Konflikt in Afrika Armee Südsudans soll Putschversuch vereitelt haben

Die Sicherheitslage im Südsudan verschärft sich: Die Armee gibt an, einen Aufstand einiger ihrer Soldaten gegen die Regierung abgewehrt zu haben. Die USA zogen ihr Botschaftspersonal aus dem Land ab, Tausende Zivilisten flohen auf das Gelände der Uno-Mission.

Schutzsuchende auf Uno-Gelände: Zahl der Todesopfer drastisch angestiegen
REUTERS

Schutzsuchende auf Uno-Gelände: Zahl der Todesopfer drastisch angestiegen


Juba - Die Regierung des Südsudan hat nach eigenen Angaben einen Putschversuch abgewehrt und zehn mutmaßliche Putschisten festgenommen. Die Armee kämpfe derzeit noch mit einzelnen Widerständlern, sagte ein Militärsprecher.

Während die Kämpfe in der Hauptstadt Juba am Dienstag weiter tobten, flüchteten mehrere tausend Schutzsuchende auf das dortige Gelände der Uno-Friedensmission. Seit Dienstagmorgen seien "schätzungsweise 10.000 Zivilisten" auf dem Komplex in Juba untergekommen, erklärte die Uno-Sonderbeauftragte Hilde Johnson. Die Zahl der Todesopfer nach dem Beginn der bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Truppeneinheiten am Sonntagabend stieg drastisch an.

Johnson rief alle politischen Kräfte und Stammesführer zur Zurückhaltung auf, um die ethnischen Spannungen und die gewalttätigen Auseinandersetzungen im Land nicht weiter zu verschärfen. Auch die Afrikanische Union äußerte sich "höchst besorgt" und mahnte eine Deeskalation an. Die USA zogen wegen der Unruhen den Großteil ihres diplomatischen Personals aus ihrer Botschaft in Juba ab. Das Auswärtige Amt sprach eine Reisewarnung für das Land aus.

"Wie soll man bei diesen Schüssen nach draußen gehen?"

Jubas Straßen waren am Dienstag menschenleer, die Geschäfte geschlossen, auch der Flughafen blieb geschlossen. Nur einige Militärfahrzeuge patrouillierten durch die Stadt. "Wir würden etwas zu essen auf dem Markt kaufen, aber wie soll man bei diesen Schüssen nach draußen gehen?", fragte eine Bewohnerin des Viertels Mauna. Augenzeugen berichteten, dass in Nachbarschaft von Kasernen lebende Anwohner in andere Stadtteile umsiedelten.

Der Südsudan, der im Jahr 2011 durch die Abspaltung vom Sudan seine Unabhängigkeit erlangte, gilt als instabil und unterentwickelt. Allerdings verfügt das verarmte Land über große Ölreserven. In einem erbitterten Bürgerkrieg wurden von 1983 bis zu einem Friedensabkommen im Jahr 2005 etwa zwei Millionen Menschen getötet. Die Bundeswehr hat dort im Rahmen der Uno-Mission einige Soldaten stationert, ihre Mission wurde erst kürzlich bis Ende 2014 verlängert.

Präsident Kiir ist umstritten und wird von Führungsmitgliedern der ehemaligen Rebellenorganisation und jetzt regierenden Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung (SPLM) "diktatorischen" Verhaltens beschuldigt. Einige Beobachter zweifeln deshalb auch am Wahrheitsgehalt der Putsch-Erklärung von Kiir, der sich möglicherweise bloß seines Rivalen Riek Maschar zu entledigen versuche. Maschar führt die gespaltene SPLM-Gruppe und kämpfte einst auf beiden Seiten des Bürgerkriegs. Nachdem er seine Kandidatur gegen Kiir bei der Präsidentschaftswahl 2015 angekündigt hatte, wurde Maschar im Juli als Vizepräsident entlassen.

ade/AFP/Reuters

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bjuv 17.12.2013
1. In Afrika nicht Neues
leider! Demokratie heisst, dass auch die Opposition reizvoll sein kann. Wann gibt es endlich mal gute Nachrichten jenseit von Gibraltar?
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