Verschollenes U-Boot gefunden "Welch ein Zufall"

Ein Jahr nach dem Verschwinden herrscht Gewissheit: Eine Suchmannschaft hat das Wrack des argentinischen U-Boots "San Juan" gefunden. Nun werden Details bekannt - doch Angehörige äußern Zweifel.

Eine Angehörige der Marinesoldaten hält eine argentinische Flagge mit dem U-Boot "ARA San Juan"
Eduardo Lopez/EPA-EFE/REX

Eine Angehörige der Marinesoldaten hält eine argentinische Flagge mit dem U-Boot "ARA San Juan"


Seit einem Jahr fehlte von der "ARA San Juan" jede Spur - jetzt hat eine Suchmannschaft das U-Boot der argentinischen Marine in den eisigen Tiefen des Südatlantiks entdeckt. Es sei in einer Tiefe von 907 Metern entdeckt worden, sagte der Kommandant der Marinebasis Mar del Plata zu Angehörigen der Seeleute.

Die "ARA San Juan" war am 15. November 2017 mit 44 Seeleuten an Bord auf der Fahrt von Ushuaia im äußersten Süden Argentiniens nach Mar del Plata verschwunden. Dort verläuft der Kontinentalsockel, bei dem die Meerestiefe von 200 auf bis zu 3000 Meter abfällt. Das Wrack sei nun vor dem Golf von San Jorge und südlich von Mar del Plata entdeckt worden, wie die Zeitung "La Nación" berichtete.

Dort war bisher bei der Suche nichts gefunden worden. Allerdings hatten die Angehörigen der vermissten Seeleute darauf gedrängt, an dieser Stelle noch einmal zu suchen. "Ich fühle Erleichterung, aber auch Trauer und Unsicherheit", sagte Luisa Rodríguez, die Mutter eines Besatzungsmitgliedes, am Samstag im Fernsehen. "Wir fühlen uns alleingelassen von der Regierung, vom Präsidenten, von (Verteidigungs-)Minister (Oscar Raúl) Aguad."

Die Familien der Seeleute litten im vergangenen Jahr vor allem unter der Ungewissheit über den Verbleib ihrer Angehörigen. Nach der Entdeckung des Wracks schwanken sie nun zwischen Erleichterung, Trauer und Wut. "Ich will wissen, was passiert ist", sagte Oscar Vallejos, der Vater eines der Soldaten, im Fernsehsender C5N. "Sie wussten schon, wo sie sind und haben gewartet, bis ein Jahr vergangen ist. Ich habe meine Zweifel. Welch ein Zufall."

Nach einer wochenlangen erfolglosen Suche der Streitkräfte nach dem Unglück im vergangenen Jahr hatte die Regierung zuletzt das Unternehmen Ocean Infinity engagiert, um die Suche fortzusetzen. Die US-Firma war bereits kurz davor, die Suche abzubrechen, weil die vertraglich festgelegten 60 Einsatztage beinahe ausgeschöpft waren. Für den Fund des U-Boots soll Ocean Infinity nun 7,5 Millionen US-Dollar (6,5 Mio Euro) erhalten.

Verteidigungsminister Oscar Aguad sagte, dass Argentinien nicht die Mittel habe, um das Wrack aus 900 Metern Tiefe zu holen. Argentinien fehlten die technischen Möglichkeiten, um Teile des Schiffes oder Opfer zu bergen.

Die Familien aber wollen ihre Angehörigen beerdigen und fordern eine umfassende Aufklärung des Unglücks.

mal/dpa/AP



insgesamt 3 Beiträge
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brosswag 18.11.2018
1. Meine Meinung zum Thema
Die Hinterbliebenen müssen eine Realität akzeptieren mit der sie Weltweit nicht alleine sind. Ich nehme an, man wird das Boot heben, sobald die Möglichkeiten dazu gegeben sind. Dabei werden auch diese Menschen in einer gewissen Lebensgefahr sein, die es wagen aus dieser Tiefe das Boot zu bergen. Ein klein wenig Bescheidenheit wäre auch den jetzt Trauernden zu wünschen und Dank denen geben, die das Boot gefunden haben
janfred 18.11.2018
2. Kosten sind zweitrangig
Die Marine ist es den Angehörigen schuldig, das U-Boot zu bergen, wenn eine Bergung möglich ist. Gerade wenn berets für die erfolgreiche Suche des Fracks ein so hoher Betrag investiert wurde. Bergung oder nicht darf also kein Thema sein.
capote 18.11.2018
3. 2. Kosten sind zweitrangig
Zitat von janfredDie Marine ist es den Angehörigen schuldig, das U-Boot zu bergen, wenn eine Bergung möglich ist. Gerade wenn berets für die erfolgreiche Suche des Fracks ein so hoher Betrag investiert wurde. Bergung oder nicht darf also kein Thema sein.
Nun mal langsam, es ist in ersten Schätzungen von 1 Mrd die Rede, das wären pro Opfer 22,7 Mio und die Angehörigen können die sterblichen Überreste nicht noch mal anschauen, das U-Boot ist zerdrückt samt Inhalt und die Wasserleichen wärenohne das schon nicht präsentabel. Weiter kann man da nicht ein Stahlseil runterlassen und das Boot hochziehen. Die USA haben für "so was" ja mal streng geheim ein Hebewerkzeug gebaut, um ein russisches Atom-U Boot zu heben. Vielleicht kann man sich das Ding ja für diesen Zweck ausleihen, wenn das für die Tiefe geht, rückt de Hebung in den Bereich des Möglichen....
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