Atomkonflikt Iran will Uno-Inspektoren in umstrittene Anlage lassen

Das Regime in Teheran beugt sich dem weltweiten Druck. Iran werde der Internationalen Atomenergiebehörde erlauben, die umstrittene Militäranlage Parchin zu inspizieren - jedoch nicht ohne vorher Bedingungen zu stellen.

Iranischer Militärstützpunkt Parchin (Archivbild): Zugang für Uno-Inspektoren
AFP/ ISIS/ DigitalGlobe

Iranischer Militärstützpunkt Parchin (Archivbild): Zugang für Uno-Inspektoren


Wien/Teheran - Nun also doch. Iran will Inspektoren der Vereinten Nationen Zugang zum Militärstützpunkt Parchin gewähren. Der iranische Gesandte bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) erklärte am Dienstag in einer Stellungnahme, es handele sich um eine Geste des guten Willens. Allerdings müssten sich beide Seiten zunächst auf die Rahmenbedingungen für die Inspektion einigen.

Die Uno-Inspektoren vermuten, dass in Parchin am geheimen Atomprogramm des Landes gearbeitet wurde. Sie gehen davon aus, dass dort eine spezielle Kammer für Sprengtests errichtet wurde. Im Februar hatte eine IAEA-Delegation in Teheran Zugang zu der Anlage gefordert, Iran lehnte dies ab. Zu der neuen Anküdigung gibt es bisher keine Stellungnahme von der IAEA.

Erst am Montag hatte sich die IAEA erneut skeptisch geäußert, ob Iran mit seinem Atomprogramm friedliche Zwecke verfolgt. Generalsekretär Yukiya Amano sagte in Wien, seine Organisation sei in "großer Sorge" und "tief beunruhigt über eine mögliche militärische Dimension des iranischen Atomprogramms".

Der Japaner verwies auf gescheiterte Versuche, Zugang zu Standorten, Dokumenten und Wissenschaftlern zu erhalten. "Trotz intensiver Diskussionen gab es keine Übereinstimmung darüber", erklärte Amano.

Teheran treibe sein Atomprogramm mit Nachdruck voran. Seit Ende des vergangenen Jahres habe Iran seine Produktion von höher angereichertem Uran verdreifacht. Seine Organisation werde aber auch in Zukunft zu einer "konstruktiven Zusammenarbeit" mit Iran bereit sein, versicherte Amano.

Parchin liegt südöstlich der Hauptstadt Teheran. Weil es sich nicht offiziell um eine Atomanlage handelt, ist Iran nicht verpflichtet, den Inspekteuren Zugang zu gewähren. Diplomaten in Wien befürchten, Iran werde Spuren verwischen, bevor die IAEA-Inspekteure Zugang erhalten. Beobachter gehen davon aus, dass Teheran der IAEA einen Besuch genehmigt, um nicht die internationalen Atomgespräche zu gefährden. Teheran will die Gespräche mit Deutschland, Großbritannien, den USA, Frankreich, Russland und China wieder aufnehmen.

Der IAEA-Gouverneursrat, in dem 35 Staaten vertreten sind, tagt eine Woche lang in Wien hinter verschlossenen Türen. Eines der Themen ist der Atomkonflikt mit Iran.

Die Atomenergiebehörde hatte in einem Bericht im November kritisiert, es gebe "glaubwürdige" Hinweise, dass in den iranischen Atomanlagen - entgegen den offiziellen Beteuerungen aus Teheran - an einem militärischen Programm gearbeitet worden sei. Vor allem westliche Staaten verdächtigen Teheran, Atomwaffen zu entwickeln. Die Staatsführung in Teheran hat dies wiederholt zurückgewiesen.

Irans Atomprogramm war auch wichtiges Thema bei dem Treffen von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit US-Präsident Barack Obama am Montag in Washington. Die USA fürchten, dass Israel in den kommenden Monaten iranische Atomanlagen angreifen könnte. Netanjahu skizziert seit Monaten entsprechende Szenarien und kam mit der Aufforderung zur Unterstützung ins Weiße Haus.

ler/Reuters/dapd

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Seite 1
de-be 06.03.2012
1.
Zitat von sysopDas Regime in Teheran beugt sich dem weltweiten Druck. Iran werde der Internationalen Atomenergiebehörde erlauben, die umstrittene Militäranlage Parchin zu inspizieren - jedoch nicht ohne vorher Bedingungen zu stellen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819625,00.html
Vielleicht ein Fehler! Die bedingungslose Erfüllung aller Forderungen war schließlich der Anfang vom Angriff auf den Irak. Bleibt nur zu hoffen, dass die iranischen Bedingungen streng genug sind, um sich ein ähnliches Schicksal, wie das Nachbarland zu ersparen.
Duzend 06.03.2012
2. Bravo! Ein Artikel wider die Einseitigkeit
Zitat von sysopDas Regime in Teheran beugt sich dem weltweiten Druck. Iran werde der Internationalen Atomenergiebehörde erlauben, die umstrittene Militäranlage Parchin zu inspizieren - jedoch nicht ohne vorher Bedingungen zu stellen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819625,00.html
Wenn ich's richtig verstanden habe, erwägt jetzt die Regierung in Teheran sogar, der IAEA Zugang zu einer Anlage zu gewähren, die streng genommen nicht dem durch den Atomwaffensperrvertrag abgedeckten Katalog angehört. Ein Erfolg für die Diplomatie oder nur eine Atempause, bis der "dringende Handlungsbedarf" an den nächst schwächeren Hinweisen, dass sie ja doch den Bau einer Bomobe verfolgen oder verfolgt haben könnten, festgemacht werden kann? Oder darf es tatsächlich soweit kommen, dass sich sogar Herr Netanjahu etwas Konstruktives einfallen lassen müsste?
Max 06.03.2012
3.
Zitat von sysopDas Regime in Teheran beugt sich dem weltweiten Druck. Iran werde der Internationalen Atomenergiebehörde erlauben, die umstrittene Militäranlage Parchin zu inspizieren - jedoch nicht ohne vorher Bedingungen zu stellen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819625,00.html
Wieso am Anfang verbieten und mit Händen und Füßen sich gegen eine Inspektion wehren, aber dann aufeinmal einen auf pseudo kooperativ machen. Würd mich nicht wundern wenn einfach Beweise woanders hin verlegt wurden und jetzt gesagt wird, seht ihr wir machen gar nichts...
de-be 06.03.2012
4.
Zitat von MaxWieso am Anfang verbieten und mit Händen und Füßen sich gegen eine Inspektion wehren, aber dann aufeinmal einen auf pseudo kooperativ machen. Würd mich nicht wundern wenn einfach Beweise woanders hin verlegt wurden und jetzt gesagt wird, seht ihr wir machen gar nichts...
genau, aber wir wissen es besser ... wenn dann nichts gefunden wird, ist das nämlich der Beweis, dass man das belastende Material weggeschafft hat ... wie im Irak!
Hermes75 06.03.2012
5.
Zitat von sysopDas Regime in Teheran beugt sich dem weltweiten Druck. Iran werde der Internationalen Atomenergiebehörde erlauben, die umstrittene Militäranlage Parchin zu inspizieren - jedoch nicht ohne vorher Bedingungen zu stellen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819625,00.html
Ich schätze mal dass jetzt wo die Wahlen im Iran vorbei sind die dortigen Machthaben die Eskalationsschraube wieder ein wenig zurück drehen wollen / müssen, weil sie gemerkt haben dass die Sache sonst außer Kontrolle gerät. Ob dies wirklich ein Sinneswandel ist muss sich erst noch zeigen.
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