Atomkonflikt Südkorea wirft Nordkorea neue Waffentests vor

Nordkorea hat offenbar mehrere Kurzstreckenprojektile abgefeuert. Die Geschosse stürzten ins Meer. Versucht Pjöngjang, in den festgefahrenen Atomverhandlungen den Druck auf die USA zu erhöhen?

Nachrichtensendung auf einem Bahnhof in Seoul über Raketenstart Nordkoreas
DPA

Nachrichtensendung auf einem Bahnhof in Seoul über Raketenstart Nordkoreas


Inmitten der festgefahrenen Verhandlungen mit den USA über sein Atomwaffenprogramm will Nordkorea offenbar militärische Stärke demonstrieren: Das nordkoreanische Militär habe am Samstagmorgen im Rahmen eines Waffentests mehrere "Projektile" von kurzer Reichweite in Richtung offenes Meer abgefeuert, teilte der Generalstabschef der südkoreanischen Streitkräfte mit.

Die Geschosse flogen demnach 70 bis 200 Kilometer weit und stürzten ins Ostmeer beziehungsweise Japanische Meer. Sie seien zwischen 09.06 Uhr und 09.27 Uhr Ortszeit abgefeuert worden. Zunächst hatte der südkoreanische Generalstab von einer "unidentifizierten Kurzstreckenrakete" gesprochen.

Die US-Regierung nahm zunächst nicht inhaltlich Stellung dazu. Man habe die Aktionen Nordkoreas wahrgenommen, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders. Die Lage werde weiter beobachtet.

Der letzte nordkoreanische Raketentest erfolgte im November 2017. Im vergangenen Jahr nahm Nordkorea keinen Raketen- oder Atomtest vor, stattdessen fanden erstmals Gipfeltreffen zwischen dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump sowie mit Südkoreas Präsident Moon Jae In statt.

Keine konkrete Abmachung über Abrüstung

Kim hatte sich bei einem Gipfeltreffen mit Trump im vergangenen Jahr in Singapur grundsätzlich auf eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel verständigt. Bei ihrem zweiten Gipfel im Februar in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi trafen Kim und Trump dann jedoch keine Abmachung über konkrete Schritte zur atomaren Abrüstung. Nordkorea hatte eine Aufhebung der Sanktionen gefordert, über eine Gegenleistung Pjöngjangs wurde aber keine Einigung erzielt.

Im April erklärte Kims Regierung, nicht länger mit US-Außenminister Mike Pompeo als Verhandlungsführer über ihr Atomprogramm sprechen zu wollen. Sie warf Pompeo vor, die Gespräche zu behindern. Pompeo wies dies zurück.

Mit den am Samstag abgefeuerten Geschossen verletzt Kim nicht das selbst auferlegte Moratorium. Dieses gelte nur für Interkontinentalraketen", sagte der Nordkorea-Experte Ankit Panda. Dennoch kann der aktuelle Raketentest als Herausforderung an US-Präsident Donald Trump gewertet werden.

lov/AFP/dpa



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