Atomkonflikt USA wollen direkt mit Iran verhandeln

Die USA sind unter bestimmten Bedingungen bereit, zusammen mit den drei EU-Staaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien direkt an Gesprächen mit Iran über das Atomprogramm des Landes teilzunehmen. Dies kündigte Außenministerin Condoleezza Rice heute an.


Hamburg - Voraussetzung für direkte Gespräche sei, dass Iran seine Versuche zur Urananreicherung aussetze, so Condoleezza Rice in Washington.

Zu der diplomatischen Kehrtwende sagte Rice, die USA wünschten eine "neue und positive Beziehung" zu Iran. Die Islamische Republik gehe das Risiko "großer Kosten" ein, sollte sie Atomwaffen anstreben, setzte Rice hinzu.

Die US-Regierung lehnte bisher direkte Verhandlungen mit Iran ab, unterstützte aber die Initiativen Russlands und des EU-Trios aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien, mit denen die Führung in Teheran zum Verzicht auf ihre umstrittene Urananreicherung bewegt werden soll.

In den vergangenen Wochen verstärkten sich allerdings die Rufe nach einer direkten Beteiligung der USA an den Gesprächen der anderen Länder mit Iran. Am Donnerstag wollen die Außenminister der fünf Vetomächte im Uno-Sicherheitsrat und Deutschlands in Wien über neue Vorschläge des EU-Trios beraten, Iran mit einer Mischung aus Anreizen und Drohungen zum Einlenken zu bewegen.

Die USA und Iran unterhalten seit 27 Jahren keine diplomatischen Beziehungen mehr.

Steinmeier in Wien

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) wird morgen mit den fünf Vetomächten im Uno-Sicherheitsrat in Wien das weitere Vorgehen im Streit über das iranische Atomprogramm abstimmen. Die Ministerrunde will ein Kooperationspaket für die künftige Zusammenarbeit mit Iran erörtern und zugleich weitere Maßnahmen im Uno-Sicherheitsrat besprechen, wie Außenamtssprecher Martin Jäger in Berlin mitteilte.

An dem Treffen nehmen die Außenminister der sogenannten EU-3-Gruppe (Deutschland, Großbritannien, Frankreich) sowie der USA und Russlands und der Vize-Außenminister Chinas teil. "Wir gehen mit einem gewissen Optimismus in die Gespräche", sagte Jäger. Die EU-3-Länder arbeiten derzeit an den Details eines "Anreizpakets" für den Fall, dass Teheran Forderungen nach einer Suspendierung der Uran- Anreicherung erfüllt und alle offenen Fragen zu seinem Atomprogramm beantwortet.

Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) forderte die USA zu direkten Verhandlungen mit Teheran auf. Die US-Regierung müsse die Führung der westlichen Initiative übernehmen und im Erfolgsfall auch zu entsprechenden Garantien bereit sein, schrieb Fischer in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung". Zugleich warb er für ein umfassendes US-europäisches Angebot an Teheran für eine "Große Abmachung" ("Grand Bargain"), die neben einem Verzicht auf die Urananreicherung auch Sicherheitsgarantien umfassen müsse.

asc/AFP/Reuters/dpa



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