Franziskus in Armenien Papst legt sich mit Erdogan an

Das dürfte Streit mit der Türkei geben: Bei einem Besuch in Eriwan hat Papst Franziskus die Verfolgung der Armenier als "Genozid" bezeichnet.
Papst Franziskus in Eriwan

Papst Franziskus in Eriwan

Foto: ANDREW MEDICHINI/ AFP

Papst Franziskus hat die Verfolgung der Armenier im Ersten Weltkrieg wie schon im Vorjahr als Völkermord eingestuft. "Diese Tragödie, dieser Genozid hat leider den Beginn der traurigen Serie von riesigen Katastrophen im vergangenen Jahrhundert markiert", sagte das Kirchenoberhaupt bei einem Treffen mit dem armenischen Präsidenten Sersch Sarkissjan in Eriwan.

Damit ist Streit mit der Türkei programmiert. Ankara hatte 2015 kurzzeitig den Botschafter aus dem Vatikan abberufen, nachdem Franziskus von einem Genozid gesprochen hatte. Der Botschafter des Vatikans war ins Außenministerium einbestellt worden. Die Türkei lehnt den Begriff Genozid ab.

Bei den Massakern im Osmanischen Reich wurden schätzungsweise bis zu 1,5 Millionen Armenier getötet. Franziskus hatte vergangenes Jahr in einer Predigt den "ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts" verurteilt. Zuletzt hatte eine Resolution des Deutschen Bundestags, die explizit von einem Völkermord an den Armeniern spricht, für diplomatische Verwerfungen zwischen Ankara und Berlin gesorgt.

Armeniens Präsident würdigte die Haltung des Papstes zu den Massakern vor 101 Jahren als "Botschaft der Gerechtigkeit".

Franziskus würdigte Armenien als die erste christliche Nation der Welt. Das Christentum wurde in Armenien nach der Überlieferung schon im Jahre 301 Staatsreligion, das Römische Reich folgte erst 380.

Zuletzt hatte 2001 Papst Johannes Paul II. die Kaukasusrepublik besucht. An diesem Samstag will der Papst unter anderem die Genozid-Gedenkstätte Zizernakaberd in Eriwan besuchen und später im Zentrum der Hauptstadt ein Friedensgebet sprechen. Dazu werden rund 60.000 Menschen erwartet.

als/dpa/AFP
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