Guantanamo Arztbericht bestätigt Misshandlung von 9/11-Angeklagtem

Einer der 9/11-Angeklagten wurde offenbar tatsächlich im CIA-Gewahrsam misshandelt. Das soll ein Arztbericht belegen, der im Verfahren um die mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge vom Anwalt vorgelegt wurde.

Zeichnung vom Gerichtssaal: Anwalt legt Arztbericht vor
REUTERS

Zeichnung vom Gerichtssaal: Anwalt legt Arztbericht vor


Guantanamo - Schwere gesundheitliche Probleme seien die Folge von Misshandlung im CIA-Gewahrsam - das ist die Aussage eines Arztberichtes, der jetzt im 9/11-Verfahren vorgelegt wurde. Der Bericht soll im Prozess gegen die fünf mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 belegen, dass der Terrorverdächtige Ali Abd al-Asis Ali im Gewahrsam des US-Geheimdienstes eine Kopfverletzung davongetragen habe. Der Anwalt James Connell legte das Dokument am Mittwoch einem Militärrichter im US-Marinestützpunkt Guantanamo auf Kuba vor.

Ali gehört zu fünf Guantanamo-Häftlingen, denen die Planung der Anschläge vom 11. September zur Last gelegt wird. Ihnen wird vorgeworfen, für die Flugzeugattentate in New York und Washington mit fast 3000 Toten verantwortlich zu sein.

Die aktuelle Anhörung vor dem Militärrichter sollte klären, ob die Beschuldigten sich auf die von den USA unterzeichnete Uno-Konvention gegen Folter berufen können. Gemäß der Konvention rechtfertigt nichts die Folter, auch kein Kriegszustand, unterstrich Anwalt Walter Ruiz. Ali selbst nahm im Gegensatz zu den anderen fünf Angeklagten nicht an der Anhörung teil.

Nach ihrer Festnahme im Jahr 2003 waren die Gefangenen bis 2006 in geheimen CIA-Gefängnissen im Ausland festgehalten worden. Dort waren sie umstrittenen Verhörtechniken des US-Geheimdienstes ausgesetzt, die der Anwalt Connell als Folter bezeichnete. Der jetzt freigegebene Arztbericht stammt vom September 2006 und beschreibt Connell zufolge Misshandlungen "einige Jahre zuvor".

Der Anwalt sagte, Eingaben seines Mandanten hätten nichts bewirkt. Die zuständigen Stellen hätten sie "einfach vermodern" lassen. Untersuchungen seien nicht eingeleitet worden. Staatsanwalt Clayton Trivett entgegnete: "Wir befanden uns im Krieg und brauchten Informationen." Die USA hätten sich "nicht ausgesucht, gegen Qaida Krieg zu führen, sondern Qaida hat uns den Krieg erklärt".

Bei den Terrorangriffen am 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington wurden 2976 Menschen getötet. Angeklagt sind die fünf mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge: Neben Ali Abd al-Asis Ali stehen Mustafa Ahmed al-Hawsawi aus Saudi-Arabien, Chalid Scheich Mohammed sowie die Jemeniten Ramzi Binalshibh und Walid Bin Attash in Guantanamo Bay vor Gericht. Binalshibh hatte vor den Attacken im Jahr 2001 mehrere Jahre in Hamburg gewohnt, laut den Ermittlungen hinderte ihn nur ein nicht erteiltes US-Visum an der direkten Teilnahme an den verheerenden Terroranschlägen. Den Männern droht die Todesstrafe.

vek/AFP



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ein anderer 24.10.2013
1. ...
""Wir befanden uns im Krieg und brauchten Informationen." Die USA hätten sich "nicht ausgesucht, gegen Qaida Krieg zu führen, sondern Qaida hat uns den Krieg erklärt"." Das ist so nicht ganz richtig. Als die USA nicht aus Saudi-Arabien abziehen wollten haben sie damit den Wind gesät der erst Al-Kaida zum handeln trieb. Wenn wir wirklich Demokratie derart hochhalten wie wir das immer mit dem Zeigefinger propagieren hätten die USA auf die Bevölkerung Saudi-Arabiens hören müssen und nicht auf den Despoten. Man muss doch damit rechnen wenn der Despot von den USA an der Macht erhalten wird und der gegen das Volk entscheidet wird die Opposition gezwungen zuerst gegen die USA vorzugehen um anschliessend den Despoten stürzen zu können. Der Konflikt war durch die US-Basen auf "heiligem" Land verursacht worden und hätte sehr einfach vermieden werden können.
Teile1977 24.10.2013
2. Rechtfertigung
""Wir befanden uns im Krieg und brauchten Informationen." Das rechtfertigt natürlich alles, Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen, Entführungen, Folter, Bruch des Völkerrechts, massenhaftes Ausspähen sämtlicher Menschen deren man habhaft werden kann, Ausspähen befreundetet Regierungschefs..... Für derartige Vergehen hätte (im Falle einer Niederlage) es früher einige Todesurteile gegeben.
Fridolin_Forenfleiß 24.10.2013
3. Wird gezwungen!?
Zitat von ein anderer""Wir befanden uns im Krieg und brauchten Informationen." Die USA hätten sich "nicht ausgesucht, gegen Qaida Krieg zu führen, sondern Qaida hat uns den Krieg erklärt"." Das ist so nicht ganz richtig. Als die USA nicht aus Saudi-Arabien abziehen wollten haben sie damit den Wind gesät der erst Al-Kaida zum handeln trieb. Wenn wir wirklich Demokratie derart hochhalten wie wir das immer mit dem Zeigefinger propagieren hätten die USA auf die Bevölkerung Saudi-Arabiens hören müssen und nicht auf den Despoten. Man muss doch damit rechnen wenn der Despot von den USA an der Macht erhalten wird und der gegen das Volk entscheidet wird die Opposition gezwungen zuerst gegen die USA vorzugehen um anschliessend den Despoten stürzen zu können. Der Konflikt war durch die US-Basen auf "heiligem" Land verursacht worden und hätte sehr einfach vermieden werden können.
Da haben wir ja Glück, dass nicht ein paar britische Monarchiegegner gezwungen waren, Flugzeuge in das WTC zu lenken, um anschließend die Queen zu stürzen.
ein anderer 25.10.2013
4. ...
Zitat von Fridolin_ForenfleißDa haben wir ja Glück, dass nicht ein paar britische Monarchiegegner gezwungen waren, Flugzeuge in das WTC zu lenken, um anschließend die Queen zu stürzen.
Solange britische Monarchiegegner nicht sofort eingekerkert werden wenn sie nur laut daran denken wie in SA, wird man eine solche Reaktion kaum erwarten können. Ich glaube, die Briten wähnen sich in der Möglichkeit demokratisch frei zu entscheiden ob sie die Monarchie behalten wollen oder nicht. Der Schlüssel ist die Möglichkeit zur Wahl. Wer keine Wahl hat der wählt womöglich die Gewalt. Andererseits wird oft bei aggressiven demokratischen Ländern eine echte Wahl durch Lügen manipuliert, damit überhaupt Gewalt angewendet werden kann.
tommykocher 24.05.2014
5. kennt man doch...
wenn das keine "Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind welche dann . 1946 wurden dafür zig Menschen in Landsberg am Lech in einer Sporthalle aufgehangen... Die Amis als Hüter des Rechts (looool) werden Ihre Verbrecher gegen die Menschlichkeit bestimmt auch verfolgen ....
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