Verhandlungen in Genf Der Westen lobt Irans Atomvorschläge

Es ist ein erster entscheidender Schritt in den Atomgesprächen: Iran legt einen Dreistufenplan zu seinem umstrittenen Nuklearprogramm vor. Das bringt Bewegung in die festgefahrenen Gespräche mit dem Westen. Im November soll weiter verhandelt werden.

Verhandlungsführerin Ashton: Irans Vorschläge seien "wichtiger Beitrag"
AP/dpa

Verhandlungsführerin Ashton: Irans Vorschläge seien "wichtiger Beitrag"


Genf - In den Atomverhandlungen hat Teheran ein entscheidendes Zugeständnis angekündigt. Auf lange Sicht sollten unangekündigte internationale Prüfungen in den iranischen Nuklearanlagen erlaubt werden, sagte der Verhandlungsführer und Vizeaußenminister Abbas Araghchi am Mittwoch nach Abschluss der Gespräche mit den fünf Uno-Vetomächten.

Der von seiner Regierung vorgelegte Dreistufenplan sehe die spontanen Prüfungen zwar "nicht in der ersten", aber "in der letzten Stufe" vor, erklärte Araghchi in Genf. Beide Seiten zeigten sich nach dem zweitägigen Treffen in Genf zuversichtlich. Bereits für Anfang November wurde eine weitere Verhandlungsrunde angekündigt. Sie soll am 7. und 8. November stattfinden.

Vorher sei ein Treffen von Nuklearexperten, Wissenschaftlern und Fachleuten zum Thema Sanktionen geplant, sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. Sie leitet die Verhandlungen der sogenannten 5+1-Gruppe - bestehend aus den fünf Uno-Vetomächten China, Großbritannien, Frankreich, Russland, den USA plus Deutschland.

Die Gespräche wurden als wichtiger Fortschritt gewertet, nachdem die Atomverhandlungen jahrelang festgefahren waren. Bereits seit einigen Wochen nähert sich Teheran unter dem neuen Präsidenten Hassan Rohani vorsichtig dem Westen an.

"Wir wollen das nun zügig fortführen"

Das Treffen sei "sehr intensiv und wichtig" gewesen, lobte EU-Chefdiplomatin Ashton. Sie würdigte Irans Vorschläge als "wichtigen Beitrag". Am Tag zuvor hatte Teheran zwar auf seinem Recht beharrt, ein friedliches Atomprogramm einschließlich Urananreicherung zu betreiben. Iran zeigt sich aber nach eigener Darstellung bereit, die Anreicherung zu begrenzen und die Nuklearanlagen einfacher kontrollieren zu lassen. Aus Diplomatenkreisen verlautete, dass das Land zudem die Zahl der Zentrifugen für die Anreicherung beschränken wolle.

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach von ernsthaften, substantiellen Gesprächen. "Wir wollen das nun zügig fortführen", sagte er in Berlin. "Die Genfer Gespräche stärken unsere Hoffnung, dass eine diplomatische Lösung möglich ist, die unsere Sorgen über die Natur des iranischen Atomprogramms vollständig ausräumt."

Deutschland und die Vetomächte verlangen von Teheran Sicherheiten, dass Iran nicht insgeheim Atombomben baut. Die Verhandlungen in Genf gelten als Bewährungstest für den Annäherungskurs des neuen iranischen Präsidenten Rohani. Er will erreichen, dass die EU und die USA ihre Wirtschaftssanktionen schnellstmöglich aufheben. Diese hatten das Land in den vergangenen 20 Monaten in eine Wirtschaftskrise geführt.

Die Vertreter der fünf Uno-Vetomächte und Deutschland waren bei den Verhandlungen auf ein neues iranisches Team getroffen: Nicht nur die Einstellung, sondern auch die Rhetorik war dieses Mal eine andere. Es wurde sogar auf Englisch gesprochen, damit die Gespräche schneller vorangehen konnten. Die Powerpoint-Präsentation der Iraner hatte den Titel: "Beendigung einer unnötigen Krise und Eröffnung eines neuen Horizonts". Außerdem wurde erstmals eine gemeinsame Erklärung verfasst.

Lob auch aus Washington

Darüber hinaus kamen Vertreter Irans und der USA nach Angaben iranischer Medien am Dienstagabend am Rande zu bilateralen Gesprächen zusammen. Details zu der Zusammenkunft von Vizeaußenminister Abbas Araghchi und der amerikanische Staatssekretärin Wendy R. Sherman wurden nicht bekannt. Das Weiße Haus lobte am Mittwoch Teherans Vorschläge für dessen "Ernsthaftigkeit und Substanz", die bisher einzigartig seien.

Der israelische Minister für internationale Beziehungen, Juwal Steinitz, sagte in Jerusalem, sein Land sehe die neuen Gespräche "mit Hoffnung und Besorgnis". "Wir wollen nicht, dass Genf 2013 zu einem München 1938 wird."

Iranische Medien meldeten am Mittwoch zudem Entspannung zwischen Großbritannien und Iran. Beide wollten ihren diplomatischen Streit beenden. In den kommenden zwei Wochen sei geplant, dass London und Teheran diplomatische Geschäftsträger für das jeweils andere Land ernennen. Dies wird als großer Schritt gewertet, nachdem Großbritannien seine Botschaft in Teheran Ende 2011 geschlossen hatte. Das Gebäude war von islamistischen Studenten gestürmt worden. Daraufhin legte auch die iranische Botschaft in London ihre Arbeit nieder.

heb/dpa/Reuters/AFP

insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
Sgt.Moses 16.10.2013
1. die Botschaft hör ich wohl...
...allein, es fehlt der Glaube. Wer weiß, ob dies nicht nur ein Fake ist um Zeit zu gewinnen? Der kleine Kim hat's ja vorgemacht...
berti9999 16.10.2013
2.
Zitat von sysopAP/dpaEs ist ein erster entscheidender Schritt in den Atomgesprächen: Iran legt einen Dreistufenplan zu seinem umstrittenen Nuklearprogramm vor. Das bringt Bewegung in die festgefahrenen Gespräche mit dem Westen. Im November soll weiter verhandelt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/atomgespraeche-in-genf-westen-wuerdigt-irans-vorschlaege-a-928273.html
Netanjahu wird toben.
cosmoschaos 16.10.2013
3. München 1938
Höchst kontruktive Kommentierung aus Israel. Eine Entspannung scheint dort garnicht willkommen zu sein. Die verlieren sicher auch noch die letzten Sympathiesanten. Abwarten und dann Kommentieren istfüri Bibis Regierungstruppe unmöglich.
4qfghei3pers 16.10.2013
4. ... verlangen von Teheran Sicherheiten
Gute Idee, kommt aber viel zu spät. Das hätte man schon seinerzeit von Jerusalem fordern sollen, dann würde es heute in Nahost keine Atommacht geben und zu einem Nachziehen bestände keinerlei Grund. So bleibt nur wieder der Westen auf sein zweierlei Maß sitzen und wird niemals Frieden in Nahost erreichen. Gerechtigkeit schon garnicht...
spon-facebook-10000523851 16.10.2013
5. Sehr schlau...
und gerade zur rechten Zeit. In Anbetracht des derzeitigen Ansehens der USA koennten die diplomatischen Geraeusche aus Teheran nicht besser sein.
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