Christin in Pakistan Oberstes Gericht bestätigt Freispruch von Asia Bibi

Sie war wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden. Jetzt wollten Islamisten gegen die Entlassung der Christin vorgehen - und sind vor dem Obersten Gericht gescheitert.

Oberster Gerichtshof in Pakistan
T MUGHAL/EPA-EFE/REX

Oberster Gerichtshof in Pakistan


Jahrelang saß Asia Bibi wegen angeblicher Gotteslästerung im Gefängnis. Dann wurde ihre Todesstrafe aufgehoben, es folgte die Entlassung aus der Haft. Jetzt hat der Oberste Gerichtshof Pakistans auch den Berufungsantrag gegen den Freispruch für unzulässig erklärt.

"Der Berufungsantrag ist abgelehnt", sagte Richter Asif Saeed Khosa. Islamisten hatten den Antrag eingereicht. Der Richterspruch dürfte den jahrelangen Rechtsstreit um den Fall beenden und die Voraussetzung dafür schaffen, dass Bibi das Land verlassen kann. Aktivisten verlangten eine sofortige Ausreiseerlaubnis aus Pakistan, weil die Christin in ihrem Heimatland nach wie vor in Gefahr sei. Die Regierung weigert sich, ihren Aufenthaltsort bekanntzugeben.

Es wird erwartet, dass Bibi Asyl in einem europäischen oder nordamerikanischen Land beantragt. Als mögliches Aufnahmeland ist auch Deutschland im Gespräch. Einem unbestätigten Bericht zufolge sind ihre Kinder bereits nach Kanada geflohen.

Tagelange Proteste nach dem Freispruch

Bibi war vor acht Jahren in der Provinz Punjab wegen Beleidigung des Propheten Mohammed zum Tode verurteilt worden. Muslimische Frauen aus ihrem Dorf hatten Bibi vorgeworfen, sich beleidigend über den Religionsstifter geäußert zu haben, sie selbst bestreitet das.

Blasphemie ist im streng konservativ-islamischen Pakistan ein folgenschwerer Vorwurf. Rund 40 Menschen verbüßen dort nach Schätzungen eines US-Ausschusses zur Religionsfreiheit wegen entsprechender Anschuldigungen derzeit lebenslängliche Gefängnisstrafen oder warten auf ihre Hinrichtung.

Der Oberste Gerichtshof Pakistans hob im November das Todesurteil auf. Er sprach Bibi von allen Vorwürfen frei. Nach Bekanntwerden des Urteils kam es in dem konservativ-muslimischen Land zu tagelangen Protesten von Islamisten.

Tausende Sicherheitskräfte in den Städten

Der radikalislamische Kleriker Khadim Rivzi von der Partei Tehreek-e Labbaik Pakistan (TLP) forderte im Zuge der Proteste die Entlassung der Richter und Bibis Tod.

Die Kundgebungen und Blockaden hörten erst auf, nachdem die Regierung und die TLP ein Abkommen geschlossen hatten, das auch einen Revisionsantrag gegen das Urteil vorsah. Seit November ging die Regierung von Ministerpräsident Imran Khan dann vermehrt gegen die TLP vor. Laut Behördenangaben wurden mehr als 3000 Mitglieder und Funktionäre der Partei festgenommen. TLP-Chef Rizvi und weitere Parteimitglieder wurden wegen Aufwiegelung zum Aufruhr angeklagt.

Ungeachtet dessen wurden aus Sorge vor erneuten Protesten nun Tausende Sicherheitskräfte in die Städte entsandt. Man werde erneute Demonstrationen wie im Oktober von Gruppen wie der TLP nicht mehr zulassen, sagte der Informationsminister der Provinz Punjab, Fayyaz Chohan.

aev/AFP/dpa



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