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Britischer Kameramann: Die Hölle des Kieron Bryan

Foto: Vladimir Baryshev/ dpa

Greenpeace-Crewmitglied über Haft "Gott, das ist die Hölle auf Erden"

Der britische Kameramann Kieron Bryan war mehr als 60 Tage in russischer Haft - wie die gesamte Crew des Greenpeace-Schiffes "Arctic Sunrise". Nach seiner Freilassung beschreibt er den Horror des Lebens in dem runtergekommenen Knast von Murmansk.

St. Petersburg - Kieron Bryan sieht endlich wieder den Himmel - nach zwei Monaten Haft in russischen Gefängnissen. "Es ist gut, wieder draußen zu sein", sagte der junge Brite in einem Fernsehinterview mit der BBC.

"Es war sehr hart", sagte der Kameramann, der als freischaffender Journalist an Bord des Greenpeace-Schiffes "Arctic Sunrise" war. "Vor allem die Isolation, und dass man mit niemandem sprechen konnte." Er sei 23 Stunden am Tag in einer Zelle eingesperrt gewesen. "So etwas möchte ich nicht noch mal erleben."

Bryan war in der vergangenen Woche auf Kaution freigekommen - wie mit ihm 28 weitere Crewmitglieder. Der Australier Colin Russell kam als einziger nicht frei. Die russische Justiz wirft den Greenpeace-Mitarbeitern und Journalisten Rowdytum vor. Sie hatten im September versucht, eine russische Ölplattform nahe Murmansk zu erklettern, um gegen die Ölförderung in der Arktis zu protestieren. Alle 30 Crewmitglieder wurden daraufhin von russischen Sicherheitskräften festgenommen.

Was dann folgte, dürfte die Umweltschützer schockiert haben. Statt nach ein paar Stunden abgeschoben zu werden, warf man ihnen Piraterie vor und steckte sie in ein runtergekommenes Gefängnis in Murmansk.

"Ich wurde in eine mit zwei Leuten belegte Zelle gebracht", sagte Bryan der Tageszeitung "The Times" . Beides seien Kettenraucher gewesen, in der Zelle habe dichter Rauch gestanden. "Ich rauche nicht", betonte der Kameramann. Die Gesichter der beiden russischen Häftlinge seien mit Narben übersät gewesen, einem fehlte ein Frontzahn. "Ich dachte: Gott, das ist die Hölle auf Erden. Ich werde lebendigen Leibes verspeist."

"Das macht einen zur Schnecke"

Bryan räumte ein, dass die Crew zwar auf eine Festnahme vorbereitet gewesen sei - nicht aber auf mehr als 60 Tage hinter Gittern mit der Aussicht, zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt zu werden. "Ich hatte große Angst." Es sei ihm sehr schlecht gegangen. "Das macht einen zur Schnecke."

In der ersten Nacht im Untersuchungsgefängnis I in Murmansk habe er seinen persönlichen Tiefpunkt erlebt. "Aus Menschenrechtsperspektive ist das ein Alptraum." Auf dem Weg zum Gebäude habe er Hunde bellen hören, überall sei Stacheldraht gewesen. "Das Gebäude sah aus, als könnte es im nächsten Moment kollabieren." Insassen des Gefängnisses hätten herumgebrüllt, als die Greenpeace-Crew angekommen sei. "Die kannten uns aus den Nachrichten."

Nach ein paar Tagen in dem Murmansker Horror-Knast habe er wieder Hoffnung gefasst. "Meine Angst blieb", sagte er der "Times", aber die so furchteinflößenden Zellenkollegen seien wunderbar gewesen, "die haben sich um mich gekümmert". Zwei Grundregeln des Gefängnislebens habe er schnell verinnerlicht: "Man teilt alles" und "Keine Gewalt".

Bryans Vorwissen über die russische Justiz hat seine Ängste verstärkt. Der Kameramann hatte sich zuvor auch mit dem Fall Pussy Riot beschäftigt. "In diesem Land ist es normal, ins Gefängnis zu kommen und zu verschwinden." Die russischen Aufseher seien ruppig gewesen, hätten aber keine Gewalt angewandt.

Als die Greenpeace-Crew nach St. Petersburg verlegt wurde, verbesserten sich die Haftbedingungen. Die Wände waren frisch gestrichen, die Toiletten sauber. "Das war wie Urlaub", berichtete Bryan.

Trotz allem bedauert er nicht, an der Greenpeace-Aktion teilgenommen zu haben: "Ich weiß, dass ich ein großes Risiko eingegangen bin." Er habe sich jedoch etwas vorgemacht, als er glaubte, als Kameramann immun zu sein gegen die russische Justiz.

Nun warten die 29 auf Kaution Freigelassenen und der noch inhaftierte Australier auf ihren Prozess. Der Internationale Seegerichtshof in Hamburg hatte am Freitag entschieden, dass das Schiff "Arctic Sunrise" herausgegeben und die gesamte Crew auf Kaution freikommen muss. Der Kreml erkennt den Beschluss allerdings nicht an.

hda
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