Atomprogramm Ahmadinedschad nennt Gegner Irans "geisteskrank"

Im Streit um das iranische Atomprogramm hat Präsident Ahmadinedschad erneut zu einer verbalen Attacke ausgeholt: Die Gegner der iranischen Nukleartechnik seien "geisteskrank". Zudem will der iranische Regierungschef erneut einen Brief gen Westen schicken. Empfänger: der Papst.


Teheran - Wer sich gegen den Fortschritt anderer Völker ausspreche, sei "geisteskrank" und müsse sich behandeln lassen, sagte Ahmadinedschad heute der Nachrichtenagentur Isna zufolge bei einer Rede im Bezirk Sarandieh. Seine Regierung befinde sich "mit niemandem" im Konflikt, werde aber weiter auf dem Recht einer eigenen Nuklearforschung beharren. "Milliarden Menschen auf der ganzen Welt" hätten die Erfolge des iranischen Atomprogramms gefeiert, betonte Ahmadinedschad mit Blick auf die vor einigen Monaten wiederaufgenommene Urananreicherung, die von den USA und der EU scharf kritisiert wird.

Mahmud Ahmadinedschad: Erst Post an Bush, bald an den Papst
AP/ Mehr News

Mahmud Ahmadinedschad: Erst Post an Bush, bald an den Papst

Bereits am Mittwoch hatte der iranische Staatschef die von der EU angekündigten Anreize verhöhnt, mit denen Teheran zum Stopp der Urananreicherung bewegt werden soll. "Sie glauben, sie können unser Gold bekommen und uns im Tausch dafür ein paar Nüsse und Schokolade geben", sagte er in einer Rede.

Zeitungsberichten zufolge will  Ahmadinedschad an Papst Benedikt XVI. schreiben. Der Brief sei noch in Arbeit und werde in den nächsten Tagen abgeschickt, berichtete heute die  Tageszeitung "Dschomhuri-je Eslami", die dem religiösen Oberhaupt des schiitischen Staates, Ajatollah Ali Chamenei nahe steht. Das Blatt machte keine Angaben zum Inhalt des Schreibens, stellte ihn aber in einen Zusammenhang mit dem Aufsehen erregenden Brief Ahmadinedschads an US-Präsident George W. Bush in der vergangenen Woche. Der iranische Präsident hatte darin die christlichen Grundlagen seines Amtskollegen in Frage gestellt und die US-Außenpolitik im Nahen Osten kritisiert.

Trotz der unnachgiebigen Haltung Irans bleibt Russland in der Frage internationaler Sanktionen gegen Iran weiter skeptisch. Außenminister Sergej Lawrow habe die ablehnende Haltung seines Landes bei einem Treffen mit EU-Abgeordneten bekräftigt, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Elmar Brok, heute. Lawrow habe in der Anhörung hinter verschlossenen Türen in Straßburg erklärt, er glaube weiter nicht an den Erfolg von Sanktionen des Uno-Sicherheitsrats. Allerdings habe der Minister zugleich betont, dass Russland auch eine Urananreicherung im Iran ablehne.

Die USA haben heute vorgeschlagen, die Produktion von spaltbarem Material für den Bau von Atomwaffen weltweit durch einen Vertrag zu verbieten. US-Staatssekretär Stephen Rademaker sagte auf der  Genfer Uno-Abrüstungskonferenz, über den Entwurf solle rasch verhandelt werden, damit eine Einigung über den Vertrag bis zum Jahresende erzielt werden könne. Bestehende Arsenale wären von dem US-Vorschlag jedoch nicht betroffen. Die fünf offiziellen Atommächte USA, Großbritannien, China, Frankreich und Russland haben sich gegen entsprechende Forderungen von Entwicklungsländern ausgesprochen. Die 65 Teilnehmerstaaten der Abrüstungskonferenz beraten derzeit in einer Sondersitzung über Wege, wie die Produktion hoch angereicherten Urans und Plutoniums verhindert werden kann.

Ein für Freitag geplantes Treffen der Europäischen Union, der USA, Chinas und Russlands zum Atomstreit mit Iran wurde mit der Begründung verschoben, das Angebot des europäischen Verhandlungstrios aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien müsse noch genauer vorbereitet werden. Die EU und die USA fürchten, Iran könnte unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms an einer Atombombe arbeiten.

ler/AFP/Reuters/AP



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