Atomstreit Ahmadinedschad bezeichnet Drohungen als Witz

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat dem Westen eine Doppelmoral vorgeworfen. Denn Staaten, die selbst Nuklearwaffen hätten, würden sein Land zum Stopp des Atomprogramms aufrufen. Militärische Drohungen gegen den Mullah-Staat bezeichnete er als "Witz".


Jakarta/Washington - "Warum sollte es einen Krieg geben? Kann die Stimme einer Nation so einfach verletzt werden? Wir wollen unsere legalen Rechte ausüben", sagte Ahmadinedschad dem indonesischen Fernsehsender Metro TV. Militärische Drohungen gegen Iran seien lächerlich und nur eine "psychologische Kriegsführung".

Iran habe die Mittel, um sich zu verteidigen. Wer Iran angreife, werde sich selbst mehr verletzen, als Iran. "Die Vorstellung, einen Krieg anzufangen, ist wie ein Witz", sagte der iranische Präsident.

Dem Westen warf Ahmadinedschad Doppelmoral vor. Staaten, die über zahlreiche Atomwaffen verfügten, wollten Iran zum Stopp seines "friedlichen" Nuklearprogramms bewegen. Er sei bereit, mit jedem Land über eine Lösung des Konflikts zu verhandeln, doch würden Drohungen solche Gespräche erschweren. "Wenn Ihnen jemand eine Waffe vor das Gesicht hält und sagt, dass Sie reden müssen, werden Sie das tun?", fragte der iranische Präsident, der sich für fünf Tage in Indonesien aufhält.

Die Androhung von Uno-Sanktionen beunruhigten ihn nicht, sagte Ahmadinedschad. Die USA deuteten unterdessen Finanzsanktionen gegen Iran an, falls sich der Weltsicherheitsrat nicht auf eine Resolution einigen kann. Die USA seien bereit, mit einer Reihe gleichgesinnter Staaten außerhalb des Sicherheitsrates Möglichkeiten im Finanzwesen zu ergreifen, weil Iran ein zentraler Finanzier des Terrorismus sei, sagte Außenministerin Condoleezza Rice am Mittwoch dem US-Fernsehsender NBC. Es gebe viele Möglichkeiten vor einem Militärschlag. In Interviews mehrerer US-Fernsehsender zeigte sie sich jedoch optimistisch, dass der Sicherheitsrat handeln werde.

Frankreich, Großbritannien und Deutschland bereiteten ein Paket vor, dass Iran zwei Möglichkeiten lasse. "Iran kann entweder der internationalen Gemeinschaft trotzen und muss dann mit Isolation und einem Handeln des Sicherheitsrates rechnen, oder Iran kann den Weg zu einem zivilen Atomprogramm akzeptieren, der auch für die internationale Gemeinschaft akzeptabel ist", sagte Rice. Nach den Worten von Rice soll die Urananreicherung auf iranischem Boden auf keinen Fall gestattet werden.

Die Außenminister Deutschlands, Großbritanniens und Frankreichs wollen sich kommende Woche in Brüssel auf Eckpunkte eines "Anreizpakets" für Iran verständigen. Anschließend würden die Außenminister der Partnerländer USA, China und Russland informiert, teilte Außenamtssprecher Martin Jäger mit. Das Treffen der sechs Außenminister am Dienstag in New York habe erwartungsgemäß keine Einigung auf eine Resolution gebracht. Allerdings seien "substanzielle Fortschritte" erzielt worden. Die Erfolgschancen für eine Einigung hätten sich erheblich verbessert. Differenzen gebe es noch an fünf bis sechs Textstellen des Resolutionsentwurfes. Rice rechnet erst in Wochen mit einer Resolution im Sicherheitsrat.

als/AFP/AP/dpa



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