Waffengewalt in den USA Atlas der Todesschüsse

Morde, Suizide - oder schlicht Versehen: Jeden Tag sterben in den USA Menschen durch Schusswaffen. Das "Slate"-Magazin dokumentiert alle Fälle seit dem Amoklauf von Newtown in einer permanent aktualisierten Grafik. Hier sehen Sie, wo und wann US-Bürger erschossen wurden.
Polizeiabsperrung nach Zwischenfall mit Waffengewalt in Arizona: Jeden Tag neue Opfer

Polizeiabsperrung nach Zwischenfall mit Waffengewalt in Arizona: Jeden Tag neue Opfer

Foto: ? ERIC THAYER / Reuters/ REUTERS

Hamburg - Beim Massaker in der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown wurden 28 Menschen getötet, darunter 20 Kinder. Die Tat schockierte viele Amerikaner, seit dem Amoklauf vom 14. Dezember debattiert das Land über das Waffenrecht. Präsident Barack Obama ist entschlossen zu handeln, gerade hat seine demokratische Partei ein Gesetz zum Verbot von halbautomatischen Waffen in den Kongress eingebracht. Doch die Republikaner in Senat und Repräsentantenhaus sperren sich gegen eine Verschärfung des Waffenrechts; deshalb ist sehr fraglich, ob die Initiative Erfolg haben wird.

Dabei wäre es bitter nötig. Eine Grafik des amerikanischen Online-Magazins "Slate" zeigt: Seit der Attacke von Newtown sind in den USA jeden Tag Menschen durch Schusswaffen ums Leben gekommen. Klicken Sie auf das Bild:

Drei willkürlich aus der "Slate"-Liste herausgegriffene Beispiele zeigen, auf welch unterschiedliche Weise Menschen in den USA zu Schaden kommen können:

  • Der 18-jährige True Whitsey ist ein Musterschüler, dank Top-Noten hat er ein Uni-Stipendium ergattert. Am Abend des 4. Januar ist er zu Besuch in seinem Heimatviertel in Detroit. Mit seinem Bruder und einem Freund verlässt er das Haus seiner Schwester, als ein rotes Auto vorfährt. Zwei Männer springen heraus und zwingen die Gruppe mit Waffengewalt auf den Boden. True erklärt, dass er keine Wertsachen bei sich hat. Vor den Augen des Bruders schießen ihm die Angreifer einmal in den Rücken, einmal in die Seite. True stirbt wenig später im Krankenhaus.
  • Kaum eine Woche später, 700 Kilometer weiter westlich: Breckenridge, Missouri, ist ein verschlafenes Nest im Mittleren Westen der USA. Kaum 500 Menschen leben hier, viele davon sind leidenschaftliche Jäger. Auch Steven Curtis liebt die Hatz auf die Wildtiere, sogar in der Schule gibt es Jagdkurse. Der 12-Jährige lernt den Umgang mit Waffen früh. Auch, was man damit nicht anstellen sollte. Laut seiner Mutter hatte er sich sogar ein Zertifikat für die sichere Handhabung erarbeitet. Daher kann sich auch keiner genau erklären, was am 12. Januar passiert ist. Klar ist nur: Steven hantiert an diesem Tag mit einer Handfeuerwaffe herum, als sich ein tödlicher Schuss löst.
  • Als ein Kollege von Charles Renner am Nachmittag des 17. Januar das Haus in Sandy Springs am Rand der Metropole Atlanta betritt, macht er eine grausige Entdeckung. Drei Leichen liegen in dem Gebäude, alle weisen Schusswunden auf. Neben Charles Renner, 45, liegt eine Pistole. Die Ermittler gehen davon aus, dass er erst seine Schwester Suzanne, 49, und Mutter Edith, 85, getötet hat. Dann richtete er wohl die Waffe gegen sich selbst. Die Hintergründe der Familientragödie sind noch ungeklärt.

Und das sind nur drei Fälle von Hunderten. Den ganzen Irrwitz der Waffengewalt in den USA verdeutlicht diese interaktive Grafik, die permanent aktualisiert wird.

jok/fab