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08. August 2005, 18:05 Uhr

Atomanlage in Betrieb

Iran legt sich mit dem Westen an

Alle Warnungen des Westens waren vergebens. Iran hat die Vorschläge der EU zur Zusammenarbeit abgelehnt und seine umstrittene Atomanlage Isfahan wieder in Betrieb genommen. Der neue Staatschef der Islamischen Republik, Ahmadinedschad, ernannte zudem einen Hardliner zum neuen Atombeauftragten.

Iranische Techniker in der Anlage Isfahan: Abfuhr für die EU
AFP

Iranische Techniker in der Anlage Isfahan: Abfuhr für die EU

Teheran/Wien - Es sei "bedauerlich" , dass Iran die Arbeiten zur Uran-Konversion wieder aufgenommen habe, bevor Überwachungskameras in der Anlage Isfahan getestet werden konnten, sagte Mohamed el-Baradei, Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Allerdings seien die nach einer Vereinbarung mit der EU versiegelten Teile der Anlage noch nicht in Betrieb, teilte die Organisation mit. Der Konversionsprozess ist der letzte Schritt vor der Uran-Anreicherung. Angereichertes Uran kann zum Bau von Nuklearsprengsätzen genutzt werden. Die USA werfen Iran vor, heimlich an der Atombombe zu bauen.

In Isfahan hatten die IAEA-Inspektoren Kameras installiert, mit denen die ersten Schritte zur Uran-Anreicherung beobachtet werden sollten. Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP sah, wie Techniker in spezieller Schutzkleidung einen Behälter mit so genanntem Yellowcake öffneten.

Die iranische Regierung hatte die jüngsten EU-Pläne für ein umfassendes Kooperationsabkommen zwischen Brüssel und Teheran offiziell abgelehnt. Die Vorschläge hätten Irans Recht auf die Produktion von atomaren Brennstoffen nicht berücksichtigt, sagte Außenamtssprechers Hamid-Resa Assefi. Iran hatte den Botschafter Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens am Mittag die offizielle Antwort auf die am Freitag von der EU übermittelten Vorschläge übergeben.

Für morgen wurde am Sitz der IAEA in Wien eine Sondersitzung einberufen. Der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy sagte: "Ich hoffe, die internationale Gemeinschaft wird sich angesichts dieser von Iran vorsätzlich ausgelösten Krise einig zeigen". Der Ton des Antwortschreibens Teherans sei "besonders alarmierend» und stehe "im Widerspruch zur Geisteshaltung, in der wir in den letzten zwei Jahren den Dialog mit Iran geführt haben".

Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) rief Teheran nachdrücklich zu einer Fortsetzung der Atomverhandlungen auf. Entscheidend sei, dass die Stilllegung der Anlage in Isfahan die Grundlage für Gespräche sei, sagte Fischer. Die Verhandlungen seien zwar schwierig gewesen und seien dies nach wie vor. Es sei aber richtig, das Äußerste zu versuchen, "um eine Fehlentwicklung mit fatalen Konsequenzen zu verhindern". Die Lage sei ernst.

Verärgert zeigten sich auch die USA. Der Sprecher des US-Außenministeriums Adam Ereli kündigte an, die USA wollten mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien über eine angemessene Reaktion auf das iranische Vorgehen sprechen. Auf Fragen, ob die USA denn nun auf eine Einschaltung der Uno dringen würden, wie sie es für den Fall eines derartigen iranischen Schritts in Aussicht gestellt hatten, sagte Ereli, die Position Washingtons sei klar. Iran habe der EU und der internationalen Gemeinschaft die kalte Schulter gezeigt.

Derweil mehren sich im Uno-Hauptquartier in New York die Stimmen, die von einer Einschaltung des Weltsicherheitsrates in den Atomstreit mit Iran ausgehen. Amerikanische Diplomaten würden bereits eine Resolution zur Verurteilung Teherans ins Gespräch bringen, hieß es in Uno-Kreisen. Danach könne die Verhängung von Sanktionen folgen.

Der neue iranische Staatschef Mahmud Ahmadinedschad sorgte im Streit über das Nuklearprogramm für weiteren Konfliktstoff. Er ernannte den als Hardliner bekannten Ali Laridschani zum neuen Atombeauftragten. Laridschani war früher Leiter des staatlichen Rundfunks und ist ein enger Vertrauter des geistlichen Führers Irans, Ajatollah Ali Chamenei. Er soll den gemäßigten Hassan Ruhani ablösen, der trotz aller Rückschläge stets die Verhandlungen mit der EU in Gang gehalten hatte. Laridschani ist für seine unnachgiebige Haltung im Streit um das iranische Atomprogramm bekannt.

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