Atlas der Atomwaffen Gier nach der Bombe

Obamas Atomgipfel soll den Weg in eine kernwaffenfreie Zukunft ebnen - doch kaum ein Staat will dem US-Präsidenten folgen: Die Bombe bleibt ein Prestigeprojekt für die Mächtigen von Paris bis Teheran. SPIEGEL-ONLINE-Korrespondenten analysieren den globalen Atomwaffenpoker.

Atomtest in Nevada im Jahr 1953: Die Bombe gilt als ultimative Abschreckung
Corbis

Atomtest in Nevada im Jahr 1953: Die Bombe gilt als ultimative Abschreckung

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Es war eine große Vision, die US-Präsident Barack Obama vor einem Jahr in seiner Prager Rede präsentierte. Von einer atomwaffenfreien Welt sprach er und der Entschlossenheit der USA, die internationale Gemeinschaft endlich auf den Pfad zum Verzicht zu führen.

Beim Atomgipfel im Weißen Haus am Montag und Dienstag kommt es nun zum Schwur: 47 Nationen sollen über Abrüstung, Produktionsstopp und Nichtverbreitung beraten.

Doch Obamas Aufgabe wirkt wie eine Mission Impossible. Während die Sorge vor der weiteren Verbreitung von nuklearem Material von vielen Regierungen geteilt wird, will kaum ein Land selbst mit dem Verzicht auf Atomwaffen beginnen.

Die USA und Russland, im Besitz von 95 Prozent der Kernwaffen weltweit, haben gerade noch rechtzeitig vor dem Gipfel einen neuen bilateralen Vertrag zur weiteren Abrüstung unterzeichnet. Dies soll als Geste des guten Willens der beiden Atom-Supermächte verstanden werden.

Doch keiner der anderen Gipfelteilnehmer zeigt sich davon sonderlich beeindruckt. Die drei Kleinen im Club der offiziellen Atommächte - Frankreich, China und Großbritannien - lehnen weitere Abrüstungsschritte mit dem Argument ab, Russland und die USA sollten erst einmal auf ihr Niveau herunterrüsten. In London stößt Obamas Appell noch am ehesten auf Interesse. China hingegen ist mit Blick auf den Nachbarn Indien sogar dabei aufzurüsten.

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Gipfel in Washington: Die Arsenale der Atommächte
Die kleinen Atommächte rüsten auf

Bei den inoffiziellen und potentiellen Atomstaaten ist die Haltung noch reservierter. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat seine Teilnahme an Obamas Gipfel abgesagt - wohl aus Furcht, über die israelischen Atomwaffen reden zu müssen. Pakistan ist entschlossen, sein Arsenal zu vergrößern - ebenso wie Nachbar Indien.

Das Grundproblem bleibt: In den meisten Staaten ist die Bombe eine Quelle des Nationalstolzes. In China werden Atomraketen bei Militärparaden durch die Straßen gefahren, in Pakistans Hauptstadt erinnert ein meterhohes Modell an den Berg, in dem die ersten Waffentests stattgefunden haben.

So stolz die Atommächte auf ihre Waffe sind, so groß ist auch die Furcht davor, dass die Massenvernichtungswaffe in die Hände von Diktatoren und Terroristen fällt. Von Staaten wie Pakistan und Russland geht die größte Verbreitungsgefahr aus, weil die Sicherheit ihrer Atomwaffenlager bezweifelt wird. Die Sorge wurde 2004 bestätigt, als der pakistanische Atomwissenschaftler Abdul Qadir Khan erklärte, Iran und Nordkorea mit nuklearem Material versorgt zu haben.

