Atomprogramm Teheran nennt Kompromissvorschläge akzeptabel

Der Iran hat die Weltmächte zu Verhandlungen über sein Atomprogramm eingeladen. Das internationale Kompromisspaket zur Beilegung des Streits bezeichnete die Regierung in Teheran als akzeptable Grundlage.


Teheran - Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Hamid Resa Asefi, verlangte heute darüber hinaus neue Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Er forderte die G8-Staaten auf, den Weg des Dialogs zu beschreiten. Der Weg des Extremismus und der Drohungen sei der falsche, sagte Asefi weiter.

Das Angebot der fünf ständigen Mitglieder des Uno-Sicherheitsrats und Deutschlands enthalte Möglichkeiten, die aber nur durch Verhandlungen ihre erwarteten langfristigen und strategischen Ziele erreichen könnten.

"Dialog ist der richtige Weg", so Asefi. "Wir können akzeptable Ergebnisse auf diesem Weg erreichen. "Die G8 hat zwei Optionen: Das eine ist der Weg der Vernunft, das andere der des Extremismus. Wir hoffen, die G8-Gruppe wird in dieser Angelegenheit vernünftige Empfehlungen aussprechen."

"Es gibt nach wie vor einige Einzelheiten, die vor einer Entscheidung über das Atom-Angebot geklärt werden sollten, und diese Details sollten zunächst geklärt werden durch ernsthafte und offene Verhandlungen", sagte der Außenamtssprecher. Das erneute Einschalten des Uno-Sicherheitsrats sei allerdings nicht konstruktiv. "Egal wie die Resolution des Gremiums aussieht - es bedeutet, dass der Westen nicht den Weg des Gesprächs gehen will."

Der Kompromissvorschlag sieht die Unterstützung des Westens beim Bau eines Leichtwasserreaktors und bei der Entwicklung der friedlichen Nutzung der Kernenergie vor. Im Gegenzug soll sich Teheran verpflichten, alle Aktivitäten zur Urananreicherung auszusetzen und voll mit der Internationalen Atombehörde (IAEA) zusammenarbeiten.

EU-Chefdiplomat Javier Solana hatte den Kompromissvorschlag Anfang Juni dem Iran unterbreitet. Seitdem wartet die internationale Gemeinschaft vergeblich auf eine Antwort. Die fünf Vetomächte und Deutschland hatten daher am Mittwoch erneut den Weltsicherheitsrat eingeschaltet.

Bush und Putin für internationale Atomzentren

Die USA und Russland haben indes die Einrichtung eines Systems von internationalen Verarbeitungszentren für die Atomindustrie vorgeschlagen. Es solle unter der Aufsicht der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) Dienste wie die Anreicherung von Uran anbieten, hieß es gestern in einer gemeinsamen Erklärung. "Sein Hauptziel besteht darin, eine stabile und verlässliche Versorgung mit allen möglichen Arten von Energie sicherzustellen und dabei der Bedrohung durch die Verbreitung von Atomtechnologie zu begegnen", sagte Russlands Präsident Wladimir Putin nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen George W. Bush in St. Petersburg.

Putin zufolge sollen alle Staaten Zugang zu den Zentren haben. Der Chef der russischen Atomenergiebehörde Sergei Kirijenko sagte, ein erstes Zentrum könne im kommenden Jahr im Osten Sibiriens unter IAEA-Aufsicht in Betrieb gehen. In dem Streit um Irans Atomprogramm hatte Russland angeboten, die Uran-Anreicherung zu übernehmen. Derartig behandelt kann Uran auch zum Bau von Atomwaffen benutzt werden.

dab/AP/dpa



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