Atomprogramm Iran orderte 100.000 Magneten für Zentrifugen

Geheime Frachtpapiere belegen: Iran hat versucht, eine gigantische Bestellung für Spezial-Magneten in China aufzugeben. Die Bauteile würden laut "Washington Post" für bis zu 50.000 Zentrifugen reichen - und die Atompläne des Landes beschleunigen. Ob die Lieferung ausgeführt wurde, ist unklar.
Zentrifugen in Atomanlage in Natans (Archivbild): Brisante Order in China

Zentrifugen in Atomanlage in Natans (Archivbild): Brisante Order in China

Foto: DPA/ IRIB

Washington/Teheran - Die Veröffentlichung kommt zu einem brisanten Zeitpunkt. Gerade verhandelt Iran mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) über eine neue Annäherung im Streit über das Atomprogramm des Landes. Nun zeigen interne Papiere: Das Regime in Teheran hat noch vor knapp einem Jahr in China 100.000 hochspezielle Magneten für den Bau von Zentrifugen bestellt.

Wie die "Washington Post" berichtet , hätten die Bauteile für die Konstruktion von bis zu 50.000 Zentrifugen gereicht. Diese sind entscheidend für die Produktion von angereichertem Uran. Bisher gehen die Beobachter davon aus, dass das Regime in Teheran nur rund 10.000 Zentrifugen zur Verfügung hat.

Aus dem Bericht geht nicht hervor, ob die Teile auch tatsächlich geliefert wurden. Das Ausmaß der Order belegt jedoch, wie intensiv das Regime offenbar versucht, sein Atomprogramm voranzutreiben. "Sie positionieren sich, um schnell Fortschritte zu machen", zitiert das Blatt einen europäischen Diplomaten, der allerdings nicht namentlich genannt wird.

Der Kauf solcher Teile ist Iran unter den derzeit geltenden internationalen Sanktionen nicht erlaubt.

Das Land betont immer wieder, die Nukleartechnik nur für zivile Zwecke und nicht etwa zur atomaren Bewaffnung einsetzen zu wollen. Am Dienstag hatte ein Sprecher der Regierung sogar ein weltweites Verbot von Kernwaffen verlangt. Die friedliche Absicht wird im Westen jedoch massiv angezweifelt. Besonders Israel fürchtet eine Atommacht im nahen Iran.

Konkret könnten die Magneten in Zentrifugen des Typs IR-1 eingesetzt werden. Davon stehen rund 10.000 in der Atomanlage in Natans. Rund 2800 weitere nahe der Stadt Ghom sind derzeit offenbar noch nicht einsatzfähig. Die Bestellung, die Ende 2011 aufgegeben wurde, könnte diese Zahl dramatisch nach oben schnellen lassen.

Laut den Dokumenten, die zuerst vom Institute for Science and International Studies abgefangen wurden , stammt die Order von einem Geschäftsmann in der Stadt Schiras im Südwesten des Landes. Er gibt an, die Magneten seien für "ein neues Projekt in einer großen Fabrik in Südiran" gedacht. Es folgen sehr spezifische Angaben über Abmessungen und Beschaffenheit der Bauteile. Ein Teil dieser Daten ist in den vorliegenden Dokumenten jedoch geschwärzt.

Nach Angaben von Olli Heinonen, bis 2010 als IAEA-Beobachter für Iran zuständig, entsprechen die georderten Teile der Spezifikation für IR-1-Zentrifugen. "Die Nummern ergeben Sinn, weil Iran in der Vergangenheit schon einmal von 50.000 Zentrifugen gesprochen hat", so Heinonen. Laut dem Inspektor fallen rund zehn Prozent der Anlagen jedes Jahr aus, so dass ein Teil der Magneten als Ersatzteile geordert worden sein dürfte.

Erst Ende Januar 2013 hatte Iran zudem angekündigt, auch Zentrifugen vom Typ IR-2m einsetzen zu wollen. Diese stellen eine technische Weiterentwicklung der IR-1 dar und sind wesentlich zuverlässiger.

Von einer Einigung im seit Jahren schwelenden Atomstreit sind Iran und die IAEA auch nach dem jüngsten Verhandlungsmarathon offenbar noch weit entfernt. Am Donnerstag gab die Atombehörde bekannt, dass die Gespräche mit Teheran zwar fortgesetzt würden. Das Regime brauche aber noch Zeit, um über sein weiteres Vorgehen zu entscheiden.

jok
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