Angehörige von Syriens Machthaber Assad-Familie soll sich in Spanien wegen Geldwäsche verantworten

Der ehemalige syrische Vizepräsident Rifaat al-Assad ist in das Visier spanischer Ermittler geraten: Zusammen mit weiteren Angehörigen des Machthaber-Clans soll er viele Millionen Euro unterschlagen haben.
Rifaat al-Assad (Archivbild von 1984): Nach einem Putschversuch Syrien verlassen

Rifaat al-Assad (Archivbild von 1984): Nach einem Putschversuch Syrien verlassen

Foto: PHILIPPE BOUCHON/ AFP

Zahlreiche Angehörige des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad sollen in Spanien wegen Geldwäsche in Höhe von mehr als 600 Millionen Euro auf die Anklagebank. Neben dem 82-jährigen Ex-Vizepräsidenten Rifaat al-Assad (Onkel des heutigen Machthabers Baschar al-Assad), der nach Medienangaben im Exil in Frankreich und Großbritannien lebt, werden auch acht seiner Kinder und zwei seiner Ehefrauen der Geldwäsche und der Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung beschuldigt (hier erfahren Sie mehr über die Assad-Familie).

Ein Richter am Nationalen Staatsgerichtshof in Madrid schlug am Freitag zum Abschluss seiner Ermittlungen vor, ein Strafverfahren gegen Rifaat al-Assad sowie gegen 13 weitere Personen einzuleiten. Die Staatsanwaltschaft hat zehn Tage Zeit, um die Eröffnung des Prozesses zu beantragen.

Rifaat al-Assad musste Syrien 1984 nach einem Putschversuch gegen seinen Bruder Hafis verlassen, den langjährigen Machthaber Syriens und Vater des heutigen Präsidenten. Rifaat gehörte lange selbst zur Führung des Landes, wo er als Kommandeur von Elitetruppen für mehrere Gräueltaten verantwortlich gemacht wird. Er wies dafür später jede Verantwortung zurück.

Zweitgrößte private Wohnimmobilie in Großbritannien

Die von Rifaat al-Assad angeführte Gruppe soll laut Anklage in Spanien unter anderem 507 Immobilien im Gesamtwert von 695 Millionen Euro besitzen. Dafür sollen sie vor allem mit in Syrien unterschlagenen öffentlichen Geldern bezahlt haben. Die Organisation sei seit den Achtzigerjahren vor allem in der Provinz Málaga im Süden Spaniens tätig gewesen, heißt es in der Mitteilung der Justiz.

Ähnliche Geschäfte soll die Gruppe mithilfe von Scheinfirmen jahrelang auch in anderen europäischen Ländern getätigt haben. So besitze Rifaat al-Assad in Großbritannien zum Beispiel unter anderem die nach dem Buckingham Palace größte private Wohnimmobilie. Er oder die von ihm angeführte Familienorganisation habe unter anderem auch ein Flugzeug vom Typ Boeing 727, mehrere gepanzerte Luxusfahrzeuge sowie drei Schiffe.

Die Rechtfertigung der Familie al-Assad, das Geld stamme aus Geschenken und Spenden aus Saudi-Arabien, ließ Ermittlungsrichter José de la Mata den amtlichen Angaben zufolge nicht gelten. Man habe ermittelt, dass das nicht der Wahrheit entspreche, hieß es.

Gegen Rifaat al-Assad laufe bereits ein Prozess in Frankreich - und in der Schweiz werde gegen ihn wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ermittelt, so die spanische Justiz.

vks/dpa
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