Atomkonflikt IAEA lehnt Hilfe bei Bau von iranischem Reaktor ab

Die Internationale Atomenergiebehörde hat einen iranischen Antrag auf technische Hilfe für den Bau eines Atomreaktors abgelehnt. Alle anderen mehr als 800 Anträge nahm der Gouverneursrat der Uno-Organisation hingegen an.


Wien - Der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wird sich auf absehbare Zeit nicht mit der iranischen Bitte um technische Hilfe beim Bau eines Atomreaktors befassen. Eine Entscheidung über die Anfrage Irans sei heute auf unbestimmte Zeit zurückgestellt worden, hieß es in Diplomatenkreisen. Der im Konsens gefasste Beschluss lasse aber die Möglichkeit offen, dass der Rat später noch einmal auf die Bitte Irans zurückkomme.

Dieses Vorgehen ist ein Novum in der Geschichte der IAEA. Das Gremium stimmt üblicherweise den Bitten um technische Unterstützung routinemäßig zu. Allerdings zeichnete sich in den vergangenen Tagen eine Ablehnung der westlichen Staaten zu dem Reaktorprojekt nahe der Stadt Arak ab, weil Iran die IAEA mehrmals hintergangen habe.

Der 40-Megawatt-Schwerwasser-Reaktor soll Iran zufolge radioaktive Isotope für medizinische Zwecke produzieren. Als Nebenprodukt entsteht dabei allerdings Plutonium, das zum Bau von Atomwaffen verwendet werden kann.

Mit der Vertagung einer Entscheidung kommt der Gouverneursrat den Bedenken von Entwicklungsländern entgegen, die befürchteten, eine Ablehnung der Bitte könnte einen Präzedenzfall schaffen. Iran erklärte, das Land werde das Projekt auf jeden Fall vorantreiben. Außenminister Manuchehr Mottaki sagte vor dem Beschluss des Gouverneursrates: "Wenn sie uns helfen, würden wir dies begrüßen, wenn nicht, werden wir es selbst machen." Experten zufolge können die medizinisch nutzbaren Produkte der Anlage auch in modernen Leichtwasserreaktoren produziert werden, ohne dass Plutonium als Nebenprodukt abfällt. Der Iran steht im Verdacht, an Atomwaffen zu arbeiten, hat selbst jedoch wiederholt erklärt, die Atomtechnik lediglich für friedliche Zwecke zu entwickeln.

ler/Reuters



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