SPIEGEL ONLINE

Atompläne Nordkorea will Kernreaktor von Yongbyon hochfahren

Pjöngjang will sein Atomprogramm nach vorn peitschen. Das Regime kündigt an, den Reaktor in der Anlage von Yongbyon nach sechs Jahren wieder in Betrieb zu nehmen. Dort war das Plutonium für den ersten Nukleartest 2006 gewonnen worden. Die USA verstärken ihre Truppen in der Region.

Pjöngjang - Die passenden warmen Worte hat Machthaber Kim Jong Un schon gefunden, nun lässt sein Regime offenbar Taten folgen. Vor hohen Politikern hatte der Diktator die nukleare Bewaffnung seines Landes als "friedensstiftende" Grundlage für "Frieden und Wohlstand" bezeichnet. Nun hat Nordkorea die Wiederinbetriebnahme seines Atomreaktors in Yongbyon angekündigt.

Wie die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur am Dienstag meldete, sollen sämtliche Anlagen in Yongbyon "nachjustiert und neu gestartet" werden. Ein Atomenergiesprecher sagte, die Maßnahme sei Teil einer Politik der "qualitativen und quantitativen Stärkung der atomaren Streitkraft". Außerdem diene sie dazu, die "akute" Energielücke mit ihren Stromausfällen zu schließen.

Der knapp hundert Kilometer nördlich der Hauptstadt Pjöngjang gelegene Reaktor war im Sommer 2007 nach Verhandlungen der Sechser-Gruppe (Nord- und Südkorea, China, Japan, Russland und die USA) abgeschaltet worden. Dies hatte die Internationale Atomenergiebehörde damals bestätigt. Später war sogar ein Kühlturm der Anlage medienwirksam gesprengt worden. Seit längerem registrieren Beobachter auf dem Gelände jedoch Bauarbeiten und Instandsetzungen.

In Yongbyon wurde Plutonium produziert, das Nordkorea für seinen ersten Atomwaffentest im Oktober 2006 nutzte.

Fotostrecke

Yongbyon: Nordkoreas umstrittener Atomkomplex

Foto: REUTERS/Kyodo

Die Ankündigung aus Pjöngjang ist das neueste Kapitel einer ganzen Serie von Drohungen und Gegendrohungen zwischen Nordkorea sowie dem Süden und den USA auf der anderen Seite. Derzeit baut Washington seine militärische Schlagkraft in der Region massiv aus. Neben hochmodernen Kampfflugzeugen mit Tarnkappentechnik schickt das US-Militär Medienberichten zufolge auch einen mit Raketen bestückten Zerstörer ins Konfliktgebiet.

US-Zerstörer kreuzen vor der koreanischen Halbinsel

Die U.S.S. "McCain" sei in die Gewässer vor der Halbinsel verlegt worden, sagte ein Vertreter des Pentagon, der anonym bleiben wollte. Das Schiff sei in der Lage, Raketen abzuwehren und zu zerstören. Es sei nicht geplant, dass sich der Zerstörer an Manövern beteilige, so das US-Verteidigungsministerium. In der Region laufen seit Wochen großangelegte Militärübungen, an denen sich südkoreanische und amerikanische Einheiten beteiligen.

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass die U.S.S. "Fitzgerald", ebenfalls ein Zerstörer, vor der koreanischen Halbinsel kreuzt. Das Schiff war wegen des gemeinsamen Militärmanövers in der Region und wurde nun angewiesen, doch nicht in den Heimathafen in Japan zurückzukehren. Schon bald sollen weitere Schiffe folgen, so die Pentagon-Quelle.

Zudem solle ein schwimmendes Überwachungsradar näher an die nordkoreanische Küste herangebracht werden. Das SBX-1-System, das einer großen Ölbohrplattform ähnelt, soll helfen, den Luftraum über dem Krisengebiet besser zu überwachen. Mit dem Hightech-Gerät könnten etwa Raketenabschüsse aus dem Norden registriert werden.

jok/AFP/dpa