Nordkorea Raketentest zwingt Airlines zur Änderung ihrer Flugrouten

Nordkoreas anstehender Raketenstart beeinträchtigt den Flugverkehr in Ostasien, mehrere Airlines passen ihre Flugrouten an. International wächst die Kritik an dem Test. Dieser sei "höchst provokativ", warnen die USA.
Nordkorea: Raketentest zwingt Airlines zur Änderung ihrer Flugrouten

Nordkorea: Raketentest zwingt Airlines zur Änderung ihrer Flugrouten

Foto: BOBBY YIP/ REUTERS

Manila - Kurz vor dem umstrittenen Start einer Langstreckenrakete in Nordkorea wächst in Ostasien die Nervosität. Mehrere Fluggesellschaften haben eine Änderung ihrer Flugrouten in der Region angekündigt. Japan Airlines (JAL) und All Nippon Airways (ANA) teilten mit, die Routen von Flügen zwischen Tokio, Manila, Jakarta und Singapur zu verlegen. Das berichteten die Nachrichtenagentur AP und der Sender BBC.

Zwischen dem 12. und 16. April will Pjöngjang einen Satelliten mit einer Langstreckenrakete in eine Erdumlaufbahn bringen. Das hatte das nordkoreanische Regime wiederholt angekündigt. Es hat nach eigenen Angaben alle Vorbereitungen für den Start mittlerweile abgeschlossen. Vertreter der nordkoreanischen Raumfahrtbehörde sagten am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Pjöngjang vor ausländischen Journalisten, der Start werde wie geplant stattfinden.

Noch am Dienstag solle der für den Abschuss ins All vorgesehene Beobachtungssatellit auf der Rakete installiert werden, sagte Ryu Kum Chol von der Raumfahrtbehörde. Für den Flug ins All sei ein "sicherer Weg" ausgewählt worden, ergänzte er. Die Langstreckenrakete vom Typ Unha-3 sei im Notfall aber auch in der Lage, sich selbst zu zerstören.

Sorgen über seinen geplanten Raketenstart wies Nordkorea zurück. Der Flug mit einem Satelliten sei keine Gefahr für die Region und seine Nachbarländer, sagte der Vertreter Paek Chung Ho vom nordkoreanischen Komitee für Raumfahrttechnologie nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag in Pjöngjang.

Flugverbotszone und Warnung an Schiffe

Dennoch bereiten sich die Verantwortlichen bei den Fluggesellschaften vor. Philippine Airlines teilte mit , dass rund ein Dutzend Flüge aus den USA, Japan und Südkorea an der erwarteten Flugbahn der Rakete vorbeigelenkt werden. Die Airline rechnet in einer Erklärung "mit möglichen Auswirkungen auf Teile des philippinischen Territoriums" durch die nordkoreanische Rakete. Die philippinischen Behörden riefen zudem eine "No-Fly-Zone" aus, wie AP berichtete. Schiffe seien gewarnt worden, in die Region zu fahren, in der Trümmer der Rakete runterkommen könnten.

Nordkoreas Raketentest alarmiert asiatische Airlines

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Foto: SPIEGEL ONLINE

Japan Airlines (JAL) erklärte in einer Notiz auf seiner Homepage , dass die Routen von vier Flügen zwischen Tokio und Manila, Jakarta und Singapur geändert würden. Dies würde die Flugzeit um fünf bis 20 Minuten verlängern. All Nippon Airways (ANA) wird die Strecken von fünf Flügen zwischen Tokio und Singapur, Manila und Jakarta anpassen, wie es auf der Website des Unternehmens heißt . Der Zeitplan sei aber nicht betroffen.

Der Start der Langstreckenrakete in Nordkorea ist Teil der Gedenkfeiern zu Ehren des 100. Geburtstags des verstorbenen Machthabers Kim Il Sung. Die USA betrachten den Start als Test einer Rakete, die ihr Territorium erreichen könnte. Washington forderte Nordkorea erneut zum Verzicht auf weitere Raketen- oder Atomtests auf. "Unsere Position bleibt: Tut das nicht", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums. Ein Raketenstart wäre "höchst provokativ" und würde "eine Bedrohung für die regionale Sicherheit" darstellen.

Auch Russland verurteilte den geplanten Satellitenstart und nannte ihn einen Verstoß gegen Uno-Resolutionen. Ein Sprecher des Außenministeriums in Moskau sagte am Dienstag, die Pläne Pjöngjangs seien ein Beispiel dafür, dass Entscheidungen des Weltsicherheitsrats ignoriert würden.

Dritter Atomtest "wäre genauso schlimm, wenn nicht gar schlimmer"

Nach südkoreanischen Angaben bereitet Pjöngjang zudem womöglich einen dritten Atomwaffentest nach dem Start der Langstreckenrakete vor. Auf dem Atomtestgelände Punggye-ri im Norden des Landes, wo bereits die beiden ersten Atomwaffenversuche 2006 und 2009 unternommen wurden, werde derzeit heimlich ein neuer unterirdischer Tunnel gebaut, sagte ein Regierungsvertreter in Seoul am Sonntag. Satellitenbilder zeigten demnach, dass der neue Tunnel neben den beiden zuvor bei den Tests genutzten Schächten gebaut werde und beinahe fertig gestellt sei.

Ein dritter Atomtest "wäre genauso schlimm, wenn nicht gar schlimmer", sagte die Sprecherin des Außenministeriums. Sie rief China als vermeintlich Verbündeten des weitgehend abgeschotteten Landes auf, mehr Einfluss auf die Führung in Pjöngjang auszuüben, um eine "Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel" zu erreichen.

heb/AP/Reuters/dapd/AFP
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