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30. Mai 2013, 21:56 Uhr

Krieg in Syrien

Assad droht Israel

In einem TV-Interview macht der syrische Despot Assad offen Front gegen Israel: Auf neue Militärschläge werde man mit Härte reagieren. "Es läuft ein Weltkrieg gegen Syrien", sagte er, gab sich aber kompromisslos und siegessicher.

Beirut - Der syrische Präsident Baschar al-Assad hat angekündigt, seine Streitkräfte werden auf eine eventuelle Attacke Israels auf sein Land "strategisch" reagieren. Am Donnerstag gab Assad dem Fernsehsender al-Manar, der der libanesischen Hisbollah-Miliz gehört, ein Interview, in dem er dies sagte. Anfang Mai war der Konflikt mit Israel bereits einmal eskaliert: Israelische Raketen schlugen nördlich von Damaskus ein, Jerusalem hatte jedoch beteuert, sie hätten einem Waffentransport für die Hisbollah gegolten.

"Wir haben bereits gesagt, dass wir jeden Militärschlag mit einem ähnlichen Schlag beantworten werden", so Assad im Interview. Die Art der Antwort sei abhängig "von den Umständen und dem Timing" der Attacke.

Außerdem brachte er direkt das umstrittene Gebiet der Golan-Höhen im Grenzgebiet von Syrien und Israel ins Gespräch: "Es gibt eindeutig öffentlichen Druck, eine neue Widerstandsfront auf dem Golan zu eröffnen."

Israel hat hingegen am Donnerstag hervorgehoben, dass es keine weitere Eskalation mit Syrien wünscht. Energieminister Silvan Schalom sagte im öffentlichen Rundfunk, die Regierung wolle keine militärische "Eskalation mit Syrien provozieren", auch wenn sie nicht zulassen könne, dass strategische Waffen an die libanesische Hisbollah gelangen. "Wir haben kein Interesse, die Lage an der Grenze zu Syrien aufzuheizen. Das war nicht unser Ziel und wird es nie sein", sagte Schalom, der der Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu angehört.

Assad "im Prinzip" einverstanden mit Friedensgesprächen

Der syrische Präsident äußerte sich in dem Interview am Donnerstag auch zu den geplanten Friedensgesprächen: "Im Prinzip" sei er damit einverstanden, Verhandlungspartner zu den Gesprächen zu entsenden. Auf die Frage, ob Syrien irgendwelche Bedingungen für die Teilnahme an den Friedensverhandlungen stelle, sagte Assad: "Die einzige Bedingung ist, dass alles, was umgesetzt werden soll, durch die öffentliche Meinung und ein Referendum in Syrien legitimiert wird."

Außenminister Westerwelle äußerte sich von seinem Besuch im kanadischen Ottawa aus am Donnerstag ebenfalls zu den geplanten Gesprächen. Er kommentierte die Nachrichten aus Istanbul, nach denen die Nationale Koalition der syrischen Opposition nicht an der russisch-amerikanischen Initiative für eine Syrien-Konferenz teilnehmen wolle: "Die Nachrichten vom Treffen der syrischen Opposition in Istanbul sind besorgniserregend. Ich fordere die Nationale Koalition nachdrücklich auf, eine geeinigte Opposition zu schaffen und konstruktiv an der geplanten Syrien-Konferenz teilzunehmen."

Schießereien an der türkisch-syrischen Grenze

Unterdessen halten die Spannungen an der türkisch-syrischen Grenze an. Türkische Truppen wurden nach eigenen Angaben beschossen. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert und Richtung Syrien geschossen, teilte das Militär am Donnerstag mit. Wer den Vorfall am Mittwochnachmittag auslöste, stand zunächst nicht fest. Drei bis fünf Unbekannte hätten zwischen 15 und 20 Schuss auf das gepanzerte Fahrzeug der Soldaten abgegeben, als diese in der südlichen Provinz Hatay an einem Abschnitt der türkisch-syrischen Grenze auf Patrouille gewesen seien.

Assad zeigte sich in dem Interview zuversichtlich, dass seine Truppen in Syrien siegen werden. "Es läuft ein Weltkrieg gegen Syrien", beklagte er. Dennoch sei er "sehr überzeugt vom Sieg".

Die von den USA und Russland vorgeschlagene Konferenz soll im Juni im schweizerischen Genf stattfinden. Datum und Teilnehmer stehen noch nicht fest. Am kommenden Mittwoch treffen sich in Genf Vertreter der Vereinten Nationen, der USA und Russlands, um die Konferenz vorzubereiten, wie die Uno am Donnerstagabend mitteilte.

mia/dpa/AFP/Reuters

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