Asèta Ouédraogo, Burkina Faso "Schulgeld für die Kinder? Können wir nicht mehr bezahlen"

Statt Reis mit Gemüse gibt es meist nur noch Maisfladen: Drei Viertel ihrer Einkünfte muss Asèta Ouédraogo aus Burkina Faso heute für Nahrungsmittel ausgeben. Wenn die Preise so hoch bleiben, kann bald keines der vier Kinder mehr zur Schule gehen.
Von Hannes Mehrer

Ouagadougou - Mein Name ist Asèta Ouédraogo, ich bin 43 Jahre alt und habe sieben Kinder. Drei von ihnen sind schon verheiratet. In unserem kleinen Haus in Ouagadougou lebe ich seit 22 Jahren - inzwischen nur noch mit den jüngsten vier Kindern und meinem Mann. Unser Leben spielt sich draußen vor dem Haus ab - da kochen wir und essen. Mit dem Verkauf von Holzkohle verdienen wir etwas Geld, mein Mann ist arbeitslos.

Für mich wird es immer schwieriger, meine Familie zu ernähren. Schon bis zum Jahr 2007 war unsere Situation nicht einfach, denn vier Kinder wollen nicht nur täglich essen und zur Schule gehen, sondern brauchen ab und zu auch neue Kleidung oder müssen einmal zum Arzt.

Seit vergangenem Jahr aber wurde alles noch schlimmer: Die Lebensmittelpreise sind so extrem gestiegen, dass ich mittlerweile ungefähr drei Viertel unseres monatlichen Geldes, das sind ungefähr 23.000 Francs CFA (etwa 35 Euro), für die Mahlzeiten ausgeben muss. Tomaten etwa kosten jetzt mehr als das Doppelte.

Für Anderes ist dann nichts mehr übrig - Kleidung zum Beispiel. Die Stoffe unserer Hemden und Kleider werden immer dünner. Trotzdem geht es uns noch etwas besser als vielen in Burkina Faso. Das durchschnittliche Einkommen von Familien beträgt hier nur 164. 000 bis 229.600 Francs (250 bis 350 Euro) im Jahr.

Früher habe ich noch sehr oft Reis mit Gemüse wie Tomaten, Paprika, Auberginen oder Zucchini gekocht. Da waren Vitamine drin, es hat meiner Familie geschmeckt.

Bezahlen kann ich das jetzt nicht mehr - meistens reicht unser Geld nur noch für Tô, so heißen unsere Fladen aus Maismehl. Eine solche Mahlzeit kostet für unsere sechsköpfige Familie etwa 603 Francs (0,92 Euro) anstatt 866 Francs (1,32 Euro). Diese 263 Francs (40 Cent) sind für uns entscheidend. Bei der Zubereitung der Mahlzeiten kommt hinzu, dass auch das Holz zum Kochen und das Wasser teurer sind als im Vorjahr.

Im vergangenen Jahr war ich bei meinen Einkäufen auf dem Markt noch nicht immer gezwungen nur das Günstigste zu kaufen. Ich konnte unterschiedliche Gerichte kochen - heute habe ich Glück, wenn es mal für Kidneybohnen mit Reis reicht. Und Gewürze wie Pfeffer oder Petersilie kann ich mir meist gar nicht mehr leisten.

Doch das Schlimmste ist, dass wir nicht mehr für die Schule aller Kinder bezahlen können. Das älteste von meinen vier noch zu Hause lebenden Kindern, meine 17-jährige Tochter Zanfanta, muss deswegen seit Januar zu Hause bleiben. Das Schulgeld für die Jüngeren haben wir bislang noch zusammen bekommen.

Wenn aber die Preise für Lebensmittel weiter so hoch bleiben, dann können wir ab Juli für keines der Kinder mehr das Schulgeld bezahlen.

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