Atom-Verhandlungen Iran unterzeichnet Vertrag über Uran-Tausch

Im Atomstreit hatte Iran bislang das Kompromissangebot der Internationalen Atombehörde strikt abgelehnt. Jetzt hat die Führung in Teheran diese Position aufgegeben - nach 18-stündigen Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei.


Teheran - Der Dreiergipfel galt als letzte Chance für Teheran, um drohende Sanktionen zu verhindern. Nun sind die Vermittlungsbemühungen des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan und des brasilianischen Staatschefs Luiz Inácio Lula da Silva erfolgreich gewesen: Iran hat sich bereit erklärt, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen.

Eine entsprechende Vereinbarung wurde am Montag von den Außenministern der drei Länder in der iranischen Hauptstadt unterzeichnet. Die Einigung kam nach fast 18 Stunden Verhandlungen.

Die Übereinkunft sieht nach Angaben des iranischen Außenministeriums vor, dass in der Türkei 1200 Kilogramm iranisches Uran mit einem niedrigen Anreicherungsgrad von 3,5 Prozent gelagert werden. Im Gegenzug soll Teheran 120 Kilogramm höher angereichertes Uran zu medizinischen Forschungszwecken erhalten.

Das Angebot der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Uran im Ausland anreichern und zu Brennstäben für seinen medizinischen Forschungsreaktor verarbeiten zu lassen, hatte die Islamische Republik bislang abgelehnt. Stattdessen wünschte Iran einen Simultan-Tausch auf seinem Hoheitsgebiet, was wiederum der Westen ablehnte. Durch die Auslagerung der Produktion ins Ausland sollen Bedenken der USA und ihrer Verbündeten über das iranische Nuklearprogramm ausgeräumt werden. Der Westen verdächtigt Teheran, verdeckt am Bau einer Atombombe zu arbeiten.

Um weitere Uno-Sanktionen gegen Iran doch noch abzuwenden, hatten Brasilien und die Türkei nun am Sonntag den Vermittlungsversuch gestartet. Präsident Lula sprach in Teheran mit Staatschef Mahmud Ahmadinedschad und dem geistlichen Oberhaupt Ali Chamenei. Auch Erdogan kam am Sonntagabend überraschend in Teheran an.

"Konstruktiver Weg" Teherans

Ausschlaggebend für Erdogans Teilnahme an den Gesprächen sei ein Treffen des türkischen Außenministers Ahmet Davutoglu mit seinem iranischen Kollegen Manutschehr Mottaki und Teherans Atom-Chefunterhändler Said Dschalili gewesen. Dabei hätten die Iraner sich positiv zu einer von der internationalen Gemeinschaft vorgeschlagenen Auslandsregelung geäußert und sich für die Türkei ausgesprochen, hieß es. Davutoglu sagte am Montag, der nun unterzeichnete Vertrag zeige, dass Teheran einen "konstruktiven Weg" eingeschlagen habe. Nun gebe es keine Basis mehr für Sanktionen.

Der iranische Präsident rief die internationale Gemeinschaft auf, wieder mit Iran zu verhandeln. Es sei Zeit, wieder Gespräche zu führen, die auf "Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und gegenseitigem Respekt" basierten, sagte Ahmadinedschad.

Iranischen Angaben zufolge sollen nun die IAEA und dann der Westen über die Vereinbarung informiert werden. Stimmen sie zu, könne das schwach angereicherte Uran innerhalb eines Monats in die Türkei geliefert werden, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran.

Am Montag soll in der iranischen Hauptstadt ein Gipfel der G-15, einer Organisation der blockfreien Staaten, stattfinden, bei dem es auch um den Atomstreit gehen dürfte.

