Atom-Gespräche mit Iran Teherans letzte Chance

Ab Montag haben im Atomstreit mit Iran die Vermittler das Wort - und es wird eng für Teheran. Im Juli tritt das europäische Ölembargo in Kraft, dann droht die Eskalation. Die Gespräche in Moskau könnten die letzte Gelegenheit für eine diplomatische Lösung sein.
Irans Ahmadinedschad in der Atom-Anlage Natans: Verbunkert in der Erde

Irans Ahmadinedschad in der Atom-Anlage Natans: Verbunkert in der Erde

Foto: Anonymous/ AP

Berlin - In Moskau will sich am Montag und Dienstag die Sechsergruppe - bestehend aus den USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland - mit Iran treffen, um über Teherans Atom-Programm zu verhandeln. Nach Gesprächen in Istanbul und Bagdad ist es bereits das dritte Treffen in diesem Jahr.

Über den Verhandlungen in Moskau hängt die Drohung, dass sie möglicherweise der letzte Versuch sind, den Atom-Streit diplomatisch zu lösen. Die nächste Eskalationsstufe rückt bedrohlich näher: Am 1. Juli soll das Ölembargo der Europäischen Union gegen Iran in Kraft treten.

Fast zwei Jahrzehnte lang verfolgte Iran heimlich ein Atom-Programm - jedenfalls nach Ansicht des Westens. Teheran selbst weist das von sich. Der Uno-Sicherheitsrat forderte das Land 2006 auf, sein Programm zu stoppen - bis die internationale Gemeinschaft prüfen kann, ob es sich wirklich um ein nicht-militärisches Vorhaben handelt. Die Prüfer der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) beklagen jedoch regelmäßig, dass Iran nicht ausreichend kooperiert und ihnen Anlagen verheimlicht. Vorige Woche scheiterten erneut Gespräche zwischen Iran und der IAEA.

Die Sechsergruppe will, dass Teheran aufhört, Uran bis zu einer Reinheit von 20 Prozent anzureichern. Technisch gesehen ist es von da nur ein kleiner Schritt bis zu waffenfähigem Uran (ab 80 Prozent). Die schwierigste Etappe ist es, Uran auf 20 Prozent anzureichern. Für ein ziviles Nuklear-Programm (Atomkraftwerke) braucht man Uran zwischen drei und fünf Prozent Reinheit.

Außerdem will die Sechsergruppe, dass Iran sein bereits produziertes 20-prozentiges Uran abgibt und die lange geheime Atom-Anlage Fordo den internationalen Inspektoren öffnet. Im Gegenzug dafür soll Teheran weiter sein eigenes niedrig angereichertes Uran (bis 3,5 Prozent) für Atomkraftwerke produzieren dürfen.

Doch was sind die offenen Fragen? Worum geht es bei den Gesprächen? Was steht auf dem Spiel? Die wichtigsten Punkte in der Übersicht:

Was ist die Position Teherans?

Iran möchte weiterhin hoch angereichertes Uran herstellen dürfen. Das Land brauche das 20-prozentige Uran für medizinische Gründe und lehnt es ab, kleine Mengen davon zu importieren. Teheran fordert, dass ihm ein Recht auf Uran-Anreicherung zugestanden wird. Außerdem will Iran eine Lockerung der harten Handels- und Finanzbeschränkungen, die seine Wirtschaft treffen.

Wie könnte ein Kompromiss aussehen?

Beide Positionen liegen bisher zu weit auseinander, als dass sich ein Kompromiss abzeichnen würde. Als Erfolg würde schon gelten, wenn entschieden wird, die Gespräche fortzusetzen.

Wann hätte Iran die Bombe?

Ob Teheran tatsächlich eine Atombombe bauen will, ist unsicher. Iran sagt, dass es keine militärischen Absichten verfolgt. Der Westen glaubt dies jedoch nicht. Auch die IAEA erklärte im November 2011 in ihrem Bericht erstmals, dass Iran Aktivitäten verfolge, die "relevant zur Entwicklung eines nuklearen Sprengkörpers" seien.

Experten sind sich uneinig, bis wann das iranische Regime eine Bombe herstellen könnte. Die meisten vermuten, dass dies erst in zwei, drei Jahren der Fall sein könnte.

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak befürchtet jedoch, dass Iran bis Ende 2012 eine "Immunitätszone" erreicht: Ein Bombenangriff könnte dann nicht mehr verhindern, dass Iran eine Bombe baut. Das Land hätte genug hoch angereichertes Uran, verbunkerte Atom-Anlagen und Know-how.

Gibt es Krieg, wenn in Moskau keine Einigung zustande kommt?

Diese Frage ist völlig offen. Ein israelischer Angriff wäre eine hochriskante, komplexe Operation, bei der Tel Aviv nicht sicher sein könnte, sein Ziel zu erreichen und die iranischen Atom-Anlagen zu zerstören. Auch wären die regionalen Folgen kaum abzuschätzen.

Die Staaten der Sechsergruppe haben sich bisher zurückhaltend geäußert. US-Präsident Barack Obama bezeichnete die in diesem Jahr begonnenen Verhandlungen allerdings auch als "letzte Chance" für eine diplomatische Lösung.

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