Atomstreit Bericht über iranisches Verhandlungsangebot an die USA

Gibt es Bewegung im Streit um das iranische Atomprogramm? Einem Bericht der "Washington Post" zufolge bemüht sich Teheran "verzweifelt", in direkte Verhandlungen mit den USA zu treten.


Washington/Jerusalem - Wie die "Washington Post" berichtet, hat sich Iran im anhaltenden Streit um sein Atomprogramm intensiv um direkte Gespräche mit den USA bemüht. Ranghohe Vertreter aus Teheran hätten "zahlreiche Vermittler" beauftragt, Washington über Irans Bereitschaft zu direkten Verhandlungen zu informieren, meldet das Blatt unter Berufung auf US-Behördenvertreter, iranische Experten und ausländische Diplomaten. Unter anderem habe Iran den Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Mohammed al-Baradei, den Nationalen Sicherheitsberater der USA, Stephen Hadley, und Uno-Generalsekretär Kofi Annan gebeten, gegenüber der Regierung in Washington seine Gesprächsbereitschaft kundzutun.

Die Regierung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad habe erkannt, dass die Situation gefährlich sei und dass es keine Zeit zu verlieren gelte, begründete der ehemalige iranische Regierungsmitarbeiter Saeed Laylas gegenüber dem Blatt die geänderte Strategie Teherans. Iran habe sich "verzweifelt" um direkte Kontakte zur US-Regierung bemüht, sagte ein europäischer Diplomat in Teheran. Anfang des Monats hatte sich Ahmadinedschad in einem Brief mit Vorschlägen zur friedlichen Beilegung des Atomstreits direkt an US-Präsident George W. Bush gewandt und damit 26 Jahre der Funkstille zwischen den Präsidenten Irans und der USA beendet. Der Brief nannte jedoch keine Lösungsansätze für den Atomstreit.

Israelische Sicherheitskreise berichten indes, Iran habe eine Langstrecken-Rakete getestet. Die genaue Reichweite der Boden-Boden-Rakete sei nicht bekannt, sie gehe jedoch nicht über die einer Shahab-3-Rakete hinaus, verlautete gestern aus den Kreisen. Militärexperten zufolge hat die iranische Shabab-3 einen maximalen Radius von 2000 Kilometern und könnte damit Israel oder US-Stützpunkte in der Golf-Region bedrohen. Zuletzt habe Iran im Januar eine Langstrecken-Rakete getestet, hieß es weiter.

Insbesondere in Israel wird das iranische Raketenprogramm mit Besorgnis beobachtet. Der Westen verdächtigt Iran, nach Atomwaffen zu streben, was die Islamische Republik jedoch von sich weist.

phw/AFP/Reuters



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