Atomprogramm Iran prahlt mit neuen Zentrifugen

Iran will seine umstrittene Urananreicherung ausweiten - und macht jetzt offenbar Ernst. Das Außenministerium in Teheran erklärte, man nutze schnellere und modernere Zentrifugen, die den Prozess beschleunigten. "Ein großer Fortschritt", brüstet sich ein Regierungsvertreter.

Iranische Atomanlage Buschehr: "Fortschritte bei der Urananreicherung"
AFP

Iranische Atomanlage Buschehr: "Fortschritte bei der Urananreicherung"


Teheran - Mit neuen Zentrifugen will die iranische Regierung ihr Atomprogramm vorantreiben. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ramin Mehmanparast, erklärte am Dienstag, das Land habe jetzt effizientere Maschinen eingeführt. Diese könnten den Prozess der Urananreicherung beschleunigen.

Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge könnte es sich dabei um zwei modernere Modelle von Zentrifugen handeln, die nun in großem Stil in einer Forschungsanlage getestet werden. "Mit den neuen Zentrifugen haben wir einen Fortschritt erzielt", sagte Mehmanparast. In welcher Anlage die Geräte in Betrieb genommen werden sollen, erklärte er nicht. Iran verfügt derzeit über rund 8000 Zentrifugen der ersten Generation zur Urananreicherung in seiner Anlage in Natans im Zentrum des Landes. Mehmanparast beharrte darauf, dass das Land sein Atomprogramm lediglich zu friedlichen Zwecken nutze.

Mit dieser Begründung hat sich Teheran bislang stets geweigert, sein Programm zu stoppen. Der Brennstoff werde für die Stromgewinnung oder für einen medizinischen Forschungsreaktor gebraucht, argumentierte das Regime. Für die Verwendung in Nuklearwaffen wäre ein noch höherer Anreicherungsgrad nötig. Experten befürchten aber, dass das islamische Land durch die immer höhere Anreicherung wichtiges Wissen und Erfahrungen dafür sammelt.

"Teheran muss mit uns besser kooperieren"

Westliche Staaten verdächtigen Iran daher, an einem geheimen militärischen Atomprogramm zu arbeiten. Der Uno-Sicherheitsrat forderte das Land 2006 in einer Resolution auf, die Anreicherung von Uran einzustellen. Seitdem streitet die internationale Gemeinschaft mit Iran über dessen Nuklearprogramm.

Das Regime in Teheran weist die Vorwürfe zurück. Regierungschef Mahmud Ahmadinedschad sagte Anfang Juli, Atomwaffen seien etwas für zurückgebliebene Leute. Diese Aussage dürfte Kritiker allerdings kaum beruhigen.

Denn Anfang Juni hatte die iranische Regierung angekündigt, trotz der internationalen Kritik die Urananreicherung massiv ausweiten zu wollen. Ziel sei es, die Kapazitäten zur Herstellung auf 20 Prozent angereicherten Urans zu verdreifachen, kündigte der Chef des iranischen Atomprogramms, Fereidun Abbassi Dawani, an. Dazu solle die Produktion von Natans in die neue Atomanlage Fordo verlagert werden.

Die Europäische Union hatte mit Sorge reagiert, auch aus den USA kam scharfe Kritik. Man nehme die Ausweitung der Anreicherung sehr ernst, hieß es. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte bereits mehrfach Strafen gegen Iran erlassen, weil das Land seit Jahren nicht ausreichend mit den internationalen Inspekteuren zusammenarbeite. Im Gespräch mit dem SPIEGEL sagte der Chef der IAEA-Nuklearwaffenkontrolleure, Yukiya Amano: "Iran ist ein schwieriger Fall." Man wisse noch immer zu wenig über Teherans nukleare Aktivitäten, erklärte er im Januar. "Es stehen weiterhin Antworten auf unsere Fragen aus. Deshalb sagen wir deutlich: Teheran muss mit uns besser kooperieren."

kgp/Reuters/AP



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kaiserjohannes 19.07.2011
1. Wahnsinn
Nach Fukuschima und wenn man bedenkt auf welch ungeheure fossile Energiereserven der Iran (Erdbebengebiet) sitzt, wird die angeblich "friedliche" Nutzung der Atomkraft, immer unglaubwürdiger. Die armen Iraner werden einen sehr hohen Preis für den religiösen Wahnsinn ihrer Führung zahlen müssen.
Alberon 19.07.2011
2. Na und
Wo ist das Problem, Israel hat auch Atomwaffen. Wurde uns nicht immer gesagt Abschreckung durch Gleichstand.
alfredoneuman 19.07.2011
3. Schlichte Weltsicht
Zitat von AlberonWo ist das Problem, Israel hat auch Atomwaffen. Wurde uns nicht immer gesagt Abschreckung durch Gleichstand.
So erklärt sich Simpelmann die Welt. Israel muss nicht abgeschreckt werden. Es ist die iranische Führung die aus ideologischen Gründen, Vernichtungsphantasien gegenüber Israel hegt.
Alborz, 19.07.2011
4. Re
Zitat von sysopIran will seine umstrittene Urananreicherung ausweiten - und macht jetzt offenbar Ernst. Das Außenministerium in Teheran erklärte, man nutze neue neue und modernere Zentrifugen, die den Prozess beschleunigten. "Ein großer Fortschritt", brüstet sich ein Regierungsvertreter. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,775223,00.html
Nur unter so einen entschlossene / Energischen Regierung könnte solche fortschritte in Nuklear und Raumfahrt,Rüstung, Gentechnik und viele andere Technologiebereiche erzielt werden.
J4cky 19.07.2011
5. ...
Zitat von kaiserjohannesNach Fukuschima und wenn man bedenkt auf welch ungeheure fossile Energiereserven der Iran (Erdbebengebiet) sitzt, wird die angeblich "friedliche" Nutzung der Atomkraft, immer unglaubwürdiger. Die armen Iraner werden einen sehr hohen Preis für den religiösen Wahnsinn ihrer Führung zahlen müssen.
Tja, wenn es denn wenigstens gut gemacht wäre ... Baubeginn dieses Kraftwerkes war 1975! Die alten Fundamente etc. wurden sicher nicht zu 100% ausgetauscht in der ganzen Zeit. Das neue Kraftwerk ist sicher nicht besser als Biblis. Aber was solls ... nicht unser Problem.
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