seinem Appell.

Darin regte Karimow eine internationale Experten- und Geberkonferenz zur Rettung des einst viertgrößten Binnensees der Welt an, der an der Grenze Usbekistans und Kasachstans liegt.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte in einer Videoerklärung, der Aralsee sei kurz vor dem Verschwinden. "Dieser Verlust wird das Leben von Millionen Menschen in Usbekistan und anderswo betreffen", sagte Ban.

Der riesige See, der früher durch die Flüsse Amudarja im Süden und Syrdarja im Osten genährt wurde, war bereits zuvor in mehrere Teile zerfallen. Die Austrocknung des Salzwassersees gilt als die größte durch den Menschen verursachte Umweltkatastrophe. Die Ursache dafür ist die intensive Nutzung des Wassers aus Amudarja und Syrdarja seit der Sowjetzeit.

Viel Wasser für die Landwirtschaft abgezweigt

In den Fünfziger- und Sechzigerjahren ließ die sowjetische Regierung den Amudarja umleiten, und mit ihm auch den Syrdarja. Damit sollten Baumwoll- und Reisfelder versorgt werden. Noch 1965 erreichten den Aralsee jedes Jahr 50 Kubikkilometer Süßwasser - in den frühen Achtzigerjahren war der Zustrom völlig versiegt.

Mehrere Städte, die an der Küste vom Fischfang lebten, verloren ihre Lebensgrundlage. Heute sind weite Gebiete im Umkreis des Sees von Salz und Pestiziden überzogen.

Das Ökosystem des Aralsees wurde radikal verändert, Fischpopulationen verschwanden - und mit ihnen die einst boomende Fischereiwirtschaft. Zwischenzeitlich gab es sogar wieder Hoffnung: Der Bau eines Damms im Jahr 2005 ließ zumindest den nördlichen Aralsee wieder wachsen.

Aufnahme der Nasa: Dramatischer Wasserrückgang

Aufnahme der Nasa: Dramatischer Wasserrückgang

Foto: NASA

Das östliche Becken war schon 2009 fast komplett ausgetrocknet, hatte 2010 allerdings wieder deutlich mehr Wasser. Ein Grund für die nun vollständige Austrocknung sind geringere Niederschläge und schwächere Schneebedeckung im Pamir-Gebirge, aus dem der Amudarja einen großen Teil seines Wassers bezieht.

jok/AFP