Milliardenschwerer Assad-Clan in Syrien Glamour und Giftgas

Für mehr als 40 Millionen Dollar haben Cousins des syrischen Machthabers Baschar al-Assad Luxusapartments in Moskau gekauft. Das zeigt: Trotz Sanktionen macht der Clan ein Vermögen, während Tausende Landsleute sterben.
Syriens Machthaber Baschar al-Assad mit Ehefrau Asma (2010 in Paris): "Zunehmend ausgeklügelte Plünderungswirtschaft"

Syriens Machthaber Baschar al-Assad mit Ehefrau Asma (2010 in Paris): "Zunehmend ausgeklügelte Plünderungswirtschaft"

Foto: Miguel MEDINA/ AFP

Mohammed Rami Makhlouf, 22, und sein jüngerer Bruder Ali Rami Makhlouf mögen teure Autos, dicke Muskeln und Luxusresorts - und besonders gern posten sie darüber auf Instagram. Fotos und Videos aus dem vergangenen Sommer zeigen die beiden beim Feiern auf Mykonos, in Saint Tropez, in Cannes, in Monte Carlo und beim Jetski-Fahren vor der syrischen Küste.

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Die öffentliche Angeberei der Makhlouf-Brüder gibt Einblicke in den reichsten und mächtigsten Clan Syriens. Während ein Großteil des Landes verelendet, Menschen durch Bomben und Giftgas sterben, geht es den Superreichen weiterhin blendend - auf Kosten einer kurzgehaltenen Allgemeinheit. Ein Forschungsbericht  charakterisierte Syrien kürzlich als "zunehmend ausgeklügelte Plünderungswirtschaft".

Die Makhloufs und die Assads sind der innerste Kern des syrischen Regimes. Seit 1958 sind die beiden Familien verwandtschaftlich verbündet: Damals heirateten Hafez al-Assad, Begründer der noch immer herrschenden Dynastie, und Anisa Makhlouf. Seitdem haben die Assad- und Makhlouf-Söhne führende Positionen im Militär und Geheimdienst übernommen - und in der Wirtschaft.

Wie viele Assads stehen auch viele Makhloufs auf europäischen und amerikanischen Sanktionslisten, weil sie mutmaßlich selbst direkt für Folter und Mord verantwortlich sind oder weil sie indirekt dazu beitragen, indem sie dem Regime Milliarden beschaffen. Doch trotz der Handelsbeschränkungen und strengen Auflagen gelingt es ihnen offenbar, immer neue Wege zu finden, um diese zu umgehen und ihr Vermögen zu mehren oder abzusichern.

Skyline von Moskau: Mit Immobiliendeals will der Assad-Clan sein Vermögen sichern

Skyline von Moskau: Mit Immobiliendeals will der Assad-Clan sein Vermögen sichern

Foto: ITAR-TASS/ imago images

So haben die Makhloufs zwischen Dezember 2013 und Juni 2019, also mitten im syrischen Bürgerkrieg, in Moskau Luxuswohnungen im Wert von über 40 Millionen Dollar gekauft, das geht aus Erkenntnissen der Nichtregierungsorganisation Global Witness  hervor, die über den Zusammenhang zwischen Rohstoffausbeutung, Korruption und kriegerischen Konflikten forscht.

Die europäischen und amerikanischen Sanktionen stehen den Makhloufs bei solchen Investitionen nicht im Wege, denn Russland hat keine Sanktionen gegen sie erlassen. Dennoch gab der Clan sich große Mühe, die wahren Eigentümer der Moskauer Immobilien zu verschleiern. Russische Briefkastenfirmen und libanesische Offshore-Accounts wurden laut Global Witness zwischengeschaltet.

"Die komplexe Leihstruktur, die den Ursprung des Geldes verschleiert, wäre unnötig, wenn die Gelder einfach in Russland bleiben sollten. Dies lässt vermuten, dass das Geld über Russland in andere rechtliche Hoheitsgebiete bewegt werden soll", teilt die Organisation mit. Das syrische Regime scheint Moskau also als Schlupfloch zu verwenden, um weiterhin Zugang zu internationalem Kapital zu haben. In der Vergangenheit hatte Rami Makhlouf, Vater der beiden Brüder, zu diesem Zweck bereits komplexe Offshore-Konstrukte verwendet, wie die "Panama Papers" enthüllten.

Mächtiger Clan: Assad mit Frau Asma, Kindern beim Besuch eines Verwundeten in Homs (2016)

Mächtiger Clan: Assad mit Frau Asma, Kindern beim Besuch eines Verwundeten in Homs (2016)

Foto: AFP/ Syrian Presidency Facebook page

Rami Makhlouf, Cousin von Baschar al-Assad, symbolisiert die Korruption des syrischen Regimes wie kein anderer: Vor dem Krieg kontrollierte er mehr als die Hälfte der Wirtschaft: Kein lukratives Unternehmen des Landes war ohne seine Beteiligung denkbar. Dieses Jahr scheint Machthaber Assad allerdings einige von Makhloufs Beteiligungen einkassiert zu haben - das Regime braucht Geld und neue Mittelsmänner, die international noch nicht verbrannt sind.

Die Makhlouf-Brüder stehen bisher auf keinen Sanktionslisten - sie werden nicht automatisch für die Vergehen ihres Vaters in Mithaftung genommen, auch wenn ihr Vermögen aus seinen dunklen Kanälen zu stammen scheint. Der 22-jährige Mohammed Makhlouf bezeichnet sich zwar als Selfmade-Milliardär, doch wie er seinen Besitz genau angehäuft hat - nach eigenen Angaben zwei Milliarden Dollar - ist nicht klar. Seine bisherige Karriere fasste er jüngst so zusammen: Er sei in eine "wohlhabende Familie geboren" und habe in Damaskus "studiert, gelernt und Hobbys praktiziert". Eines seiner Hobbys sei es, Autos zu kaufen. Mohammed Makhlouf lebt seit einigen Jahren überwiegend in Dubai; den Pflichtwehrdienst in Syrien hat er nicht absolviert.

Auf absehbare Zeit scheint Mohammed in die Fußstapfen Ramis treten zu wollen, so wie sein Vater vor ihm die Rolle quasi vom Großvater geerbt hatte - als Tycoon des syrischen Regimes. Dieses Jahr ließ der 22-Jährige Anzeigen schalten, die ihn in einem besonders guten Licht  darstellen sollten. In einer heißt es, er sei 2018 zur "großzügigsten Person Syriens" gewählt worden. 2022 werde er eine Holding-Gesellschaft starten. Sie soll am Wiederaufbau des Landes mitverdienen.