Umstrittenes Atomprogramm Iran will offenbar direkt mit den USA verhandeln

Vier Jahre soll sondiert worden sein, nun scheint der Durchbruch geschafft: Iran will laut "New York Times" erstmals direkt mit den USA über sein umstrittenes Atomprogramm verhandeln. Washington äußert sich zurückhaltend zu dem Bericht..

Zentrifugen in der Atomanlage in Nathans: Iran ist offenbar zu Gesprächen mit USA bereit
DPA

Zentrifugen in der Atomanlage in Nathans: Iran ist offenbar zu Gesprächen mit USA bereit


Washington - Iran hat nach einem Bericht der "New York Times" erstmals direkten Gesprächen mit den USA über sein umstrittenes Atomprogramm zugestimmt. Die bilateralen Gespräche könnten auf Wunsch Irans aber erst nach den amerikanischen Präsidentschaftswahlen im November stattfinden, meldete die Zeitung am Samstag unter Bezug auf hochrangige Mitarbeiter der US-Regierung.

Die Übereinkunft sei das Ergebnis geheimer Verhandlungen von iranischen und amerikanischen Diplomaten, die schon seit Anfang der Präsidentschaft Barack Obamas vor rund vier Jahren laufen sollen.

Die US-Regierung wies den Bericht zurück. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Tommy Vietor, erklärte in der Nacht zum Sonntag in Washington: "Es ist nicht wahr, dass sich die USA und der Iran auf direkte Gespräche oder irgendein anderes Treffen nach den Wahlen in Amerika verständigt haben." Man arbeite bei der Suche nach einer diplomatischen Lösung weiter mit dem Uno-Sicherheitsrat und Deutschland zusammen. Grundsätzlich seien die USA zu bilateralen Treffen bereit.

Israel und der Westen verdächtigen Teheran seit langem, unter dem Deckmantel ziviler Forschung heimlich an Kernwaffen zu arbeiten. Die iranische Führung bestreitet dies hartnäckig - und betont immer wieder ihr Recht auf die zivile Nutzung der Kernenergie.

Die internationalen Verhandlungen mit Iran über das Atomprogramm stocken seit langem, was vor allem an der unbeweglichen Haltung der iranischen Führung liegt. Die EU verhängte im Atomstreit erst vor wenigen Tagen weitere Sanktionen gegen das Regime in Teheran.

Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte sich noch Anfang des Monats auf einer vom Staatsfernsehen übertragenen Pressekonferenz unbeeindruckt vom wirtschaftlichen Druck des Westens gezeigt: Teheran werde an seinem Nuklearprogramm festhalten, sagte er. "Wenn einige glauben, sie könnten Iran unter Druck setzen, dann täuschen sie sich und sollten ihre Haltung korrigieren. Wir sind kein Volk, das bei der Nuklearfrage einen Rückzieher macht."

aar/dpa/Reuters



insgesamt 48 Beiträge
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ChocolinoR 21.10.2012
1. Zeitspiel
und wieder spielt Iran auf Zeit.... *gähn*
raskolnikov.. 21.10.2012
2. Wollte Iran....
....nicht schon lange auf Augenhöhe mit den USA verhandeln?
Leserbrief 21.10.2012
3. Bla Bla
Spielen auf Zeit... Das Nuklearprogramm ist elementarer Bestandteil des Regimes.
rwschuster 21.10.2012
4. haleluia
ich glaub es nicht. Wenn das wahr ist kommt es womöglich zu einem Weltfrieden. was machen denn dann alle mit den vielen Waffen? Versenken zur Algenzucht? oder Austernbänke
gandhiforever 21.10.2012
5. Das ist ein Lichtblick
Zitat von sysopDPAVier Jahre soll sondiert worden sein, nun scheint der Durchbruch geschafft: Iran will laut "New York Times" erstmals direkt mit den USA über sein umstrittenes Atomprogramm verhandeln. http://www.spiegel.de/politik/ausland/atomprogramm-iran-will-offenbar-mit-usa-verhandeln-a-862512.html
Wenn verfeindete Seiten miteinander reden, ist das immer gut (Ich fuehle mich an Vietnam erinnert). Ob es dann zu einer Einigung kommt, ist eine andere Frage. Und nun spekuliere ich einmal, schliesslich stehen hier Wahlen an. Romney und die Republikaner werden die Entwicklung als ein Nachgeben Obamas zu verglimpfen versuchen, weil in ihrem Augen nur Haerte zum Einlenken der Iraner fuehren kann. Vielleicht sollten diese "Haertefreunde" (um den Ausdruck Kriegsfreunde zu vermeiden) sich mal den NPT genau anschauen, und zwar nicht nur einen Teil davon. Da steht naemlich nicht nur etwas drin ueber die Pflichten nicht-atomarer Staaten. Da gibt es auch Pflichten fuer die Atommaechte, u.a. ein Abbau des Arsenals und ein Verbot, mit Nichtunterzeichnern atomar zusammenzuarbeiten. Wie versucht wird, einem Nichtunterzeichner ueber den NPT hinaus gehende Beschraenkung aufzuerlegen, kann am Beispiel Iran nachvollzogen werden. Wie aber kann die Staatengemeinschaft gegen eine Atommacht vorgehen, die meint, ihren diesbezueglichen Verpflichtungen nicht nachkommen zu muessen? Selbst wenn es da eingebaute Mechanismen gaebe, deren Umsetzung waere allemal schwierig. Der Iran wir sicherlich diese Aspekte auch anschneiden, ignorieren kann sie Washington nicht einfach. Und das ist der Grund, warum Romney, angestiftet von seinem Berater John Bolton (sattsam bekannt aus Bush-Zeiten), die Entwicklung negativ hinstellen wird, auch wenn er uebrhaupt noch nicht wissen kann, wie es steht. Es geht ihm um Grundsaetzliches : Nichtverhandeln ist ein Zeichen von Staerke, begleitet von Drohungen von Gewaltanwendung), Verhandeln ist Schwaeche. Das Thema wird am Montag bie der letzten Debatte sicher zur Sprache kommen. Und da Romney keine Gelegenheit verpasst, ins Fettnaepfchen zu treten, wird er auch dieses Mal dem Patzer nicht entgehen.
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