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22. August 2011, 14:46 Uhr

Atomprogramm

Iran schafft Zentrifugen in unterirdische Bunker

Das iranische Atomprogramm läuft offenbar auf Hochtouren: Die Regierung in Teheran hat verkündet, erste Zentrifugen in einem neuen Bunkersystem zu installieren. Die Existenz der Anlage hatte das Regime erst zugegeben, als westliche Geheimdienste sie entdeckt hatten.

Teheran - Iran weitet sein umstrittenes Atomprogramm aus: Ungeachtet internationaler Kritik hat die Islamische Republik mit der Verlagerung von Zentrifugen zur Urananreicherung in Bunker begonnen.

Einige Zentrifugen seien bereits aus der alten Anlage Natans im Zentrum des Landes in der neuen Atomanlage Fordo eingetroffen, teilte der Chef der iranischen Atombehörde, Feridun Abbasi Dawani, im staatlichen Fernsehen mit.

Die Regierung in Teheran hatte den Schritt im Juni zusammen mit einem deutlichen Ausbau der Urananreicherung angekündigt. Ziel sei es, die Kapazitäten zur Herstellung auf 20 Prozent angereicherten Urans zu verdreifachen, hatte Abbassi Dawani damals erklärt. Das Regime prahlte mit besseren Zentrifugen, die den Prozess enorm beschleunigen würden.

Regime leugnete Existenz der neuen Anlage zunächst

Die neue Anlage Fordo wurde im Norden des Landes in einem Bergbunker gebaut. Iran hat die Existenz der Anlage erst eingestanden, als westliche Geheimdienste sie entdeckt hatten. Das Regime wird verdächtigt, unter dem Deckmantel der zivilen Atomnutzung Kernwaffen zu entwickeln. Das Außenministerium wehrt sich seit dem Start des Programms gegen diese Vorwürfe.

Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ramin Mehmanparast, beharrt darauf, dass das Land sein Atomprogramm lediglich zu friedlichen Zwecken nutze. Mit dieser Begründung hat sich Teheran trotz internationaler Kritik bislang geweigert, sein Programm zu stoppen. Der Brennstoff werde für die Stromgewinnung oder für einen medizinischen Forschungsreaktor gebraucht, argumentierte das Regime.

Ende Mai veröffentlichte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) Zahlen, denen zufolge das Land bislang mehr als vier Tonnen schwach angereicherten Urans und rund 60 Kilogramm auf 20 Prozent angereicherten Urans besitzt. Das angereicherte Uran kann sowohl in Atomkraftwerken zum Einsatz kommen als auch zum Bau von Atomwaffen verwendet werden.

dis/Reuters/AFP

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