Asien Nordkoreas Nervenkrieg um Atominspektionen

Das kommunistische Nordkorea spielt auf Zeit. Zu einer Einigung über die Frage der Atominspektionen ist die Führung offenbar bereit, verlangt aber einen anderen US-Unterhändler. Dem jetzigen Mann Washingtons wurde "politische Vulgarität" vorgehalten.


 Nordkoreanischer Soldat an der Demarkationslinie: Muskelspiele der kommunistischen Führung
AP

Nordkoreanischer Soldat an der Demarkationslinie: Muskelspiele der kommunistischen Führung



Washington - John Bolton habe das Leben in dem kommunistischen Land als "höllischen Albtraum" bezeichnet und Staatschef Kim Jong Il einen tyrannischen Diktator genannt, so die nordkoreanische Nachrichtenagentur KNCA. Dem Bericht zufolge wurde Bolton "politische Vulgarität und ein psychopathologischer Zustand" attestiert. Nordkorea werde ihn nicht als Vertreter der USA akzeptieren, hieß es.

Erst am Samstag hatte Nordkorea mit einem Scheitern der geplanten Gespräche gedroht, sollten die USA den Streit vor den Uno-Sicherheitsrat bringen. Experten sagten, das Festhalten Nordkoreas an den Gesprächen unter Beteiligung Chinas, Japans, Russlands und Südkoreas zeige, dass das Land nur wenige andere Optionen habe.

Der Konflikt schwelt seit Oktober, als Nordkorea nach US-Angaben einräumte, ein geheimes Programm zum Bau von Atomwaffen betrieben zu haben. Seitdem hat das Land internationale Inspektoren ausgewiesen, den Rücktritt vom Atomwaffensperrvertrag erklärt und einen stillgelegten Reaktor wieder in Betrieb genommen.

Nordkoreanische Atomanlage Yongbyon: Hinweise auf geheimes Atomprogramm
AP

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Trotz der Ablehnung von US-Unterhändler Bolton erklärte ein Sprecher des nordkoreanischen Außenministeriums laut der Agentur KCNA, das Land halte an seiner Position fest. "Es gibt keine Änderung unserer Haltung zu den Sechs-Parteien-Gesprächen". Dazu gehörten die bilateralen Gespräche zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) und den USA über eine friedliche Klärung der Atomfrage auf der koreanischen Halbinsel.

Japan und USA für Inspektionsteams

Unterdessen wollen Japan und die USA einem Zeitungsbericht zufolge nach Nordkoreas Einwilligung zu Sechs-Parteien-Gesprächen ein internationales Team von Atominspektoren nach Nordkorea schicken. Sollte Nordkorea in den geplanten multilateralen Gesprächen einer Abschaffung seines mutmaßlichen Atomwaffenprogramms zustimmen, wolle Washington Pjöngjang dazu bewegen, Inspektionen seiner Atomanlagen zuzulassen, berichtete die japanische Tageszeitung "Yomiuri Shimbun" am Sonntag unter Berufung auf Regierungskreise in den USA und Japan.

 Militärparade des Nordens: Atomare Bedrohung der ganzen Region
AFP

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Nordkorea hatte sich nach Angaben der Regierung in Seoul am Freitag zu multilateralen Verhandlungen zur Lösung des Konflikts bereit erklärt. US-Präsident George W. Bush hatte die Entwicklung begrüßt und sich optimistisch gezeigt. Nach Angaben der "Yomiuri Shimbun" sollen dem Inspektionsteam im Kern Waffenexperten aus den Ländern angehören, die an den Sechser-Gesprächen teilnehmen werden.



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