kgp/dpa/apn/Reuters/AFP



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wolfi55 17.05.2010
1. Unverdächtige Verhandlungspartner
Zumindest sind die Brasilianer und Türken aus der Sicht des Iran unverdächtig als Vasallen Amerikas zu gelten. Das ist ein gewisser Fortschritt.
max.flügelschmied 17.05.2010
2. friedlich co-existenz
Zitat von sysopIm Atomstreit hatte Iran bislang das Kompromissangebot der Internationalen Atombehörde strikt abgelehnt. Jetzt hat Führung in Teheran diese Position aufgegeben - nach 18 stündigen Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,695058,00.html
Man kann vorsichtig optimistisch sein. Diese Schritte seitens des Irans könnten ein Auftakt sein, das ganze Pulverfass Mittlerer Osten zu entschärfen. Es wäre gut wenn der Iran auch offizielle wie Deutschland sich vom Bau der Bombe verabschiedet. Dies Würde es auch Pakistan leichter machen das Gleiche zu tun. Die friedliche Nutzung bleibt Iran unbenommen. Das mag man mögen oder nicht es das Recht des Irans dies zu tun. Für Lula ist das natürlich eine großer Triumph und zeigt den Anspruch Brasilien auf gleicher Höhe wie China, Indian gegenüber den USA und Russland zu stehen. Man muss die Polemik von dem Iranischen Präsident gegen Israel auch immer unter dem Gesichtspunkt der Atomfrage sehen. Wenn Iran und Pakistan abrüsten gibt es auch keine Rechtfertigung für Israel sein Atomwaffenprogramm weiter zu führen. Wir würden damit der Vision von Obama wieder ein stück nähr zu kommen. Wenn der Iran jetzt auch noch anfangen würde die nicht islamische Welt nicht mehr als Ungläubig zu bezeichnen dann könnten sich noch viel mehr Möglichkeiten ergeben. Wir würden vielleicht auch Begriffe wie friedlich koexistenz in die Debatte einführen können. Währe doch mal eine Maßnahme.
445 17.05.2010
3. xxx
Ich bin gespannt, was als nächstes kommt. Auf diese Weise konnte der Iran den USA ersteinmal den Wind aus den Segeln nehmne, aber das ist mit Sicherheit noch nicht das Ende, der von den USA forcierten Eskalation. Es ist ein Krieg gewünscht und dazu muss ein Kriegsgrund her. Vielleicht lehnen die USA den Vorschlag ab, oder es wird ein neuer Anschlag inszeniert und diesmal dem Iran in die Schuhe geschoben. Ich bin wirklich gespannt.
Monsieur Rainer 17.05.2010
4. Na also, es geht doch !
Lässt man die Amerikaner etwas aussen vor, die von den Iranern als Teufel abgelehnt werden, dann kann ja doch Bewegung in das gefährliche Spiel mit Uran kommen. Der brasilianische Präsident Lula da Silva ist ja wohl unverdächtig, ein Knecht des CIA zu sein, das seit Jahrzehnten nur Unheil im Iran angestiftet hat. Natürlich kam da Silva nicht von alleine auf die Idee, mit dem Iran zu verhandeln. Dahinter stecken Präsident Sarkozy und der syrische Präsident. Dies ist eine Achse des Guten, denn Frankreich, Brasilien und alle Staaten der Nahen Ostens haben traditionell ein gutes und nicht belastetes Verhältnis zueinander. Mit diesem Deal einhergegangen ist natürlich die Freilassung der französischen Journalistin Clothilde Reiss am gestrigen Nachmittag. Es geht doch mit ein bisschen gutem Willen und ohne dogmatische Verteufelung des Gegners. Die Iraner sind ein sehr intelligentes und gebildetes Volk, das sich ohnehin über kurz oder lang seiner Führung entledigen wird.
akh 17.05.2010
5. Verhandeln statt drohen
Obama könnte von Lula und Erdogan, genauer: von der brasilianischen und der türkischen Diplomatie, lernen: Man droht nicht, wenn man Verhandlungsergebnisse erzielen möchte. Nebst Obama könnten auch die deutsche, die britische, die französische und die russische Aussenpolitik lernen, dass die Souveränität eines UN-Mitglieds nicht einfach den Diktaten Israels untergeordnet werden darf. Im übrigen: Der einzige Staat im Nahen und Mittleren Osten, welcher Atomwaffen besitzt und damit seine Nachbarn bedroht, ist Israel. Israel lässt keinerlei Kontrollen der IAEA zu, hat den Atomwaffensperrvertrag nie ratifiziert und hält sich im übrigen seit 1967 nicht an UN-Resolutionen betreffend der besetzten Palästinensergebiete. Die USA und die meisten westeuropäischen Staaten nehmen diese eklatanten Völkerrechtsverletzungen einfach hin. Seit Jahr und Tag weiss man als einigermassen informierter Westeuropäer, dass weder die USA noch die meisten EU-Staaten gegen die israelische Anmassung vorgehen. Wenn schon, könnte man festhalten, dass der Iran nie gegen Nachbarn aggressiv war, Israel aber schon. Hier zu Lande wird aber immer so getan, als sei Iran der Aggressor und Israel sein potentielles Opfer. (Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Unterstützung der Reagan-Admionistratioon für den aggressiven Krieg, den Sadam Hussein gegen den Iran führte!). Kurz: Lula und Erdogan haben Obama, Merkel, Sarkozy, neuerdings auch Putin und Co. eine Lektion erteilt. Leider ist es so, dass daraus kaum eine Hoffnung auf vernünftige Nahostpolitik entstehen kann. Der sogenannte Westen lässt sich von Israel wohl weiterhin diktieren, was allenfalls gehen darf und was nicht gehen soll.
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