Atomstreit Ahmadinedschad lässt den Westen abblitzen

Mahmud Ahmadinedschad hält den Westen weiter hin: Irans Präsident begrüßte im Atomstreit zwar grundsätzlich den Vorschlag, Uran im Ausland anzureichern. Er stellte aber auch klar: Teheran bestehe weiter auf seine "unbestreitbaren Rechte". Auch werden Änderungen an dem Kompromissangebot gefordert.

Präsident Ahmadinedschad inspiziert die Urananreicherungsanlage in Natans: Warten auf eine Antwort Teherans
dpa

Präsident Ahmadinedschad inspiziert die Urananreicherungsanlage in Natans: Warten auf eine Antwort Teherans


Teheran - Iran hat seine Antwort auf den Urankompromiss des Westen vorgelegt. Der iranische Gesandte bei der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien, Ali Asghar Soltanieh, sagte der Agentur Isna, dass Teheran zwar positiv zu dem Vorschlag stehe, aber einige "wichtige technische und wirtschaftliche" Änderungen verlange. Der Kompromiss sieht eine kontrollierte Anreicherung eines Großteils des iranischen Urans in Russland vor.

Der Kompromissvorschlag sieht vor, dass Teheran rund 70 Prozent seines niedrig angereicherten Urans ins Ausland verschifft. Damit würde das Land nicht mehr über genügend Uran verfügen, um eine Atombombe bauen zu können. Die USA und die EU haben Iran wiederholt mit verschärften Sanktionen gedroht, falls das Land im Streit über sein Atomprogramm nicht einlenke. Iran braucht das Uran angeblich für einen Reaktor zu medizinischen Zwecken. Eine von der IAEA gesetzte Frist hatte Teheran am vergangenen Freitag verstreichen lassen.

Zuvor hatte Präsident Mahmud Ahmadinedschad zwar die Idee begrüßt, iranisches Uran kontrolliert in Russland anzureichern. Iran sei zur Zusammenarbeit bereit, sagte er, doch müssten auch die ausländischen Partner ihre Verpflichtungen erfüllen. Er stellte auch unmissverständlich klar: "So lange diese Regierung im Amt ist, wird sie nicht ein Jota von den unbestreitbaren Rechten der iranischen Nation abweichen."

Eine Delegation der Atominspektoren war zuvor nach einer ausgiebigen Inspektion nach Wien zurückgekehrt. Er werde IAEA-Generalsekretär Mohamed ElBaradei in Kürze ausführlich Bericht erstatten, erklärte Herman Nackaerts, der Leiter des Teams, am Donnerstag. Er sprach von einer erfolgreichen Reise.

Die Inspektoren überprüften eine im Bau befindliche Anlage zur Urananreicherung nahe der heiligen Stadt Kom südlich von Teheran. Die Existenz der unterirdischen Fabrik wurde erst Ende September bekanntgegeben, was internationale Kritik am Iran auslöste.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon rief Iran dazu auf, das Kompromissangebot anzunehmen. Eine Zustimmung Teherans zur geplanten Verschiffung seiner Vorräte an niedrig angereichertem Uran zur Aufbereitung ins Ausland wäre "eine wichtige vertrauensbildende Maßnahme", sagte Ban am Mittwoch.

als/dpa/AP/Reuters



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paparatzi, 27.08.2009
1.
Zitat von sysopNach den Wahlen und den innenpolitischen Unruhen sind die Gegensätze zwischen Regierung und Opposition in Iran keineswegs ausgeglichen. Wie sieht die Zukunft des Landes aus?
Ohne Kristallkugel reine Spekulation. Das Durchwurschteln des Systems kann noch Jahre andauern - hier und da Zugeständnisse, dann wieder Härte zeigend - die Protestbewegung ist da und wird bei jeder passenden Gelegenheit auf sich aufmerksam machen. Ein Barometer wird wohl der Ausgang des Schauprozeß sein.
mbockstette 27.08.2009
2. Chamenei weist Vorwürfe gegen das Ausland zurück
Zitat von sysopNach den Wahlen und den innenpolitischen Unruhen sind die Gegensätze zwischen Regierung und Opposition in Iran keineswegs ausgeglichen. Wie sieht die Zukunft des Landes aus?
"Bislang hieß es in Iran, fremde Mächte steckten hinter den Protesten gegen Präsident Ahmadinedschad. Von dieser Position weicht Ajatollah Ali Chamenei nun ab. Der geistliche Führer des Landes sieht keine Anzeichen für Aktivitäten des Auslands - und droht den Bassidsch-Milizen mit Strafverfolgung". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,645206,00.html
BillBrook 27.08.2009
3.
Zitat von paparatziOhne Kristallkugel reine Spekulation. Das Durchwurschteln des Systems kann noch Jahre andauern - hier und da Zugeständnisse, dann wieder Härte zeigend - die Protestbewegung ist da und wird bei jeder passenden Gelegenheit auf sich aufmerksam machen. Ein Barometer wird wohl der Ausgang des Schauprozeß sein.
Aber wie sollen da jemals wieder irgendwelche Wahlen stattfinden?
Leto_II., 27.08.2009
4.
Zitat von sysopNach den Wahlen und den innenpolitischen Unruhen sind die Gegensätze zwischen Regierung und Opposition in Iran keineswegs ausgeglichen. Wie sieht die Zukunft des Landes aus?
Die Gegensätze scheinen ja auch zwischen Regierung und Staatsführung zu bestehen. Ahmadinedschad hat von seinem Chef eine Ohrfeige kassiert, innen- und aussenpolitisch: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,645206,00.html Wollen die beiden sich schon gegenseitig demontieren?
Leto_II., 27.08.2009
5.
Vielleicht wird ihm Ahmadinedschad zu mächtig oder er will den Klerus beruhigen. Rafsanjani hat erst kürzlich Chamenei den Rücken gestärkt und diese demontiert nun Ahmadinedschad.
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