Nuklearprogramm Atombehörde kritisiert Iran scharf

"Wir drehen uns im Kreis": Die internationale Atomenergiebehörde hat ungewöhnlich direkte Kritik an der Führung in Teheran geübt. Die iranische Regierung müsse sich bewegen, sonst könne man nicht ausschließen, dass sie an Nuklearwaffen arbeite.
Atomkraftwerk in Buscher (Archivbild von 2010): IAEA kritisiert Teheran

Atomkraftwerk in Buscher (Archivbild von 2010): IAEA kritisiert Teheran

Foto: DPA

Wien - Nach zehn erfolglosen Verhandlungsrunden kommt die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) zu dem Schluss, dass die Gespräche über das umstrittene Atomprogramm Irans in der Sackgasse stecken. Die IAEA übte ungewöhnlich direkte Kritik an der Führung in Teheran. "Um ehrlich zu sein, wir drehen uns jetzt schon seit einiger Zeit im Kreis", sagte IAEA-Chef Yukiya Amano zum Auftakt der Sitzung des Gouverneursrates am Montag in Wien. Dies sei nicht der richtige Weg, um solche weltweit wichtigen Themen zu besprechen.

"Wir brauchen ohne weitere Verzögerung konkrete Ergebnisse, um das internationale Vertrauen in den friedlichen Charakter des iranischen Atomprogramms wiederherzustellen", sagte der japanische Atomchef. Bevor Iran sich nicht bewege, könne seine Behörde eine militärische Dimension des Nuklearprogramms nicht ausschließen.

Immer wieder - zuletzt am 15. Mai - hatten IAEA-Unterhändler von Teheran Zugang zu Dokumenten, Atomanlagen und beteiligten Mitarbeitern verlangt. Iran beharrt darauf, dass sein Kernforschungsprogramm allein zivilen Zwecken diene und gegensätzliche Behauptungen ausländischer Geheimdienste falsch seien. Der Westen fürchtet, dass Teheran unter dem Deckmantel angeblich friedlicher Nutzung am Bau einer Atombombe arbeitet. Weil Iran nicht ausreichend mit den IAEA-Kontrolleuren zusammenarbeitet, kann die Uno-Behörde das auch nicht mehr ausschließen.

Zuletzt waren mehrere Verhandlungsrunden auf internationaler und IAEA-Ebene ergebnislos geblieben. Das Dauerthema Iran steht auch auf der Tagesordnung des IAEA-Gouverneursrates. Dem Leitungsgremium gehören Vertreter aus 35 Staaten an. Es werden aber keine neuen Entwicklungen erwartet.

In dem Streit verhängten Uno, USA und EU mehrere Runden scharfer Wirtschaftssanktionen, um Iran zum Einlenken zu zwingen. Seit Inkrafttreten eines vollständigen Ölembargos der Vereinigten Staaten und der Europäer im vergangenen Sommer sind die iranischen Öleinnahmen nach US-Angaben drastisch eingebrochen. Um den Druck zu erhöhen, verschärften die USA am Freitag ihre Sanktionen gegen die Ölindustrie abermals.

fab/AFP/dpa
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