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28. November 2013, 17:09 Uhr

"Arctic Sunrise"

Russland lässt letzten Greenpeace-Aktivisten frei

Mehrere Wochen saß er in Untersuchungshaft, nun will die russische Justiz auch den letzten Greenpeace-Aktivisten freilassen. Der 59-jährige Australier Colin Russell hatte Mitte September auf der "Arctic Sunrise" gegen eine Ölplattform protestiert.

Moskau - 44.000 Euro müssen zur Sicherheit hinterlegt werden, dann kommt auch der letzte Greenpeace-Aktivist frei. Der Australier Colin Russell werde aus dem Untersuchungsgefängnis in St. Petersburg entlassen, sobald die Kaution hinterlegt sei, teilte die Umweltschutzorganisation am Donnerstag mit. Wie seine Mitstreiter muss der 59-Jährige aber vorerst in Russland bleiben.

Russells Familie zeigte sich hoch erfreut über die Freilassung. "Ich bin so erleichtert", erklärte seine Frau Christine.

Russell sowie 27 weitere Greenpeace-Aktivisten und zwei freiberuflichen Journalisten wird Rowdytum vorgeworfen. Deswegen drohen ihnen jeweils bis zu sieben Jahre Haft. Sie hatten an einer Ölplattform in der Arktis gegen potentielle Umweltschäden durch Bohrungen in der ökologisch sensiblen Region demonstriert. Die Umweltschutzorganisation weist die Vorwürfe zurück. Es habe sich um friedlichen Protest gehandelt.

"Es ist noch nicht vorbei"

Ben Ayliffe, der die Arktis-Kampagne bei Greenpeace leitet, sagte: "Es ist noch nicht vorbei." Die Anklage sei "beleidigend und empörend". Gefeiert werde erst, wenn die Anklage fallen gelassen werde und die zu Unrecht Beschuldigten nach Hause zurückkehren könnten.

Die Gruppe hatte sich am 18. September der von dem staatlichen Energiekonzern Gazprom betriebenen Plattform mit dem Eisbrecher "Arctic Sunrise" genähert. Die russische Küstenwache beschlagnahmte das Schiff und nahm die Menschen an Bord fest. Die russischen Behörden ernteten dafür vor allem aus dem Westen viel Kritik. Der Internationale Seegerichtshof in Hamburg hatte Russland am Freitag dazu verurteilt, die "Arctic Sunrise" und ihre Besatzung gegen Zahlung einer millionenschweren Kaution freizugeben.

Der Kreml-Stabschef Sergej Iwanow hatte am Samstag mitgeteilt, die Ausländer unter den 30 Angeklagten könnten Russland verlassen, sobald die Modalitäten ihrer Ausreise klar seien. In Medienberichten hieß es, für die Ausreise würden russische Visa benötigt.

vek/AFP/Reuters

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