Atomprogramm Iran experimentierte bis 1998 mit Plutonium

Die Spekulationen über die Atombombenambitionen Irans haben neue Nahrung erhalten. Die Führung in Teheran hat zugegeben, wesentlich länger als bislang bekannt Plutonium verarbeitet zu haben.


Wien - Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) habe mit der iranischen Führung die Daten zurückverfolgt, zu denen Experimente betrieben worden seien. Dabei habe Iran zugegeben, noch im Jahr 1998 Plutonium gereinigt zu haben, hieß es in einem Redemanuskript der in Wien ansässigen Behörde, das der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Bislang hatte Iran erklärt, die Experimente schon 1993 eingestellt zu haben.

"Wenn sie gelogen haben, dann weiß die IAEA, dass das Auswirkungen hat", sagte ein Diplomat aus dem Umfeld der Organisation. "Die Behörde will wissen, dass sie die Wahrheit sagen" und nicht an einer Atombombe bauten.

Bei dem Manuskript handelte es sich um eine Rede, die der stellvertretende Sicherheitschef Pierre Goldschmidt vor dem IAEA-Gouverneursrat halten sollte.

Unterdessen kündigte Akbar Haschemi Rafsandschani an, sein Land werde sich künftig an die Verpflichtungen, die aus seinem Atomprogramm entstehen, gegenüber der IAEA halten. Rafsandschani ist der Favorit für die Präsidentschaftswahl, Dies sei ein kollektiver Beschluss der Führung in Teheran, sagte Rafsandschani in einem Interview des britischen Senders BBC. "Möglicherweise hat Iran nicht immer über seine Aktivitäten berichtet, aber seit Iran seine Arbeit bekannt gemacht hat, ist alles transparent geschehen", versicherte er. Daran werde sich nichts ändern, gleichgültig, ob er gewählt werde oder nicht.

IAEA-Generaldirektor Mohammed el-Baradei hatte Iran gestern in seinem Jahresbericht vor dem Gouverneursrat aufgefordert, mehr zur Aufklärung der noch offenen Fragen im Zusammenhang mit seinem fast 20 Jahre geheimen Atomprogramm beizutragen.

Die iranische Regierung wird ihre Verhandlungen mit der EU voraussichtlich im Juli fortsetzen. Die EU möchte erreichen, dass Teheran seine umstrittenen Pläne zur Urananreicherung dauerhaft aufgibt. Hoch angereichertes Uran kann sowohl zur Energiegewinnung, als auch zum Bau von Atomwaffen verwendet werden.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.