Atom-Krise Iran fährt Isfahan-Meiler komplett hoch

Iran beruft sich bei der Wiederinbetriebnahme seiner Atomanlage in Isfahan auf die Erlaubnis der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA. Die Uno-Behörde soll einer Bitte, die Siegel brechen zu dürfen, zugestimmt haben, nachdem sie weitere Überwachungskameras installiert hatte.


Teheran - "Wir haben einen Brief der IAEA erhalten, der es uns erlaubt, die Siegel in Isfahan zu entfernen", sagte der stellvertretende Leiter der iranischen Atomenergie-Organisation Mohammed Saidi heute Nachmittag. Das bestätigten Mitarbeiter der IAEA nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters. Offiziell äußerte sich die IAEA allerdings nicht zur Existenz eines solchen Schreibens, bestätigte aber Irans Schritte zur Wiederaufnahme des Atomprogramms. "Sie haben damit begonnen, die Siegel zu brechen und die gesamte Anlage zu betreiben", sagte Mark Gwozdecky, Sprecher der IAEA. Überwachungskameras der Behörde seien installiert.

Saidi erklärte, die vollständige Inbetriebnahme der Anlage habe unter Aufsicht der IAEA stattgefunden. Die Aussage Saidis steht in Widerspruch zu den bisherigen Bemühungen der IAEA. Die Behörde hatte Iran dazu aufgerufen, die Wiederaufnahme des Atomprogramms zu unterlassen.

Iran hatte bereits gestern angekündigt, die Arbeiten in dem bisher von der IAEA versiegelten Teil der Anlage in Isfahan zur Uran-Umwandlung umgehend wieder aufzunehmen. In Isfahan kann Uran konvertiert und damit für die Anreicherung vorbereitet werden. Angereichertes Uran eignet sich zum Bau von Atomwaffen. Iran bestreitet jedoch US-Vorwürfe, solche Waffen entwickeln zu wollen.

Eine für heute Nachmittag geplante Sitzung der IAEA wurde inzwischen abgesagt. Das teilte IAEA-Sprecher Peter Rickwood heute in Wien mit. Hinter den Kulissen wird nach Diplomatenangaben intensiv über einen Resolutionsentwurf der EU beraten.

In der EU-Resolution wird die Regierung in Teheran aufgerufen, in Übereinstimmung mit bisherigen Entschließungen des Gouverneursrats alle "Aktivitäten, die mit der Urananreicherung zusammenhängen, auszusetzen", hieß es in Diplomatenkreisen. Der Entwurf drohe nicht direkt mit der Einschaltung des Uno-Sicherheitsrats und damit auch nicht mit Sanktionen, fordere aber IAEA-Chef Mohamed al-Baradei auf, die Situation "genau zu beobachten" und den Gouverneursrat "über alle weiteren Entwicklungen" zu informieren.



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