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Fahndung nach Kony und der LRA: Wilde Jagd im Dschungel

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Jagd auf Joseph Kony Deal mit dem Chefplaner des Massenmörders

Er soll den Massenmord in Uganda mitgeplant haben, jetzt soll er seinen Chef Joseph Kony verraten: Kriegsverbrecher Caesar Acellam könnte einer Strafe entgehen, wenn er gegen seinen Warlord aussagt. Offenbar hat ihm die ugandische Regierung diesen Deal angeboten - zum Entsetzen der Uno.

Kampala - Der zentralafrikanische Dschungel ist ein höllischer Ort. Brütende Hitze, drückende Luftfeuchtigkeit und gefährliche Raubtiere machen aus der Grenzregion zum Kongo und zum Südsudan eine lebensfeindliche Wildnis. Noch gefährlicher ist jedoch Joseph Kony, der sich seit Jahrzehnten irgendwo in diesem grünen Labyrinth versteckt. Nun wurde einer seiner Kommandeure gefasst und die Jäger des Warlords hoffen auf wertvolle Informationen. Dafür bieten sie Konys Untergebenen offenbar einen attraktiven Tauschhandel an.

Der Deal ist simpel: Caesar Acellam verrät den ugandischen Truppen alles, was er über Kony weiß - dafür entgeht er einem Prozess wegen der grausamen Taten, die auch auf sein Geheiß begangen wurden. Dabei zählt für die Jäger jedes Detail rund um den mysteriösen Rebellenführer: Wo hat Acellam ihn zuletzt gesehen? Wann fand das letzte Treffen statt? Wer waren Konys Begleiter? Wie ist der Gesundheitszustand des Warlords nach Jahrzehnten in der extremen Dschungelumgebung?

Kony führt die Lord's Resistance Army (LRA) an, eine Rebellentruppe, die in Uganda und den umliegenden Grenzregionen für ungezählte Verbrechen verantwortlich gemacht wird. Unter anderem soll Kony immer wieder Kinder entführt und in seiner Armee als Soldaten eingesetzt haben. Der LRA-Chef wird vom Internationalen Strafgerichtshof (ICC) wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht. Auch zahlreiche seiner Kommandanten stehen auf der Fahndungsliste des ICC, Acellam jedoch nicht. Trotzdem soll er bis vor kurzem direkten Kontakt zu Kony gehabt und die Bewegungen der versprengten LRA-Einheiten koordiniert haben. Acellam gilt als einer der Chefstrategen in Konys Führungsriege.

Offiziell bestätigt ist sein Auftritt als Kronzeuge bisher nicht - doch die Signale aus der Regierung in Kampala sind eindeutig. "Es gibt absolut nichts, was Acellam daran hindern sollte, auf eine Begnadigung zu hoffen. Er ist dazu berechtigt", sagte Nathan Twinomugisha, Rechtsberater der ugandischen Kommission, die über eine mögliche Begnadigung entscheidet. Ein entsprechendes Gesetz gibt es in Uganda seit dem Jahr 2000. Es soll LRA-Kämpfer dazu bringen, ihre Waffen niederzulegen. Mehrere tausend ehemalige Kony-Soldaten sind unter dieser Regelung bereits begnadigt worden - jedoch kein Mitglied der Kommandoebene.

Bestürzung bei der Uno

Entsprechend umstritten ist das mögliche Angebot an den ehemaligen Vertrauten des gesuchten Massenmörders. Bei den Vereinten Nationen ist man entsetzt ob der Aussicht, dass eine der Schlüsselfiguren der LRA straffrei ausgehen könnte. Radhika Coomaraswamy berät den Uno-Generalsekretär zu den Gefahren für Kinder in bewaffneten Konflikten. Er schickt einen deutlichen Appell an die Verantwortlichen in der ugandischen Hauptstadt Kampala: "Ich bin erfreut über die Festnahme eines der Hauptverantwortlichen für schwere Verstöße gegen die Rechte von Kindern. Ich hoffe sehr, dass die ugandischen Verantwortlichen ihm keine Gnade gewähren, sondern ihn für seine Taten bestrafen."

Bereits kurz nach der Festnahme Acellams am 13. Mai hatte es Spekulationen über eine mögliche Absprache mit der ugandischen Armee gegeben. Der Soldat, dessen Alter mit etwa 50 Jahren angegeben wird, war gefasst worden, als er den Fluss Mbomu in der Zentralafrikanischen Republik überquerte.

Als Begleiter hatte er wohl nicht, wie zunächst gemeldet, bewaffnete Kämpfer, sondern nur die engste Familie. Seine 21-jährige Frau Gladys Adongo, die einjährige Tochter und eine junge Bedienstete waren auch bei Acellam, als dieser internationalen Journalisten vorgeführt wurde.

Festnahme im Urwald: Hinterhalt - oder Deal?

Die Tatsache, dass Acellam ohne Schutz und nur leicht bewaffnet unterwegs war, hat Gerüchte über den Deal laut werden lassen. Offiziell spricht Ugandas Militär jedoch von einem erfolgreichen Hinterhalt - Acellam habe sich keineswegs ergeben. Mehr als zwei Wochen hätten Einheiten der internationalen Suchtruppe auf der Lauer gelegen, bis der Zugriff erfolgte.

Derzeit befindet sich der frühere LRA-Kommandant in einem Militärhospital im Südsudan. Über seinen Zustand ist wenig bekannt. Vor den Journalisten hatte er sich auf einen Gehstock gestützt und beim Laufen deutlich gehumpelt. Dies ist offenbar jedoch auf eine ältere Verletzung zurückzuführen. Sowohl Acellam als auch dessen Begleiterinnen hätten sich ansonsten guter Gesundheit erfreut, so Beobachter.

Einen Durchbruch, so wie kurz nach der Festnahme von den ugandischen Streitkräften bejubelt, haben die Verhöre bisher nicht gebracht. Dies dürfte mit der besonderen Struktur der versprengten Resttruppen der LRA zusammenhängen. Seitdem sich die internationale Fahndung verstärkt hat, verschanzt sich Konys Armee tief im Dschungel. Beobachter gehen von etwa 300 verbliebenen Kämpfern aus.

Auch US-Eliteeinheiten verzweifeln im Dschungel

Zudem sind die LRA-Kämpfer nur noch in Kleingruppen unterwegs, was sie selbst für die US-Spezialeinheiten vor Ort schwer ortbar macht. Botschaften werden nur noch per Bote überbracht, Handys oder Satellitentelefone sind tabu. Es ist also gut möglich, dass Acellam den Aufenthaltsort seines ehemaligen Chefs schon deshalb nicht verraten kann, weil er ihn nicht kennt.

Bei aller Hoffnung auf mögliche Hinweise durch Acellam: Bisher rechnen zumindest die internationalen Kony-Jäger nicht mit einer raschen Festnahme. "Ich bin mir sicher, dass Kony gefasst und vor Gericht gestellt wird", sagte General Carter Ham, Kommandeur der US-Truppen in Afrika am Sonntag. "Wann das sein wird, kann allerdings keiner sagen."

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