Atomstreit Annan mahnt Iran zur Zurückhaltung

Die Uno und die USA haben die demonstrative Wiederaufnahme der Uranverarbeitung in Iran kritisiert. Uno-Generalsekretär Annan forderte von dem Land Zurückhaltung bei seinen Atomenergie-Plänen. Im Uno-Hauptquartier wird zunehmend mit einer Einschaltung des Sicherheitsrates gerechnet.


Isfahan: Iranische Nuklearexperten arbeiten in der Atomanlage
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Isfahan: Iranische Nuklearexperten arbeiten in der Atomanlage

Wien/New York - Einen Tag nach der demonstrativen Wiederaufnahme der Uranverarbeitung in Iran berät heute die Internationale Atomenergie-Organisation über das iranische Atomprogramm. Im Mittelpunkt der Sondersitzung in Wien steht das Nein Teherans zu dem Kooperationsangebot der Europäischen Union. Iran hatte gestern ein Abkommen mit Brüssel abgelehnt, weil es nicht bereit ist, vollständig auf die Anreicherung von Uran zu verzichten. Die EU fordert dies, um sicherzustellen, dass Iran künftig keine Atomwaffen baut.

Uno-Generalsekretär Kofi Annan appellierte unterdessen an Iran, im Streit um seine Atomenergie-Pläne Zurückhaltung zu üben. Teheran müsse die Verhandlungen mit der EU fortsetzen, erklärte Annan nach Angaben eines Uno-Sprechers bei einem Telefonat mit dem neuen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad.

Auch die USA haben die Wiederaufnahme von Teilen des iranischen Atomprogramms gestern scharf kritisiert, auf eine neuerliche Androhung von Sanktionen aber zunächst verzichtet. Auf die Frage, ob Washington wie in der Vergangenheit angekündigt im Weltsicherheitsrat auf Sanktionen gegen Teheran drängen werde, wollten Regierungssprecher nicht direkt eingehen. Außenamtssprecher Adam Ereli sagte lediglich, die Haltung der USA sei bekannt. Er fügte hinzu, die USA würden die EU im Bemühen um weitere Verhandlungen mit dem Iran unterstützen. Zugleich kritisierte er, mit der Zurückweisung des jüngsten Verhandlungsangebots habe der Iran "einem produktiven Vorschlag eine lange Nase gedreht".

Dennoch hofft Washington noch, dass die Verhandlungspartner "den Geist in seine Flasche zurückzwingen können", wie ein hochrangiger Mitarbeiter des Außenministeriums bestätigte. Neue Anreize werde man Teheran für ein Einlenken aber nicht bieten.

Teheran hatte gestern die Arbeit in der seit rund neun Monaten stillgelegten Uranumwandlungsanlage nahe der Stadt Isfahan zum Teil wieder aufgenommen. Vor den Kameras von Journalisten wurde ein Fass mit Uranerz geöffnet, das dort zu dem Gas Uranhexaflorid verarbeitet wird. Aus dem Gas kann hochangereichertes Uran gewonnen werden, das sowohl als Brennstoff für Kernkraftwerke als auch zum Bau einer Atombombe verwendet werden kann.

Mohammed al-Baradei, Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Behörde IAEA, bestätigte gestern, dass Iran damit begonnen habe, Uranerz in die Umwandlungsanlage einzufüllen. Dies sei zwar erst nach der Installation von Überwachungskameras der IAEA geschehen, jedoch "bevor sie vollständig getestet werden konnten". Die von der IAEA versiegelten Bereiche der Fabrik seien ungeöffnet geblieben.

Die EU will der Wiener Atombehörde eine Resolution vorlegen, in der Iran zur Einstellung aller Arbeiten in Isfahan gedrängt wird. Die USA haben sich darum bemüht, Teheran vor den Weltsicherheitsrat in New York zu bringen. Derweil mehren sich im Uno-Hauptquartier in New York die Stimmen, die von einer Einschaltung des Sicherheitsrates ausgehen. Amerikanische Diplomaten würden bereits eine Resolution zur Verurteilung Teherans ins Gespräch bringen, hieß es in Uno-Kreisen. Danach könne die Verhängung von Sanktionen folgen.



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