Wer besitzt wie viele Kernwaffen? Wer bastelt an der Bombe, mit welchen Folgen? Lesen Sie im großen SPIEGEL-ONLINE-Dossier, wie die atomare Weltordnung im Jahr 2010 aussieht - und welche Gefahren sie für die Zukunft birgt:

insgesamt 384 Beiträge
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Seite 1
Arg-US 09.04.2010
1. "Begrenzung der Atomarsenale", aber keine Wende in der aggressiven Politik der USA!
Zitat von sysopAtomwaffen abschaffen, Terrorismus verhindern: US-Präsident Obama setzt sich ehrgeizige Ziele für seinen historischen Nuklear-Gipfel in Washington. Staatslenker aus 46 Nationen sind geladen - doch nicht alle teilen seine Vision einer atomwaffenfreien Welt. Ist die Abrüstung wieder eine realistische Vision?
Das wäre wünschenswert, doch es steht zu befürchten, dass sich de facto überhaupt nichts an der essentiellen Gefährdung der Menschheit ändern wird. Beide Staaten verfügen trotz der "Begrenzung der Atomarsenale" immer noch über ein mehrfaches atomares Overkillpotential. Außerdem hat Obama durchblicken lassen, dass die USA stattdessen ihre konventionelle Rüstung aufstocken wollen, obwohl sie bisher schon für Rüstung und Militär alleine mehr ausgeben als die nächsten zehn größten Rüstungsetats anderer Staaten zusammen. Es wird keine Wende in der aggressiven Weltpolitik der USA herbeiführen, denn es findet kein grundsätzliches Umdenken statt und der modus operandi bleibt der alte!
Palmstroem, 09.04.2010
2. Obama - Der Heilige des Weltfrieden
Zitat von sysopAtomwaffen abschaffen, Terrorismus verhindern: US-Präsident Obama setzt sich ehrgeizige Ziele für seinen historischen Nuklear-Gipfel in Washington. Staatslenker aus 46 Nationen sind geladen - doch nicht alle teilen seine Vision einer atomwaffenfreien Welt. Ist die Abrüstung wieder eine realistische Vision?
Warum, wird die Kalaschnikow verboten?
Arg-US 09.04.2010
3. Die Rhetorik einer schlichten Gewinn- und Verlustrechnung!
Zitat von PalmstroemWarum, wird die Kalaschnikow verboten?
Die ist noch weltweit im Einsatz und wird wohl noch auf Weiteres gebraucht werden! Atombomben kamen genau genommen – trotz der darauf verschwendeten Billionen Dollars - nur zweimal zum Kriegseinsatz auf wehrlose zivile Großstädte und das eigentlich nur als zynischer Feldversuch unter Realbedingungen. Unschuldige Menschen degradiert zu hilflosen Versuchskaninchen! Er hat keine Kosten gescheut, diese nuklearen Waffen zu vermehren und zu vervollkommnen, so dass er jetzt auf die alten und obsoleten gut verzichten kann. Der Gipfel der Heuchelei besteht wohl darin, dass man dieses Ausmustern von Atomschrott als "Begrenzung der Atomarsenale" demagogisch geschickt darzustellen versucht, weil die Unterhaltung unnötige Kosten verursachte.
ambergris 09.04.2010
4.
Spannend wird Abrüstung erst da, wo zwei Nationen freiwillig eine militärische Option aufgeben. Auch nach dem Abkommen haben die USA und Russland die Möglichkeiten, die Welt in Grund und Boden zu bomben.
Antje Technau, 09.04.2010
5.
Zitat von sysopAtomwaffen abschaffen, Terrorismus verhindern: US-Präsident Obama setzt sich ehrgeizige Ziele für seinen historischen Nuklear-Gipfel in Washington. Staatslenker aus 46 Nationen sind geladen - doch nicht alle teilen seine Vision einer atomwaffenfreien Welt. Ist die Abrüstung wieder eine realistische Vision?
Obama nannte als Ziel eine atomwaffenfreie Welt. Israel verweigert sich dieser Vision und Netanjahu kommt nicht zu der von Obama einberufenen Konferenz: Binyamin Netanyahu pulls out of Washington nuclear weapons summit (http://www.guardian.co.uk/world/2010/apr/09/netanyahu-snubs-nuclear-weapons-summit) Präsident Obamas Reaktion auf diesen Affront durch Israel wird zeigen, wie ernst es Obama mit seinem Plan ist. Oder ob seine "atomwaffenfreie Welt" sich nur auf Staaten wie den Iran bezieht. Wie die Vorredner schon sagten: außer Atombomben gibt es noch genug andere Waffen, mit denen die USA und andere Länder die Welt zerstören können. Auch diese Waffen müssten verschwinden, wenn man dafür sorgen wollte, dass Menschen nicht mehr zu Millionen in Kriegen sterben sollen.
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