Elitärer Zirkel Merz gibt Vorsitz der Atlantik-Brücke ab

Die Atlantik-Brücke ist ein elitärer Klub mit Prominenz aus Politik, Wirtschaft, Medien, auch Kanzlerin Merkel gehört dazu. Mit Sigmar Gabriel könnte nun ein SPD-Politiker neuer Vorsitzender werden.

Friedrich Merz
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Friedrich Merz


Der renommierte Verein Atlantik-Brücke bekommt einen neuen Vorsitzenden. Ex-Unions-Fraktionschef Friedrich Merz will nach zehn Jahren an der Spitze sein Amt abgeben, bestätigten Kreise des Vereins am Mittwoch in Berlin. Als Nachfolger hat sich der Vorstand des Vereins demnach geschlossen auf den ehemaligen SPD-Chef und Außenminister Sigmar Gabriel verständigt.

Gabriel habe auch schon zugesagt, heißt es in einem Schreiben von Merz an die Mitglieder der Atlantikbrücke. Der SPD-Politiker sei "bereit, sich am 26. Juni als mein Nachfolger für das Amt des Vorsitzenden zur Wahl zu stellen", schrieb Merz.

Auch die beiden Stellvertreter des CDU-Politikers, Ex-Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) und der Unternehmensberater Burkhard Schwenker, scheiden aus ihren Ämtern. Nachfolger sollen der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, der CDU-Politiker Norbert Röttgen, und der Präsident des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, werden.

Der Vorstand der Atlantik-Brücke hatte sich Anfang Februar mit den Personalien beschäftigt, aber Vertraulichkeit vereinbart. Gabriel schrieb zu seinem möglichen Wechsel in den Vorsitz auf Twitter: "Ich fühle mich durch die Anfrage der Atlantikbrücke sehr geehrt. Ich bitte aber um Verständnis dafür, dass es darüber jetzt erst einmal Gespräche geben wird."

Ischinger für Gabriel als Nachfolger

Mit Wolfgang Ischinger hat Gabriel bereits einen prominenten Fürsprecher. Der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz sagte der "Rheinischen Post", er fände es ein gutes Signal, wenn nach Merz "eine weitere außenpolitisch und außenwirtschaftspolitisch besonders erfahrene Persönlichkeit wie Sigmar Gabriel - aus einem ganz anderen Teil des politischen Spektrums kommend" - den Vorsitz übernehmen würde.

Merz hatte den Vereinsvorsitz in einer Zeit übernommen, in der es um das transatlantische Verhältnis noch besser bestellt war. Im Weißen Haus in Washington saß Präsident Barack Obama, das Verhältnis zu Deutschland und Kanzlerin Merkel war nicht konfliktfrei, aber doch einigermaßen vertrauensvoll. Im Jahr 2019 hält Donald Trump die Zügel der amerikanischen Politik in den Händen, der Deutschland immer wieder attackiert. Von einem "permanenten Unruheherd" sprach Merz 2016, als Trump als Präsident antrat.

Aus Vereinskreisen hieß es, Merz wolle nach zehn Jahren erfolgreicher Arbeit in dem Ehrenamt den Vorsitz in neue Hände geben. Der Verein sei personell und finanziell gut aufgestellt. Es sei als Auszeichnung zu verstehen, wenn sich renommierte Politiker und Fachleute wie Gabriel, Röttgen und Hüther für die transatlantische Arbeit zur Verfügung stellten.

Eine förmliche Entscheidung will der Vorstand der Atlantik-Brücke am 7. Mai treffen. Endgültig bestimmt eine Mitgliederversammlung am 26. Juni die Personalien. Dem elitären Klub gehört viel Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Medien an. Kanzlerin Angela Merkel gehört dazu, aber auch Manager, DGB-Chef Reiner Hoffmann oder der Journalist Kai Diekmann. 2010 machte der Verein Schlagzeilen in eigener Sache, als es zum Machtkampf zwischen Merz und dem mittlerweile verstorbenen Ehrenvorsitzenden Walther Leisler Kiep kam, den Merz schließlich gewann.

Merz wird laut Insidern den Vorsitz der Stiftung Atlantik-Brücke behalten und als solcher auch weiterhin im Vorstand arbeiten. Die Stiftung soll Forschung und Studienaufenthalte zu den transatlantischen Beziehungen fördern.

apr/dpa



insgesamt 58 Beiträge
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imlattig 27.02.2019
1. deutschland ....
braucht keine atlantikbruecke. sie steht fuer krieg und armut in der dritten welt.
gruenerfg 27.02.2019
2. Begriffe
"Elitärer Zirkel" wohl, weil sich Journalisten, Wirtschaft und Politik hier so nett treffen, um US-amerikanische Interessen hier zu verbreiten? Der mit Merz die Republik endlich ganz bestimmen wollte? Ein Verein, der sich mit Diekmann als MItglied prüstet? Wenn sich Gabriel noch weiter vom Deutschen Volk distanzieren will, bittel.....
brathbrandt 27.02.2019
3.
Hoffentlich übernimmt auf US-Seite ein Trumpianer das Kommando. Das wird dann lustig.
einwerfer 27.02.2019
4. Ehrenwerte Gesellschaft
Mit den Herren Hüther und Röttgen befindet sich der Spezialdemokrat Gabriel ja in bester Gesellschaft.
Teutonengriller 27.02.2019
5. Kann ja nicht elitär sein
wenn Gabriel,Merkel und Merz dazugehören. Eher halbseiden
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