Franziskus Papst nimmt Propagandaplakat von Falkland-Aktivisten an

Auf seiner wöchentlichen Generalaudienz im Vatikan ist dem Papst ein kleines Missgeschick passiert: Er nahm ein Plakat an, das zur Debatte über die Falklandinseln aufruft. Dabei will er sich eigentlich aus dem Konflikt heraushalten.

Franziskus bei einer Audienz: Aktivisten drückten dem Papst das Plakat in die Hände
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Franziskus bei einer Audienz: Aktivisten drückten dem Papst das Plakat in die Hände


Die Auftritte des Papsts sind normalerweise sorgfältig geplant. Jetzt ist Franziskus während einer Audienz im Vatikan dennoch in ein Fettnäpfchen getreten. Bilder zeigen ihn mit einem Propagandaplakat, das zu einem "Dialog" über die Falklandinseln aufruft.

Das könnte zu Verärgerung führen - sowohl auf Seiten Großbritanniens als auch bei den Bewohnern der Falklandinseln. Denn: Die 400 Kilometer östlich von Südargentinien gelegenen Inseln befinden sich seit 1833 unter britischer Kontrolle, die Regierung in Buenos Aires beansprucht sie aber seit Langem für sich. 1982 ließen im Krieg der beiden Länder um die Inseln mehr als 900 Soldaten ihr Leben.

2013 hatten sich die etwa 3000 Bewohner in einer Volksabstimmung mit überwältigender Mehrheit für einen Verbleib in Großbritannien ausgesprochen. Argentinien erkennt das Referendum aber nicht an. Erst im Juni war es beim EU-Lateinamerika-Gipfel in Brüssel zwischen Großbritannien und Argentinien erneut zum Streit um die Falklandinseln gekommen.

Die Angelegenheit ist besonders heikel, da Franziskus selbst aus Argentinien stammt. Der Pontifex hatte allerdings kürzlich verkündet, sich nicht in den Streit um die Falklandinseln einmischen zu wollen. Nun geriet er doch zwischen die Fronten: Ein Aktivist der Gruppe Dialogue for Malvinas (deutsch: Dialog über die Falklandinseln) drückte ihm bei seiner wöchentlichen Audienz im Vatikan ein Plakat in die Hand, auf dem stand: "Es ist an der Zeit, dass Argentinien und Großbritannien über die Falklandinseln sprechen." Der Papst hielt es lange genug in den Händen, um von Fotografen abgelichtet zu werden - ein politisches Statement?

Auch die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner verbreitete einige Fotos auf Twitter. 2013 hatte sie den Papst dazu aufgefordert, in den Disput einzugreifen.

Nach dem Fauxpas sagte ein Vatikan-Sprecher, die Einstellung des Papstes bezüglich der Falklandinseln habe sich nicht geändert. "Der Papst will sich nicht an der Debatte beteiligen." Während seiner Audienzen begrüße Franziskus sehr viele Menschen, von denen er viele Geschenke erhalte. "Etwas in der Hand zu halten, heißt nicht, dass er diesen Standpunkt auch teilt."

kev/kry



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jhea 20.08.2015
1. Der letzte Satz sagt alles
Das sollte mal auch die ganze politische Welt genau so sehen. Ich würd es auch erst einmal in der Hand halten, in ruhe angucken, und dann ggf. zurückgeben oder einem meiner Lakaien in die Hand drücken damit er es entsorgt. Ganz normaler Vorgang ohne dass deswegen gleich wieder Leute in die Kiste hüpfen müssen.
rst2010 20.08.2015
2. warum
werden die inseln eigentlich auf englisch benannt, sie heißen malvinas, soweit ich weiß? was will england eigentlich da unten, vor der haustüre argentiniens? erinnerungen an frühere, glanzvollere zeiten, wo die taschen noch wesentlich voller waren dank ausbeutung von kolonien?
glasshaus 20.08.2015
3.
Es ist genug gesprochen worden! Die Bevölkerung hat sich ganz klar zum verbleib im UK bekannt. Ende der Diskussion! Die Argentinier sollten erstmal ihre Schulden bezahlen anstatt zu versuchen mit neuerlichem Säbelrasseln und Kriegsdrohungen davon abzulenken.
Freddy Kraus 20.08.2015
4. Nur Gerede!
Hält sich die katholische Kirche bzw. der Papst schon seit Jahrhunderten nicht aus allen Konflikten heraus? Die katholische Kirche ist der größte Haus- und Grundbesitzer der Welt. Alleine in Rom gehört der Kirche jedes 4. Haus/Grundsück. Und wieviele Flüchtlinge hat der Staat Vatikan in Rom bisher aufgenommen?
Thomas McKean 20.08.2015
5. Geschichte
Zitat von rst2010werden die inseln eigentlich auf englisch benannt, sie heißen malvinas, soweit ich weiß? was will england eigentlich da unten, vor der haustüre argentiniens? erinnerungen an frühere, glanzvollere zeiten, wo die taschen noch wesentlich voller waren dank ausbeutung von kolonien?
Die Insel wurde von Briten besiedelt genau wie Kuba von den Spaniern besiedelt wurde. Genau wie Kuba nicht zu den USA gehört (obwohl direkt vor der Haustür) gehören die Falklandinseln nicht zu Argentinien.
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