Atomprogramm Iranischer Meiler Buschehr geht in den Regelbetrieb

Fast vier Jahrzehnte nach den ersten Plänen bezieht Iran Strom aus dem Atomreaktor Buschehr. Das umstrittene Kraftwerk ist iranischen Meldungen um Mitternacht zufolge ans Netz gegangen. Schon bald soll es auf voller Leistung laufen.

Atomkraftwerk Buschehr: Der Reaktor liefert nach iranischen Angaben nun Strom
dpa

Atomkraftwerk Buschehr: Der Reaktor liefert nach iranischen Angaben nun Strom


Moskau - Iran ist in seinem Atomprogramm offenbar einen bedeutenden Schritt vorangekommen: Das umstrittene Atomkraftwerk nahe Buschehr ist mit jahrelanger Verspätung ans Netz gegangen. Wie der staatliche Rundfunk unter Berufung auf den Vize-Direktor der iranischen Atomenergiebehörde, Mohammed Ahmadian, am Sonntag meldete, sei gegen Mitternacht mit einem Testlauf begonnen worden. Die Anlage, die mit russischer Hilfe gebaut wurde, produziere 60 Megawatt Strom.

Ahmadian sagte dem Bericht zufolge, dass am Montag eine Einweihungszeremonie stattfinden und das Atomkraftwerk in den kommenden Monaten die volle Kapazität von 1000 Megawatt erreichen solle. Der Anschluss ans Stromnetz der Anlage nahe Buschehr war wiederholt verschoben worden.

Der Probebetrieb war im Mai angelaufen. Zuvor hatte es mehrfach Verschiebungen gegeben. Unter anderem hatte der mysteriöse Computervirus Stuxnet die Rechensysteme des Reaktors befallen und damit vermutlich die Inbetriebnahme verzögert. Zuletzt mussten die Brennelemente entfernt werden, weil sie möglicherweise mit Metallpartikeln verschmutzt waren.

Der erste Reaktorblock ist ein Mix aus westlicher und russischer Technik. 1974 hatten vor allem deutsche Ingenieure der Firma Siemens mit dem Bau der Anlage im Auftrag des Schahs begonnen, doch war der Konzern 1979 nach dem Sieg der iranischen Revolution aus dem Projekt ausgestiegen. 1995 beauftragte Iran die russische Firma Atomstroiexport für eine Milliarde US-Dollar mit dem Weiterbau. Die Kombination unterschiedlicher Reaktortechniken gilt als aufwendig. Im ersten Block besteht ein Viertel der Ausrüstung aus deutschen Teilen.

Erst im August war bekannt geworden, dass Buschehr schwere technische Mängel hat. Ein russischer Ingenieur, der zwei Jahre auf der Baustelle gearbeitet hat, gab dem SPIEGEL entsprechende Informationen. Viele Maschinen sind demnach nur noch bedingt einsatzbereit. Für alte deutsche Geräte fehlten Ersatzteile.

Der russische Hersteller hatte mehrfach betont, der Bau des Reaktors am Persischen Golf sei gemäß der Richtlinien der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien erfolgt. Russland beteiligt sich im Atomstreit mit Iran an internationalen Sanktionen gegen Teheran.

Iran steht im Verdacht, insgeheim Atomwaffen zu entwickeln. Die Führung in Teheran beteuert dagegen, ihr Atomprogramm nur zum friedlichen Zweck der Stromgewinnung zu verfolgen.

ler/dpa/dapd



insgesamt 42 Beiträge
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karlgutknecht 04.09.2011
1. +++neuer Atommeiler am Netz+++Alarm im GRÜNEN HQ?
Da können wir den lieben Gott ja danken, das nun endlich die unsicheren, maroden deutschen AKWs auf ausdrücklichen Wunsch der gut informierten Bevölkerung abgeschaltet worden sind und nun der sichere iranische Meiler, mit seinem gut ausgebildeten Betriebstechnikern, ans Netz gegangen ist. Dieses AKW soll ja nicht nur gegen Flugzeugabstürze gesichert sein, sondern auch gegen einen möglichen Bombenangriff, weder ein Tsunami, noch ein Erdbeben sind eine Gefahr für den Reaktor, noch der Stunex-Virus, ach Welt wie bist du herrlich. Im Übrigen habe ich noch gar keine Reaktion von den GRÜNEN Weltrettern gehört, was aber auch Sinn macht, denn schließlich können die Iraner ja den netten Herrn Trittin und seine Ökos gar nicht wählen und außerdem soll eine Strahlungswolke ja an der deutschen Grenze halt machen, gell!
CapHad 04.09.2011
2. Willkommen im Club
Hätte ich nicht gedacht, dass Iran es tatsächlich schafft seinen Meiler fertig zu stellen. Da müssen doch den USA und deren Alliierten die Ohren schlackern. Die müssen doch automatisch davon ausgehen, dass der Iran an der Bombe werkelt. Bin wirklich neugierig, ob der Atommeiler bestand haben wird und der Iran über kurz oder lang unangreifbar wird...
cohorte 04.09.2011
3.
Zitat von karlgutknechtDa können wir den lieben Gott ja danken, das nun endlich die unsicheren, maroden deutschen AKWs auf ausdrücklichen Wunsch der gut informierten Bevölkerung abgeschaltet worden sind und nun der sichere iranische Meiler, mit seinem gut ausgebildeten Betriebstechnikern, ans Netz gegangen ist. Dieses AKW soll ja nicht nur gegen Flugzeugabstürze gesichert sein, sondern auch gegen einen möglichen Bombenangriff, weder ein Tsunami, noch ein Erdbeben sind eine Gefahr für den Reaktor, noch der Stunex-Virus, ach Welt wie bist du herrlich. Im Übrigen habe ich noch gar keine Reaktion von den GRÜNEN Weltrettern gehört, was aber auch Sinn macht, denn schließlich können die Iraner ja den netten Herrn Trittin und seine Ökos gar nicht wählen und außerdem soll eine Strahlungswolke ja an der deutschen Grenze halt machen, gell!
Wir leben ja leider in einer Zeit in der Menschen nicht mehr schweigen können, selbst wenn sie nichts zu sagen haben.
sappelkopp 04.09.2011
4. Naja...
...warum sollen die Iraner nicht die Atomenergie nutzen? Man kann ja nun wirklich nicht davon ausgehen, dass die Iraner klüger als andere Nationen sind. Wenn die nicht ewiggestrig wären, könnten die ihre halbe Wüste mit Fotovoltaik zupflastern und Erfahrungen mit solchen Anlagen in ganz großem Stil sammeln. Aber sie sind eben von gestern und wollen der westlichen Welt hinterhereifern, obwohl sie diese verabscheuen.
Rodri 04.09.2011
5.
Wenn Iran schlau ist baut man die Bombe ! Das ist der einzige Schutz gegen die NATO !
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