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Atomkonflikt Nordkorea feuert erneut Rakete über Japan hinweg

Unbeeindruckt von den neuen Uno-Sanktionen hat das Regime in Pjöngjang erneut eine Rakete abgefeuert. Sie flog über Japan und stürzte dann in den Pazifik. Südkorea reagierte mit einer eigenen Raketenübung.

Nordkorea hat erneut eine Rakete über Japan hinweg getestet. Sie habe um 7.06 Uhr Ortszeit die Insel Hokkaido in Richtung Pazifik überflogen, teilte die japanische Regierung mit. Anschließend sei die Rakete rund 2000 Kilometer östlich von Hokkaido im Meer gelandet. In mehreren Regionen der nördlichen Insel sei das Raketenwarnsystem ausgelöst worden.

Kurz zuvor hatte auch die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap einen erneuten Raketentest Nordkoreas gemeldet. Die Rakete sei nach dem Start in der Gegend um die Hauptstadt Pjöngjang etwa 3700 Kilometer weit geflogen, teilte der Generalstab der südkoreanischen Armee mit. Der Flugkörper habe eine maximale Flughöhe von 770 Kilometern erreicht.

Das US-Pazifikkommando teilte mit, es habe sich ersten Einschätzungen zufolge um eine ballistische Mittelstreckenrakete gehandelt. Diese habe nach Angaben des Nordamerikanischen Raketenabwehrkommandos keine Gefahr für die Vereinigten Staaten oder die US-Stützpunkte auf der Pazifikinsel Guam dargestellt.

US-Außenminister Rex Tillerson sagte, "diese anhaltenden Provokationen vertiefen nur die diplomatische und wirtschaftliche Isolation" Nordkoreas. Er forderte härtere Maßnahmen gegen das Regime, auch über die Uno-Resolutionen hinaus, und nannte explizit zwei Länder: "China liefert Nordkorea den größten Teil ihres Öls." Russland sei der größte Arbeitgeber für nordkoreanische Zwangsarbeiter. Tillerson rief beide Länder auf, die Raketentests Nordkoreas zu verurteilen und Maßnahmen zu ergreifen.

Der amerikanische Verteidigungsminister James Mattis sprach von einem "rücksichtslosen Akt". Millionen Japaner seien in Alarmbereitschaft versetzt worden. Über eine militärische Reaktion der USA wollte Mattis nichts sagen. US-Präsident Donald Trump sei über den Vorfall informiert worden.

Bereits Ende August hatte Pjöngjang eine Rakete über Japan hinweg abgefeuert und damit international scharfe Kritik ausgelöst. Auch jetzt warf die japanische Regierung Nordkorea eine Provokation vor. Südkoreas Streitkräfte reagierten mit einer eigenen Raketenübung: Dabei seien Raketen ins Japanische Meer (Ostmeer) geschossen worden, hieß es. Die Regierung in Seoul berief zudem eine Sitzung des nationalen Sicherheitsrats ein.

Erst am vergangenen Montag hatte der Uno-Sicherheitsrat einstimmig härtere Sanktionen gegen Nordkorea beschlossen. Gaslieferungen wurden untersagt, Öllieferungen eingeschränkt und der Export von Textilien verboten. Die Verschärfung der Strafmaßnahmen war eine Reaktion auf den sechsten und bislang stärksten nordkoreanischen Atomtest am 3. September.

Nordkorea hatte daraufhin erst den USA und zuletzt auch Japan gedroht. Man werde Japan mit einer Atombombe "versenken", zitierte die amtliche Nachrichtenagentur KCNA aus einer Mitteilung des nordkoreanischen Friedenskomitees für Asien und Pazifik. Darin hieß es auch: "Japan muss nicht länger in unserer Nähe existieren." Nordkorea forderte zudem die Auflösung des Uno-Sicherheitsrats, bei dem es sich um ein "Werkzeug des Teufels" handle. Die USA sollten "auf Asche und Dunkelheit reduziert" werden.

Der Sicherheitsrat setzte nun für Freitag eine Dringlichkeitssitzung an. Das Gremium werde um 15 Uhr Ortszeit beraten, teilte die äthiopische Vertretung bei der Uno mit, die diesen Monat den Vorsitz im Sicherheitsrat hat.

aar/dpa/Reuters/AFP
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