US-Militär Pentagon listet Pannen bei Atomstreitkräften auf

Ein einziger Schraubenschlüssel für drei Armeestützpunkte - nur einer von vielen Mängeln bei den US-Atomstreitkräften. Verteidigungsminister Hagel steuert nun gegen: mit Investitionen von zehn Milliarden Dollar.
US-Atomrakete bei der Inspektion: Studie enthüllt "systemrelevante Probleme"

US-Atomrakete bei der Inspektion: Studie enthüllt "systemrelevante Probleme"

Foto: AFP / US AIR FORCE

Washington - Die US-Armee verfügt über 450 Interkontinentalraketen - je 150 Raketen auf drei Stützpunkten in Montana, South Dakota und Wyoming. Doch im gesamten US-Militär gibt es nur einen Schraubenschlüssel, mit dem die Soldaten Atomsprengköpfe auf die Raketen setzen können. Also muss die Armee das Werkzeug per FedEx von Basis zu Basis schicken.

Diese Panne hat das Pentagon in zwei Untersuchungsberichten zum US-Nuklearwaffenarsenal enthüllt. Und fehlende Schraubenschlüssel sind nicht das einzige Problem: Die gesamte Infrastruktur an den militärischen Anlagen ist veraltet. So habe die Untersuchung auch ergeben, dass manche Raketensilos nicht richtig geschlossen seien.

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel will das Atomwaffenarsenal deshalb in den kommenden Jahren mit einem milliardenschweren Programm modernisieren. Um etwa zehn Prozent sollen die Ausgaben in den kommenden fünf Jahren steigen, kündigte Hagel an. Das bedeutet zusätzliche Investitionen von zehn Milliarden Dollar.

Hagel bemängelt fehlende Ressourcen

Die Untersuchungen hätten "systemrelevante Probleme" offengelegt, die "die Sicherheit und Effektivität" des amerikanischen Nuklearwaffenarsenals gefährden könnten. "Die Ursache waren mangelnde Konzentration und fehlende Ressourcen", sagte Hagel. Außerdem sei das Atomprogramm der USA seit dem Ende des Kalten Krieges vernachlässigt worden.

Die Macher der Studie hätten mehr als hundert Verbesserungsvorschläge vorgelegt. Es gehe nun darum, in die Infrastruktur zu investieren, die Ausbildung zu verbessern und die Moral der Truppe zu erhöhen, sagte der Verteidigungsminister.

Hagel hatte die Überprüfung des Nuklearprogramms nach einer Pannenserie angeordnet. Im März dieses Jahres wurden neun Offiziere gefeuert, weil sie bei Eignungstests betrogen hatten. Im Kriegsfall wären sie nach Befehlslage für den Start der Kernwaffen zuständig gewesen.

Im Sommer 2013 fand auf der Malmstrom Air Force Base im US-Bundesstaat Montana eine Übung mit beunruhigendem Ergebnis statt. Bei dem Test wurde simuliert, wie Angreifer in ein Raketensilo einbrechen und bis zur "Minuteman"-Rakete vordringen. Laut einem internen Bericht des US-Militärs seien die Sicherheitskräfte nicht in der Lage gewesen, das Silo zügig wieder unter ihre Kontrolle zu bringen.

syd/Reuters/AP/dpa
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