Atom-Gespräche Russland und Iran wollen weiter verhandeln

Bei ihren Atomgesprächen in Moskau haben sich Russland und Iran auf weitere Verhandlungen geeinigt. Inhaltlich hüllten sich beide Seiten in Schweigen - auf dem Tisch liegt ein Vorschlag des Kremls, die Urananreicherung für Iran auf russischem Territorium durchzuführen.


Moskau - Fünf Stunden lang hatten die iranische und die russische Delegation hinter verschlossenen Türen verhandelt. Mit dabei waren der Vize-Sekretär des iranischen Sicherheitsrats, Ali Chosro-Tasch, sein russischer Kollege Valentin Sobolew sowie der russische Vizeaußenminister Sergej Kisljak. Wie weit die Gespräche gediehen sind, ist bisher unklar. Sicher ist nur: Es soll weiter beraten werden. Das teilte der russische Sicherheitsrat nach dem Ende des Gesprächs mit. Inoffiziellen Angaben zufolge soll am Dienstag weiter beraten werden.

Bei dem Treffen war es um den russischen Vorschlag gegangen, Uran für Iran auf russischem Gebiet anzureichern. Damit soll der Iran davon abgehalten werden, einen eigenen geschlossenen Brennstoffkreislauf aufzubauen.

Beide Seiten waren mit gedämpften Erwartungen in die Gespräche gegangen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte die Erfolgsaussichten vorsichtig bewertet. "Unsere Vorhersage ist, offen gestanden, zurückhaltend, aber wir werden alle erforderlichen Anstrengungen unternehmen, um zu verhindern, dass sich die Lage verschlimmert und in Richtung Zwangsmaßnahmen bewegt", sagte Lawrow bei einer Kabinettssitzung mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Moskau will Iran überzeugen, Uranfür sein Atomprogramm in einem gemeinsamen Projekt auf russischem Gebiet anzureichern. Dadurch könnte verhindert werden, dass die Islamische Republik in den Besitz von atomwaffentauglichem Uran gelangt. Iran hat stets Vorwürfe des Westens zurückgewiesen, unter dem Deckmantel der friedlichen Nutzung der Atomkraft an Nuklearwaffen zu arbeiten, sein Atomprogramm jedoch allerdings gegenüber der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO nahezu zwei Jahrzehnte verheimlicht.

Öl keine Waffe

Der iranische Außenminister Manuchehr Mottaki, der heute zu Gesprächen in Brüssel weilt, erklärte, er sehe weiter die Möglichkeit einer Einigung. "Alle Parteien haben nach wie vor Zeit, einen Kompromiss zu erreichen und ich hoffe, sie nutzen diese Zeit", sagte er nach einem Gespräch mit seinem belgischen Kollegen Karel de Gucht. "Wenn wir einen Kompromiss in dieser Frage erzielen und wenn die Europäer das akzeptieren, dann bestehen Aussichten, dass wir vorankommen", sagte er.

Mottaki bezeichnete es als Fehler, in der Auseinandersetzung mit Sanktionen durch den Uno-Sicherheitsrat zu drohen. Dies würde dazu führen, dass Iran seine freiwillige Zusammenarbeit mit der IAEO einstelle. Der Minister reklamierte für sein Land das Recht auch nach einem möglichen Kompromiss weiterhin Forschung und Entwicklung im Bereich der Atomkraft zu betreiben. "Die Forschungsabteilung wird ihre Aktivitäten weiterführen."

Der iranische Ölminister Mohammed Hadi Nejad Hosseinian beteuerte heute, sein Land werde die reichen Ölvorkommen nicht als Waffe im Nuklearstreit einsetzen. Die zentralen Öl-Exporte würden nicht zurückgehalten. "Wir denken, dass das sehr schlechte Auswirkungen auf den größten Teil der Weltbevölkerung hätte." An den Ölmärkten wird befürchtet, dass eine Einschränkung der iranischen Lieferungen den Preis für den Rohstoff auf neue Höchstmarken treiben könnte.

Sollten die Moskauer Gespräche scheitern, ist eine Einschaltung des Uno-Sicherheitsrats wahrscheinlich. Der Rat könnte Sanktionen verhängen.

ler/AFP/Reuters/dpa



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