Argentinien Geheimakten der Militärjunta gefunden

In Argentinien sind geheime Unterlagen der Militärdiktatur entdeckt worden. In den insgesamt sechs Mappen fanden sich schwarze Listen mit den Namen von Künstlern und Intellektuellen - darunter auch die Sängerin Mercedes Sosa und der Autor Julio Cortázar.
Geheimakten der Junta: Im Keller gefunden

Geheimakten der Junta: Im Keller gefunden

Foto: STR/ AFP

Buenos Aires - Dreißig Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur in Argentinien sind erstmals wichtige Geheimunterlagen mit den Namen politisch verfolgter Aktivisten und Künstler aufgetaucht. Die rund 280 Dokumente inklusive einer schwarzen Liste von Junta-Gegnern wurden bei Aufräumarbeiten im Keller des Luftwaffenhauptquartiers von Buenos Aires gefunden, wie das Verteidigungsministerium am Montag mitteilte. Die in zwei Safes und zwei Schränken entdeckten Unterlagen seien von "immensem historischen Wert".

Das Archiv umfasst den Angaben zufolge Dokumente und Fotos aus der Zeit zwischen dem Putsch im März 1976 bis zum Ende der Militärherrschaft 1983. Damals kam die demokratische Regierung Raúl Alfonsíns an die Macht.

Pläne bis ins Jahr 2000

In diesem Zeitraum wurden 30.000 Oppositionelle ermordet oder verschwanden spurlos, bis heute konnten nur wenige hundert identifiziert werden. Laut dem Innenministerium geht aus den Dokumenten hervor, dass die Junta-Führung sogar plante, bis ins Jahr 2000 an der Macht zu bleiben.

Auf der Schwarzen Liste sind demnach 153 argentinische Künstler und Intellektuelle namentlich verzeichnet, darunter der 1984 verstorbene Schriftsteller Julio Cortázar und die legendäre Volksmusikerin Mercedes Sosa, die 2009 verstarb. Zudem der Tangomusiker Osvaldo Pugliese, die Schauspielerin Norma Aleandro und die Kinderbuchautorin María Elena Walsh. Sie wurden nach vier verschiedenen "Gefährlichkeitsniveaus" eingestuft.

Seit 2003 ein Amnestiegesetz für während der Diktatur begangene Verbrechen aufgehoben wurde, befasst sich die argentinische Justiz mit etlichen Fällen von Menschenrechtsverletzungen. Hunderte frühere Militärkader wurden verurteilt.

Verteidigungsminister Agustin Rossi äußerte die Hoffnung, dass weitere Dokumentenfunde Aufschluss über die Kommunikation und Abläufe innerhalb der Junta geben könnten. Mitarbeiter des Militärs seien dazu angehalten worden, ihre Suche "an ungewöhnlichen Orten" zu intensivieren. Die argentinische Armee sieht sich seit Jahren mit Forderungen konfrontiert, ihre Archive zur Aufarbeitung der Landesgeschichte zu öffnen.

ler/AFP/dpa